Mit HEREDITARY hat Aster einen Zeitgeist getroffen und einen Film zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf dem Markt platziert. Ob man den Film in den Pantheon des Genres stellen muss oder ob es sich einfach um einen äußerst gelungenen Erstling handelt, bleibe jedem selbst überlassen. MIDSOMMAR jedenfalls, um den es hier gehen soll, ist meiner Meinung nach -das sei bereits zu Beginn gesagt- allein schon insofern bemerkenswert, als dass er das Niveau des Erstlings hält und Aster somit von sämtlichen Befürchtungen eines one hit wonders freispricht. Bleibt zu hoffen, dass er den Frohlockungen der Industrie widersteht und seinen Stil beibehält, denn der ist wirklich wohltuend anders und lässt nicht nur das Herz der Genrefans höher schlagen.
Zum Film selbst: Die Kamera- und Bildästhetik ist wirklich grandios und hinterlässt einen bleibenden Eindruck, die geschickt über den Film verteilten Gewaltspitzen sitzen und treffen genau dort, wo es sein muss - ich bin beeindruckt. Die den Vorspann einleitende Sequenz mit dem kontrastierenden dunklen Wintersetting zeigt gleich an, was einen erwartet : "wenn ihr Popcornkino wollt, verpisst euch am besten jetzt".
Dann also das permanent taghelle Natursetting der Kommune in Schweden. Die Schrauben werden langsam angezogen - aber man entkommt dem Sog nicht mehr.
Über den gesamten Film sind massenweise intertextuelle Referenzen verteilt, Metaphern und Allegorien, Symbole die auf Zukünftiges verweisen - Ostereier für den geneigten Cineasten - man wird bei der Erstsichtung mit Sicherheit nicht alle finden. (Ja, ich weiß, letztlich bringen wir die Ostereier schon mit unserer kulturellen Sozialisation mit, aber da ist halt sehr viel Anschlusspotential für weitergehendes Kopfkino, das wollte ich damit ausdrücken). Psychologisch, gesellschaftskritisch, kulturtheoretisch - alle diese Lesarten kriegen hier reichlich Futter und es gibt noch vieles mehr, aber dazu haben sich ja schon genügend andere Menschen im Netz geäußert).
Es wurde gelegentlich kritisiert, die Charaktere seien etwas flach - ja, das stimmt vielleicht, aber ich glaube, das ist sogar eine der wichtigsten Aussagen des Films, insofern ...
Es wurde gelegentlich kritisiert, der Film sei langweilig - ich kann und will nur für mich sprechen, wer sich hier gelangweilt hat, ok, suum cuique - ich jedenfalls NICHT.
Wenn mich jemand, der sich näher mit Horrorfilmen beschäftigen möchte fragen würde, welche Filme jüngeren Datums ich ihm empfehle, würde meine Antwort lauten: GET OUT und MIDSOMMAR (HEREDITARY natürlich auch, aber in dieser Reihenfolge (!) ^^).
Ich gebe besten Gewissens die Höchstpunktzahl, obwohl ich eigentlich eher sparsam damit umgehen will - aber dieser Film ist wirklich für den Pantheon - ein Genre-Meisterwerk, ein Film, der bleiben wird.