Dritte, letzte und am wenigsten erfolgreichste Team - Zusammenarbeit zwischen Regisseur Gordon Chan und Darsteller Stephen Chow, wobei der finanzielle Aspekt mit einem Einspiel von immerhin noch HK $31,5 Millionen weiter stark präsent war; die vorherigen Werke Fight back to School 1 + 2 [ 1991 bzw. '92 ] nur eben nicht mehr gänzlich erreichen konnte. Dabei verwirklicht man nach anfänglichen modern day Abhandlungen hiermit den Einstieg in die Welt der period pieces, die in dem Zeitraum vor allem mit den zahlreichen Louis Cha Verfilmungen ihren Höhepunkt erreichten und für eine Weile die bis dahin zuschauerträchtigen Heroic Bloodsheds in der Bedarfsdeckung ablösten.
King of Beggars braucht sich wie einige ähnlich gehaltene Stephen Chow Vehikel der Marke Justice, My Foot!, Royal Tramp 1 + 2 oder The Mad Monk vor allem von dem produktionsbezogenen Aufwand, der multimedialen Aufrüstung und der damit verbundenen visuellen Sorgfalt her nicht hinter seinen eher griesgrämigen Artgenossen verstecken. Chow - der dieses Jahr das Box Office unangefochten mit den fünf ertragreichsten Filmen anführte - bekam als Direkt-Marketing zumeist handverlesene Filmemacher wie Johnnie To, Jeff Lau, Lee Lik Chi oder eben Gordon Chan vorgesetzt; deren Anspruch und Ehrgeiz über die billige Klamotte hinausging und die sich neben der Hinwendung zum Publikum auch mit der gescheiten Umsetzung kostenintensiver Projekte verstanden. Dass man die eigens mühsam und fein säuberlich aufgebaute Inszenierung gleichzeitig wieder desillusioniert, trägt nicht unmässig zur mehrschichtigen Belustigung bei.
Die epocheumspannenden Pointen zielen desöfters auf die Entlarvung der Posen, entweder direkt auf ein Misslingen von Ehre und Ruhm oder ein kompletten Exzess vermeintlicher Würde, die dann zur Eitelkeit ausgestellt und so ironisierend unterlaufen werden. Der schöpferische Einfall grosser Gesten, die zuerst florierend um Aufmerksamkeit buhlen und dann ebenso erfolgreich scheitern. Eine Faszination zwischen Dilettantismus und Dynamit.
Demgemäss bekommt man auch optisch das Beste aus zwei Welten geboten und darf sich nicht nur an mehr oder weniger einfallsreichen Scherzen und spöttischer Lebenshaltung erfreuen, sondern sich symbiotisch auch in die speziell-luxuriöse Martial Arts Umgebung der Ching-Dynastie versetzen lassen. Ein gesondeter ästhetischer Wahrheitsbegriff, einschliesslich der monströsen Präzision von altertümlichen Prachtbauten, der schmuckvoll-dekorativen Ausstattung und vornehmer Kostüme, ja sogar dem Gang auf dem Wunderwerk der Chinesischen Mauer. Plus dem gewissen märchenhaften Gefühl von bösen Herrschern und schönen 'Prinzessinnen' sowie dem 'Ritter auf dem weissen Pferd', der in Lagen höchster Not zur Rettung eilt. Losgelöst von handfesten Zeiten und Orten und demnach in ein weniger gegenständliches Szenario von mittelalterlichem Boulevardvergnügen gesetzt erlaubt man sich ein phantasievolles Spiel abseits von Realität; dazu gehören auch Zauber- und andere von der Normalität abweichende übersinnliche Kräfte. Zeitlose Geschichten mit old-school Charme, einer Iteration an allgemeingültigen Motiven, der folglichen Anlehnung an Traditionen und der Anwesenheit des amüsant Mythischen. Entsprechend diesem Anschluss an die Form- und Stilmerkmale des wuxia Genres, in der zusätzlich in einer kollektiven Collage humoristische Wort-, Gedanken- oder Satzfragmente verwoben werden, greift man hiesig auch die historisch verbürgte, aber mittlerweile popliterarische Figur des Beggar So auf: Su Hua Chi. Ein Charakter chinesischer Folklore, der dem Westerner vor allem als 'Sam Seed' aus Drunken Master, Story of Drunken Master und Dance of the Drunk Mantis bekannt ist; seine drunken boxing technique aber bereits seit 1953 als stetig wiederkehrende Figur in den Wong Fei-hong serials verbreitete.
So Chan [ Stephen Chow ], der unnütz-pseudonaive Sohn des General of Canton [ Ng Man Tat ] kann wie seine gesamte Familie nicht lesen oder schreiben. Dies fällt spätestens dann auf, als er sich in Peking als Scholar of Martial Arts beworben hat und sein Betrug beim schriftlichen Einstellungstest ans Tageslicht kommt. Die prompte Bestrafung des Kaisers sieht die Wegnahme jeglichen Eigentums vor; So Chan und sein Vater müssen nunmehr bis ans Lebensende als Bettler leben und finden sich beim Wintereinbruch argen Schwierigkeiten ausgesetzt. Helfen tut allein die reiche Yu-chang [ Sharla Cheung Man ] und ihre Schwester Tracy [ Vindy Chan ], die sich von Beggar So schlagkräftige Hilfe gegen die einen Regierungssturz planenden Chiu [ Norman Tsui ] und Seng Ko Lin-chin [ Lam Wai ] erhoffen.
