Mal abgesehen vom „Ungarischen Tanz No. 5“ komponierte Johannes Brahms nicht die Fülle an Evergreens wie einige seiner Kollegen. Stattdessen fungiert er über hundert Jahre nach seinem Ableben als Namensgeber für eine Horrorpuppe, der nach vier Jahren eine Fortsetzung spendiert wird.
Nach einem traumatisierenden Raubüberfall ziehen Liza (Katie Holmes), ihr Mann Sean (Owain Yeoman) und der seit dem Vorfall schweigende Sohn Jude (Christopher Convery) von London aufs Land, nahe eines alten, leerstehenden Herrensitzes. Als Jude eine Porzellanpuppe namens Brahms im Wald findet und behält, baut sich schon bald eine dubiose Verbindungen zwischen ihnen auf…
Klischees geht diese Fortsetzung von Regisseur William Brent Bell wahrlich nicht aus dem Weg, obgleich mit der Prämisse des traumatisierten Sohnes und der nicht minder leidenden Mutter eine ausbaufähige Idee eingebaut wurde. Dennoch bleiben die Figuren relativ konturlos und aus den Möglichkeiten nonverbaler Kommunikation wird wenig herausgeholt.
Auf der Habenseite findet sich indes die Erscheinung des Titelgebenden, welche sich möglicherweise tatsächlich am Aussehen des jungen Komponisten orientiert: Anzug, Krawatte, weißes Hemd, streng gekämmter Scheitel und ein entsprechender Blick, der ein latentes Unbehagen auslöst. Folgerichtig spielt Bell lange Zeit mit der unterschwelligen Bedrohung durch die Puppe, nur leider kommt da nicht allzu viel.
Und was sich ereignet, ist teilweise zehn Meilen gegen den Wind zu vernehmen. Etwa, als ein durch und durch garstiger Neffe zu Besuch ist, der im Garten pöbelt und dabei einen Kricketschläger entzweit. Oder die Rolle des Jägers (Ralph Ineson), der ab und an durch die Wälder streunt und von vornherein mehr über das Geheimnis der Puppe zu wissen scheint. Zum passenden Zeitpunkt wird per Internet natürlich eine komplette Historie der Puppe und entsprechenden Bewohnern mit viel Bildmaterial abgerufen, während der Showdown auf einen Twist hinausläuft, der eine weitere Fortsetzung nicht ausschließt.
Leider lassen sich die Erschreckmomente an weniger als einer Hand abzählen, es fließt nahezu kein Blut und auch die Puppe an sich bleibt recht passiv und sitzt die Angelegenheit im Stillen aus. Darstellerisch pendeln sich die Leistungen auf durchschnittlichem Level ein, wobei Jungmime Convery eine eigentlich gestandene Katie Holmes locker an die Wand spielt, während Ineson durchweg dem Overacting anheim fällt.
Mal abgesehen vom effektiven Erscheinungsbild der nicht allzu mörderischen Puppe mangelt es an kreativen Ideen und dem Mut, sich von Genrekonventionen zu lösen. Denn insgesamt ereignet sich innerhalb der 90 Minuten zu wenig, um sich von ähnlich gelagerten Werken in irgendeiner Form abzuheben, allenfalls ein paar atmosphärische Spitzen sind am Rande mitzunehmen.
Knapp
5 von 10