Man ahnt schon, daß die beiden Männer nichts Gutes im Schilde führen, als sie in einer heruntergekommenen Gegend in einer Wohung Schallschutzmatten verlegen, ein Bett anschrauben und mit Handschellen hantieren: tatsächlich haben Vic (Clemens Schick) und Tom (Max von der Groeben) eine Lösegeldentführung geplant und setzen gerade die letzten Schritte, bevor sie zuschlagen. Das Opfer ist die junge Stella (Jella Haase), die tagsüber am Heimweg überfallen und in einen gestohlenen Transporter gezerrt wird, bevor sie in die vorbereitete Wohnung in irgendeinem anynomen Berliner Hochhaus verfrachtet wird.
Mit einem Stoffbeutel über dem Kopf wehrt sich Stella zwar nach Kräften, kommt jedoch nicht gegen die beiden stets maskierten Männer an, die sie am Bett festketten. Nach Entfernen der Oberbekleidung und ein paar Fotos mit einer aktuellen Tageszeitung erfährt sie dann, daß sie gegen ein Lösegeld wieder freikommen soll.
Doch ganz so einfach gestaltet sich diese Entführung dann doch nicht, denn der Vater reagiert zunächst nicht und auch Stella fügt sich nicht in die Umstände, sondern möchte den beiden entkommen. Eine Gelegenheit scheint sich zu bieten, als einer der beiden Entführer das Haus verläßt und sie einen Toilettengang andeutet, wobei ihr 3 ihrer 4 Fesseln abgenommen werden. Im Zuge dessen macht sie eine wichtige Entdeckung...
Handwerklich sauber zieht Regisseur Thomas Sieben mit Kidnapping Stella einen typischen Entführungsfall auf, bleibt mit der Kamera dicht am Geschehen und schildert das Vorgehen aus der Perspektive der drei Hauptdarsteller, von denen man erst nach einiger Zeit ein klein wenig von deren Vorgeschichte erfährt: der jüngere Tom hat den älteren, bärtigen Vic während eines nicht allzu langen Aufenthaltes im Knast kennengelernt, wo die beiden den Plan zu einer Entführung ausgeheckt hatten, mit deren Lösegeld sie ein für alle Mal ausgesorgt haben wollten. Das Opfer sollte die Tochter eines vermögenden Vaters sein, und so fiel die Wahl eben auf die blonde Stella. Kein besonders ausgeklügelter Plot, den man zudem schon hundert Mal gesehen zu haben glaubt, dennoch vermag der Film eine gewisse Spannung aufzubauen und auch zu halten, was vor allem an den sich ändernden Verhältnissen der Hauptbeteiligten untereinander liegt.
Das Setting mit der wenig einladenden Wohnung, deren schalldicht gedämmtes Schlafzimmer mit zusätzlichen Riegeln versehen ist, die Vorsicht der Entführer, sich ihrem Opfer nur mit Masken zu zeigen und stets mit neuen Wegwerf-Handies zu arbeiten oder auch die Pein der Entführten, nur gefesselt in eine hingehaltene Plastikflasche urinieren zu können, lassen das Publikum in eine beklemmende Atmosphäre eintauchen, in der sich keiner der Beteiligten sicher sein kann, was als nächstes geschieht und ob alles so läuft wie man sich dies wünschen mag.
Ein Mitfiebern hält sich allerdings in Grenzen, da nach einiger Zeit alle Akteure trotz unterschiedlicher Ausgangslage bezüglich ihrer Skills als gleichwertig erscheinen: die Männer sind (immerhin) keine Sadisten und das Opfer durchaus wehrhaft, dazu verfügen alle drei über ein jeweils unterschiedliches, aber ganz bestimmtes Interesse - die Lage kann sich also blitzschnell ändern.
Kidnapping Stella ist das deutsche Remake des britischen 2009er Thrillers Die Entführung der Alice Creed, doch auch ohne das Original zu kennen, vermag der 2019er Streifen, der mit nur drei Protagonisten auskommt, ganz leidlich zu unterhalten. Ohne allzuviel Gewalt (eine Fingeramputation wird angedeutet, ein Schlag ins Gesicht per schwarzem Bildschirm ausgeblendet), ohne größere Logiklücken (eine der wenigen ist der Umstand, einer gefesselten Person die schwarze Hose aufzuschneiden um diese zu entfernen, ihr dann aber einen orangefarbenen Strampler überzuziehen trotz Fesselung - wtf?) aber eben auch ohne größere Überraschung entwickelt sich das Geschehen, dessen Finale dann bezüglich der Zukunft der Beteiligten halbwegs offen gestaltet bleibt. Kann man sich durchaus mal anschauen: 6 Punkte.