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Wer sich nicht übermäßig für internationale Politik interessiert, dürfte hinsichtlich der Personalien der Vereinten Nation allenfalls Namen wie Kurt Waldheim, Boutros Boutros-Ghali und schon eher Kofi Annan gehört haben, die alle irgendwann als UN-Generalsekretäre tätig waren. Noch weniger dürfte den meisten der Name Sergio Vieira de Mello bekannt sein, der als Kommissar für Menschenrechte anno 2003 in Bagdad unterwegs war. Umso interessanter, wie Regisseur Greg Barker es schafft, einem jene Persönlichkeit näher zu bringen.

August 2003: Sergio (Wagner Moura) ist viel in der Welt herumgekommen, vermittelte bereits in Kambodscha und versucht nun, im Irak für eine Übergangslösung zu sorgen. Doch kurz vorm Durchbruch der Verhandlungen explodiert eine Autobombe und Sergio wird von Trümmern des zerbombten Hotels verschüttet…

Bereits 2009 drehte Barker eine gleichnamige Doku über den gebürtigen Brasilianer, wogegen er das Biopic mit einer Romanze anreicherte. Die Liaison mit der attraktiven Carolina (Ana de Armas) lässt den Diplomaten zwar ein wenig menschlicher erscheinen, doch gleichermaßen werden dadurch wichtige Punkte rund um das Verhandlungsgeschehen in den Hintergrund gerückt. Entsprechend versucht die Erzählung diverse Handlungsebenen mit Zeitsprüngen zu kombinieren, was dramaturgisch nicht immer ausgereift erscheint.

Neben dem Taktieren auf politischer Ebene sollen die Bergungsarbeiten Spannung erzeugen, während Rückblicke einen Kontrast hierzu bilden. Daraus entstehen zwar einige recht ansehnliche Landschaftsaufnahmen (gedreht in Thailand, Rio de Janeiro und Jordanien), doch man bleibt eben nicht am Ball, verfällt in Träumereien und glückliche Erinnerungen, anstatt des knappen Zeitfensters bei der Rettungsaktion Nachdruck zu verleihen.

Das ist insofern schade, als dass man Sergio als besonnenen und gleichermaßen mutigen Mann kennen lernt, der das Gespräch mit einem Rebellenführer ebenso wenig scheut wie mit einem penetranten US-Gesandten, der etwas zu klischeehaft für die engstirnige Außenpolitik seines Landes steht. In einer der stärksten Szenen des Films führt Karolina Sergio zu einem Zelt, in dem ältere Frauen ihrem Handwerk nachgehen. Auf die Frage nach ihren Träumen gibt es eine Antwort, die am Ende zu einer Umarmung zweier scheinbar ungleichen Menschen führt.

Neben den exotischen Kulissen mit überzeugender Ausstattung punktet die treffende Besetzung und die ordentliche Präsenz der Mimen. Obgleich die Romanze das Treiben immer wieder ausbremst, bilden Moura und Armas ein charmantes Duo, bei dem die Chemie stimmt. Diesbezüglich unterstreicht der ansonsten eher zurückhaltende Score eine leicht kitschige Note.

Am Ende hätten aus den knapp zwei Stunden deutlich mehr werden können, was mangelnde Spannung und einige eher langweilige Momentaufnahmen untermauern. Immerhin lernt man eine nicht uninteressante und einflussreiche Persönlichkeit kennen, die nicht nur als Gutmensch präsentiert wird und dessen Wirken innerhalb der UN nicht ohne Folgen blieb.
Knapp
6 von 10

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