Review
von Leimbacher-Mario
U-Turn = ungewollter Turn
Teuflische Autos, manchmal sogar nur einen Reifen, tödliche Strände und gefräßige Betten, verfluchte Häuser und Killerklamotten. Was haben wir nicht schon alles gesehen, von „The Car“ bis „Rubber“, von „Slaxx“ bis „Bed of the Dead“, von „In Fabric“ bis „Duel“. Etliche Dinge, Fahrzeuge und Alltagsgegenstände sind im Horrorgenre schon zu gefährlichen Tötungsmaschinen geworden. Mal trashiger, mal weniger trashig. „The Boat“ macht dies nun mit einem zuerst unscheinbaren Segelboot, das von einem einzelnen, unvorbereiteten Fischer im Nebel gefunden und bestiegen wird...
Kammerspiele sind mein Ding. Ich mag sie einfach sehr - umso weniger Dialog dabei ist, umso besser. Kino ist ja nicht umsonst ein visuelles Medium. Mystery kann auch nie schaden. Sommer und Sonne passen momentan gut ins Geschehen. Und all das bietet diese effektive Ein-Mann-Geschichte von Herrn Azzopardi, der seinem Sohn da im doppelten Sinne ein ziemlich gemeines Vehikel zusammengeschustert hat. Azzopardi Junior spielt intensiv und hält das Interesse auch ohne große Worte und Gesten hoch, die Laufzeit ist keine Minute zu lang und der Score dröhnt atmosphärisch vor sich hin. Die letzten Momente sind sogar nahezu meisterhaft, einige gefährliche Szenen lassen den Blutdruck gehörig in die Höhe schnellen und das Boot hat definitiv eine gruselige, seltsame und geisterhafte Aura. Richtig fies und böse wird’s zwar nie, manchen mag das auch definitiv zu wenig und zu minimal sein - aber ich wurde gut unterhalten. Wirklich gut. Man darf allerdings absolut keine Schocks, Geister und Gedärme erwarten. Ein sommerlicher Gourmethappen.
Fazit: ein Mann. Ein Boot. Etwas Mystery. Keine Langeweile. Immerhin. Alle Hand. One-Man-Show. Familienprojekt. Ominöse Kräfte. Christines Yachtcousine. Understatement und Minimalismus. Spannend, intensiv und creepy. „All Is Lost“ trifft auf „Open Water“ trifft auf „Death Ship“.