Bubba Ritter (Larry "Dr. Giggles" Drake) hat den stattlichen Körper eines 36jährigen Mannes, doch sein Gehirn konnte mit der Entwicklung nicht Schritt halten und ist auf der Stufe eines kleinen Kindes stehen geblieben. Und so tollt der sanftmütige, harmlose Bubba am liebsten mit seiner Spielgefährtin Marylee Williams (Tonya Crowe), einem jungen Mädchen, über die Felder und Wiesen. Einigen ignoranten Bewohnern dieser ländlichen Dorfgemeinschaft, allen voran dem Postzusteller Otis P. Hazelrigg (Charles Durning), ist diese unschuldige Freundschaft jedoch ein Dorn im Auge, und als Bubba eines Tages die scheinbar leblose Marylee zu Hause abliefert, schlägt trotz aller Unschuldsbeteuerungen seitens des geistig zurückgebliebenen Mannes ihre dunkle Stunde: Bubba, der sich völlig verängstigt in einer alten Vogelscheuche versteckt hat, wird von den aufgebrachten Männern gestellt und regelrecht hingerichtet. Viel zu spät macht die Meldung die Runde, daß es Marylee nicht nur gut geht, sondern daß Bubba das Mädchen auch noch vor einem aggressiven Hund gerettet hat. Da die Gerechtigkeit gerade Urlaub macht, werden die auf Notwehr plädierenden Mörder in einer lächerlichen Gerichtsverhandlung freigesprochen. Die irdische Rechtssprechung mag versagt haben, doch es gibt da draußen noch eine andere Form von Gerechtigkeit, und diese denkt nicht daran, Bubbas Mörder ungestraft davonkommen zu lassen.
Nach Ansicht von Dark Night of the Scarecrow soll Horrorikone Vincent Price gesagt haben: "Mar-vel-ous! I was terrified!" Und wenn man am Ende des Filmes, nach der wundervollen, unvergeßlichen letzten Einstellung, gebannt vor dem Fernseher sitzt, kann man die Aussage des Kultschauspielers gut nachvollziehen. Das Besondere an dem für das Fernsehen produzierten Dark Night of the Scarecrow ist, daß sich die vielen kleinen, gut funktionierenden Teile zu einem großen, homogenen Ganzen zusammenfügen. Frank De Felitta setzte das von J.D. Feigelson geschriebene, facettenreiche Drehbuch mit einem brillanten Gespür für Atmosphäre in Szene, wobei er die Figuren nie aus den Augen verliert. Lane Smith (ein großgewachsenes William H. Macy Lookalike) ist als Harless Hocker ebenso grandios wie Charles Durning als kleingeistiger Briefträger Otis P. Hazelrigg, der immerhin gerissen und autoritär genug auftritt, um eine kleine Gefolgschaft in seinen Bann zu ziehen. Wie sagt man so schön? Unter den Blinden ist der Einäugige König. Daß Hazelriggs Aktionen eigennütziger Natur sind, da in dem Drecksack ein kleiner Pädophiler zu schlummern scheint, ist für eine TV-Produktion der frühen 1980er sehr gewagt. Während im Horrorkino der damaligen Zeit explizite Gewaltdarstellungen auf die Spitze getrieben wurden, erweist sich De Felitta notgedrungen als Meister der Zurückhaltung und des Aussparens. Er versteht es, das Grauen im Kopf des Zusehers entstehen zu lassen, wodurch diverse Szenen eine Intensität und Nachhaltigkeit erlangen, die kein Spezialeffekt jemals bewerkstelligen könnte. Und eine einsam auf einem Feld stehende Vogelscheuche war nie wieder so unheimlich wie in diesem kleinen Meisterwerk. Wenn es einem vergönnt war, Dark Night of the Scarecrow als Kind erlebt zu haben, dann wird sich dieser Streifen wohl unweigerlich in die Hirnwindungen gebrannt haben. Ich spreche da aus Erfahrung. Daß der Film dann aber zig Jahre später nicht nur den Erinnerungen stand hält, sondern auch aufs Neue vollauf zu überzeugen weiß und Angst einzuflößen vermag, kann man ihm nicht hoch genug anrechnen.