Nach einem Schicksalsschlag in der Familie ist für Dani ein Tapetenwechsel vielleicht eine gute Idee. Nach Schweden geht es mit ihrem (noch) Freund und ein paar Bekannten, man landet auf einem abgelegenen Gelände, auf dem eine Gemeinschaft in den Vorbereitungen für das Fest der Sommersonnenwende steckt. In Ari Asters idyllischem Horror hat man ab dem dortigen Eintreffen ein mulmiges Gefühl, bald wird dieses bestätigt. Man ergeht sich in merkwürdigen Bräuchen und steigert sich dabei langsam in ein Panorama, welches im Sonnenschein manches Licht abwürgt.
Florence Pugh spielt und leidet sich sehenswert durch das Szenario, letztlich ist es aber eine Gemeinschaftsleistung des gesamten Ensembles, welches die Beobachter und die Sektenmitglieder in ihrem Treiben verkörpert. Das sommerliche Ambiente verstärkt den surrealen Ton, eingefangen wird all dies von einer gekonnten Kameraarbeit. Auch das Spiel mit den Kontrasten versteht Aster, der finstere Beginn und das sonnige Grün teilen sich auf ihre Art manch gemeinsames Unbehagen. Bindungen, Familie, letztlich geht es von einer toxischen Beziehung in eine andere. Dazu gibt es viel Symbolik und Folklore, eingebettet ist das in hübsche Bilder des ungarischen Schwedens.
Und doch lässt „Midsommar“ auch Lücken zu. Nicht alles muss auserzählt werden, aber hier und da fehlen mir dann noch Verbindungsstücke bezüglich mancher Charaktere ebenso wie einsetzende Fluchtreflexe. Auch lässt er aufgrund seines Tempos und der Bildsprache wenig Raum für Überraschungen, man erahnt nicht selten zeitig die nächste sich anbahnende Aktion. Und so erzeugt der Film letztlich weniger eine Spannung denn die Neugier, was wohl als nächstes passiert. Vielleicht auch ein Grund, warum sich das ganz große Grauen nicht eingestellt hat. Dranbleiben wollte ich dennoch.
„You can't speak. You can't move.“
Offenbar kann man sich seine Familie doch (nicht) aussuchen.