Die Leiche der jungen Elizabeth (Karen Black) wird vor einem Apartmenthaus gefunden, vermutlich heruntergestoßen vom Dach. Inspektor Henderson (Christopher Plummer) findet bald heraus, dass sie eine heroinabhängige Edelprostituierte war. In Rückblenden erfahren wir, dass sie die Aufmerksamkeit eines sehr wohlhabenden, einflussreichen Mannes erregt hat, mit dem sich Elizabeth schließlich zögernd auf ein Treffen einlässt. Sie wird es bereuen...
Ich habe "The Pyx" (alias The Cult Hooker Murders... sehr subtil und gar nicht spoilernd; pyx ist der englische Ausdruck für Hostienbehälter) zufällig bei Youtube als Stream in recht guter Qualität entdeckt. Diese kanadische Produktion als obskur zu beschreiben, wäre wohl noch recht diplomatisch. 1973 in Montreal mit einem kanadischen Regisseur (Harvey Hart) gedreht, mit zwei veritablen Hauptdarstellern (Karen Black und Christopher Plummer), recht erfolglos in der Versenkung verschwunden, nie in Deutschland gelaufen und dann nochmal in US-Double Features unter zuvor erwähnten Sektenhurenmorden verwurstet... doch Harvey Harts Film ist beileibe kein Trash oder lachhaftes Genrekino. Es ist ein gemächlich anlaufender Thriller mit okkulten Elementen - soweit nicht ungewöhnlich. Was ihn jedoch besonders macht, ist Karen Blacks Leistung, als Schauspielerin und Sängerin. Sie singt drei Lieder in dem Film und diese singt sie so beeindruckend und geradezu unheimlich eindringlich, dass sie mir nicht aus dem Kopf gehen wollen. Und ihre Darstellung der heroinabhängigen Prostituierten ist frei von Klischees, denn in all dem strahlt sie eine unnahbare Kühle aus, die zeigt, wieviel Distanz sie zu ihrem Job hat und wieviele Konflikte sie noch mit sich herumträgt. Das Ende, soviel verrät ja auch schon der dezente Zweitverwertungstitel, spielt tatsächlich bei einem Sektenritual und ist doch recht irritierend und die Soundeffekte verstörend.
Allerdings hätten den Film einige Kürzungen gut getan. Er läuft fast 108 Minuten und hätte sicher auch 15 Minuten kürzer sein können, ohne dass es inhaltlich geschmerzt hätte. Zudem gibt es einige inhaltliche Verwirrungen, die nie geklärt werden. Erst am Ende gewinnt der Film Tempo, beschleunigt durch das Nebeneinander des mörderischen Geschehens und polizeilicher Aufklärung.
Neben Karen Black bleiben die anderen Figuren auch eher blass, Christopher Plummers Inspektor ist meist schlecht gelaunt und impulsiv, die anderen Schauspieler spielen zumindest nicht auffällig schlecht, aber eben auch nicht mehr.
Dennoch blieb mir dieser Kanada-Thriller tagelang im Kopf, vermutlich lag es wirklich an den Songs, die eine unheimliche Atmospäre verbreiten. Außerdem mag ich eh Filme, in denen es um Sekten geht und da bot "The Pyx" inhaltlich zwar nicht wirklich Neues, aber immerhin eine starke weibliche Hauptfigur, die nicht hysterisiert chargiert, sondern in ihren Brüchen auch Stärken hat. Ein interessante Obskurität! 6,5/10.