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Auch Actionstars können die Zeit nicht zurückdrehen. Einige wenige halten sich fit mit Boxen, andere mit Botoxen. Letzteres hat der alte Schwede Dolph Lundgren beileibe nicht nötig und bringt mittlerweile ein nicht zu vernachlässigendes Charisma mit. Wenn er sich aber während seines einzigen Fights an einem Baum festhält, ist der Wunsch nach einem Rückkampf zwischen Rocky und Drago nicht allzu groß.

Fünf Umschläge mit Aufgaben lässt Unterweltboss Vladik (Lundgren) Rhona (Natalie Burn) zukommen, welche sie in nur einer Nacht auszuführen hat, wenn sie ihren entführten Sohn Mika lebend wieder sehen will. Doch die Konkurrenz in Form von Kane (Sean Patrick Flanery) schläft nicht…

Die Regisseure Michael Merino und Daniel Zirilli erlagen offenbar dem nicht ersichtlichen Charme der Produzentin Natalie Burn, die sich selbst die Hauptrolle zuschusterte, um im Kate-Beckinsale-Gedächtnislook einen auf lederne Amazone zu machen. Durch den übermäßig stark betonten Kajal wirkt das Gesicht noch kühler, was den Zugang fast unmöglich macht.

Zugang ist ohnehin ein großes Problem: Die Story steigt ohne den Hauch von Hintergründen ein, es gibt keine Eckdaten, kaum einen Kontext. Zu wem gehörte Rhona einst? Wer sind die Bösen oder gar die Strippenzieher? Warum das unrealistische Zeitfenster von nur einer Nacht?
Egal, im fast schon sterilen Digitallook wird durch LA gebrettert, um Stationen abzuklappern.
Und das oftmals mit soviel Neon und zusätzlichen Farbfiltern, dass Konturen zeitweise verschwinden, wobei die Lokalitäten zwischen Club, Etablissement und austauschbaren Privaträumen eh nicht viel rausreißen.

Mit der Action verhält es sich allerdings auch nicht besser: Bei diversen Mündungsfeuern stechen miese CGI ins Auge, gleiches gilt für einige blutige Einschüsse. Die Kämpfe weisen indes unterschiedliche Qualitäten auf. Burn kann sich immerhin einigermaßen bewegen und auch mal mit einigen Kicks und Würgegriffen austeilen, was aber auch an der auffallenden Unfähigkeit ihrer Gegner liegen mag. Gastauftritte von Leuten wie Chuck Liddell oder auch Quinton 'Rampage' Jackson hätte man sich deutlich wuchtiger ausgemalt und Danny Trejo schaut nur kurz vorbei, um für zwei Minuten im Sessel sitzend abzukassieren. Einzig Flanery hat Freude an seinem überdrehten Fiesling und lebt dies in nahezu jeder Szene aus.

Wahrlich stellt man sich einen Wettlauf gegen die Zeit ein wenig spannender vor, als dieses bruchstückhaft erzählte Geplänkel, bei dem zumindest der Schnitt gelungen ist. Hierfür zeichnet sich Regisseur Mike Mendez verantwortlich, der im Vorfeld möglicherweise eine Wette verloren hatte. Der Rest ist uninspiriert und selten spannend in Szene gesetzt und selbst Dolph wirkt vergleichsweise müde, - die Coolness verdankt er eher der Synchro von Manfred Lehmann. Folgerichtig ein Actioner, der trotz einigermaßen flotten Erzähltempos mehr oder minder gegen die Wand fährt.
3 von 10

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