Die eher ausbaufähig statt spannend zu kategorisierende Erzählung hätte in seinen drei konsistenten Akten mit klassischer Katharsis auch ohne Mühe als seriöses Epos erzählt werden können und erfuhr diese wiedererkennbare Beschreibung auch öfters in den Shawschen Ten Tigers of Kwantung, Heroes of the East oder Young Vagabond. Dramaturgisch auf dem Grundakkord zeremonieller Eastern abgestützt erwirkt man ebenfalls einige Minuten negativer Höhepunkte von Emotion und Tragik. Weist dem überwältigenden Hauptteil aber natürlich der reinen Komik und der Lust an der harmlosen Provokation zu und schert sich abseits manchen Reiz-Reaktions-Verhaltens auch kaum um die Ausbreitung von Hintergründen und Absichten. Eine kurzweilig durchkomponierte Leichtigkeit mit sowohl losem Umherirren als auch angenehmer Berechenbarkeit. Der Schwerpunkt der temperamentvollen Angelegenheit liegt weniger auf sarkastischen Zwischentönen als vielmehr einer Hintereinanderstellung von dumbfun Sketchen, die in ihrer recht willkürlichen Auswahl teilweise gar nichts mit dem eigentlich aufgestellten szenischen Zusammenhang zu tun haben und in neckischen Spielen hinter der Schattenwand, Verführungsträumen, Charakterkomik, Bruce Lee Referenzen, schnodderigen Fehlverhalten und daraus resultierend Peinlichkeiten und Lausbubenstreiche abschweifen. Meist bedarf es einer knappen Ermahnung, um die hirnrissig-theatralische Veranstaltung slapstickreicher one-reeler plotlogisch fortzuführen und die Auswahl der paradox-stilistischen Parodien, wie ad absurdum verballhornten Hommagen und gestisch überzogenen Zeichnungen einzurahmen.
Da Beggar So zumeist von Könnern des Kung Fu dargestellt wurde - wobei gerade da mit Lau Kar Leung, Gordon Liu, Philip Kwok und Donnie Yen auch wirkliche Fachkräfte in die verschliessene Robe schlüpften -, passt die hiesige Besetzung mit Komödiant Stephen Chow sogar weit besser, als man von dessen Filmographie her annehmen könnte. Chow hat ebenfalls seit früher Jugend Wushu trainiert, dies aber eben überhaupt nicht oder nur sehr selten auf der Leinwand angewandt und stellte sich meist als motorisch unsensibler Clown dar, der eher Reissaus nimmt als sich dem Kampf zu stellen und ansonsten allerhöchstens durch Zufall und Glück die körperliche Auseinandersetzung gewinnt. In dieser versponnenen Überarbeitung zeigt Chow tatsächlich einmal mehr von seinen vorhandenen technischen Fertigkeiten, und hat auch gewohnt ausgeprägte Schlitzohrigkeit / Spitzfindigkeit / Dreistigkeit - Eigenschaften, dafür aber keine intellektuelle Arroganz, virilen Sprachwitz oder gar Rollenprosa zu bieten.
Die Dimension der rhapsodischen Übertreibung fast hin zu einem anarchischen Karneval trifft auch auf die Actionkonsequenzen zu, die mit unerbittlich mörderischen Begegnungen, nächtlichen Attentaten, Sperrattacken, abgeschlagenen Köpfen arbeiten, Schlachtfelder zuweilen in Massengräber verwandeln und sogar Sektenrituale, Kultstätte, minderjährige Menschenopfer und Giftgaswolken bereithalten. Da So Chan tatsächlich ein souveränes As der Bewegungsakrobatik - und Yuen Cheung Yan für die Choreographie verantwortlich ist -, muss man nicht gänzlich auf salopp-effektive Einstellungen verzichten, sollte seine Erwartungen aber nicht komplett auf ein Feuerwerk an physisch-bodenständiger Erregung abstellen. Statt furiosem Drunken Boxing gibt es anomale Momente von Mantis, Cranes und Sleeping Disciples Fist. Statt einer grossangelegten Finalschlacht, die immerhin verlockend angedeudet wird, nur ein simpler Kampf Mann gegen Mann. Und zu offensichtlich sind spätere Drahtseilkampagnen, radikale Kulissenhaftigkeit, Schießbudenbeleuchtung und sagenhafte Irrealität des Geschehens.
Auch hier folgte eine gleichnamige TV - Serie; zwar erst 2005, aber dann gleich gefüllt mit dem fast kompletten Kung Fu Hustle Darstellerteam.