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Robert the Bruce dürfte dem einen oder anderen Filmfreund ein Begriff sein. Nein, er ist nicht der Vater von Willis the Bruce, der irgendwann in Hollywood Fuß fassen konnte. Einst kämpfte er an der Seite von William Wallace im schottischen Freiheitskrieg, was Mel Gibson 1995 zu „Braveheart“ brachte. Seinerzeit verkörperte Angus Macfadyen Robert the Bruce, was ihn offenbar so stark beeindruckte, diese Rolle rund 25 Jahre später noch einmal zu übernehmen, während er zugleich das Drehbuch verfasste und als Produzent fungierte.

Schottland 1306: Der Unabhängigkeitskrieg zwingt Robert the Bruce nach zahlreichen verlorenen Schlachten in die Knie. Sein Gefolge schickt er heim, welches sich kurz darauf gegen ihn wendet, da ein hohes Kopfgeld ausgesetzt ist. Robert wird verletzt und von der Witwe Morag gefunden und gesund gepflegt, während ihre drei Sprösslinge nach und nach in die Kunst des Kämpfens eingeweiht werden. Doch dann bekommt man Wind vom Aufenthaltsort Roberts…

Schon aufgrund des schmalen Budgets sollte man kein Schlachtenepos erwarten. Es ist eher ein ruhiger Film, der sehr frei nach Überlieferungen konzipiert ist und den schottischen Nationalhelden im Stillen zelebriert. Zuweilen etwas zu still, denn die erste Stunde nimmt sich viel Zeit für die Familie, die abgeschieden in den verschneiten Highlands in einer schlichten Hütte lebt.

Zwar finden im Verlauf einige Kämpfe statt, doch die Zahl der Komparsen bleibt überschaubar und die Gewalteinlagen gehen problemlos mit der FSK16 einher. Robert the Bruce erscheint indes als nachdenkliche Person, die eine Spinne beim Bau ihres Netzes beobachtet, woran jene mehrfach zu scheitern droht, wie er in den Schlachten gegen die Engländer. Immer wieder werden Soldaten gefragt, welchem König sie dienen, es wird eine Art Mittelalter-Brexit gespielt, was innerhalb ruhiger Momente in der Familie durchaus zu emotionalen Momenten führt.

Jene transportieren die durchweg fähigen Mimen glaubhaft, während der orchestral arrangierte Score mehr als nur einmal an den von James Horners „Braveheart“ angelehnt ist. Die solide Kamera fängt die urigen Landschaften Schottlands (und Montanas) variabel ein und auch die Ausstattung kommt authentisch rüber.

Storytechnisch tritt man zwar einige Male auf der Stelle und eine Straffung der rund 123 Minuten wäre hier und da wünschenswert gewesen, doch die ruhige Abhandlung eines eigentlich kämpferischen Mannes hat dennoch einige Momente. Letztlich spiegelt der Streifen nicht ansatzweise die Verdienste der historischen Figur wider, was insbesondere Actionfreunden bitter aufstoßen könnte. Denn das geballte Herzblut eines „Braveheart“ sollte trotz leichten Fortsetzungscharakters nicht erwartet werden.
6 von 10

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