Gewollte Exploitation, talentfreie Darsteller, holprige Geschichte, nettes Geballer - eine Gurke von einem Film
Die 80er Jahre haben soeben angerufen und wollten ihre Klischees, die plumpen Dialoge, eine konfuse Handlung und das Exploitationgefühl wieder abholen.
Ja, es ist mal wieder soweit und ich habe mir eine andere „Gurke“ rausgesucht, um mal wieder dem „kreativsten“ Actionfilmzeitalter zu fröhnen.
Zur grob behauenen Geschichte
Jake „Tiger“ Sharp, 20 Jahre lang der Beste im Dienste der Polizei, wird nach 8 Jahren Haft aus dem Zuchthaus entlassen. Er hat den Mörder seiner Frau exekutiert, doch sein guter Ruf in der Stadt hält noch an. Als Willkommensgeschenk (oder was auch immer) eines alten Freundes (oder was auch immer) erhält er eine brachial ausgestatte Kampfschrotflinte, die alles kann, außer morgens den Toast zuzubereiten.
In seiner Waldhütte, in der er von nun an seine Ruhe genießen möchte, bleibt ihm diese aber nicht länger vergönnt. Eine Frau schleicht und nistet sich dort ein, übernachtet dort mit seiner grimmigen Zustimmung (wieso auch immer), entpuppt sich als seine Tochter und weil die Kleine heiß ist und der Tiiiiischer sich bereits mit den hinterwäldlerischen und notgeilen Dorfdeppen angelegt hat, beginnt jetzt eine schicke Hetzjagd, bei der munter, aber plump, „Rambo“, „Beim Sterben ist jeder der Erste“ und andere Klassiker versuchsweise zitiert werden.
Umsetzung
Hier ist alles irgendwie angefangen, aber nicht zu Ende gedacht oder gemacht, schade eigentlich.
Das beginnt schon bei der sprunghaften und löchrigen Geschichte. An den Scham- und Arschhaaren eines seit mehreren Wochen vergammelnden Bären scheint sie herbeigezogen, so wirr, konfus und immer wieder „Hä?“-Erlebnisse beim Zuschauer auslösend ist sie:
- Der Tiiiiischer kriegt direkt nach dem Knastaufenthalt eine monströse Wumme geschenkt
- er schmeißt die unbekannte Frau nicht aus seiner Hütte, die da einfach einzieht, sondern schläft selbst lieber im Regen
- Wilderer schießen nicht nur auf Tiere, sondern machen auch Jagd auf Menschen und vor Vergewaltigungen nicht halt
- als kleinen „Streich“ für zwischendurch spreng ich einfach mal das Auto meines Gegners in die Luft (das sollte ich mir NICHT für meine Nachbarin merken)
- wenn der Bruder des Obermuckels in der Stadt anruft, dass der ehemalige beste Sheriff Stress macht, kommen sofort alle bewaffnet in den Wald und jagen diesen
Die agierenden Darsteller bereichern den Film mit ihrem Können recht vielfältig. Von der Mimik einer toten Ämöbe bis hin zum hyperaktiven Stachelschwein ist so ziemlich alles dabei.
Die Ballereien sind sogar recht nett in Szene gesetzt. Mal geht dabei ordentlich Material zu Bruch, mal knallt es blutrünstig in Zeitlupe. Mit Kunstblut wurde für das Jahr 1984 nicht gespart, mit der Glaubwürdigkeit dessen schon. Gerade noch diagnostizierte der Held seiner Tochter einen durch einen Schuss gesplitterten Knochen, kurz später gibt’s bei ihm einen glatten und saftigen Durchschuss durch den Oberarm, der er aber erst viel später bemerkt wird.
Die Spannung ist überraschenderweise recht hoch (nicht wirklich, aber für einen Film dieser Art). Die Hetzjagd hat ein schickes Tempo und so sind die 87 Minuten Laufzeit auch recht schnell Geschichte.
Fazit
So richtig glaubhaft ist die ganze Chose auf keinen Fall. Hier segelten ein paar wagemutige Italiener auf der Selbstjustizwelle der späten 70er mit, allerdings ohne auf die Windrichtung und überhaupt irgendetwas zu achten. Ich hatte oft genug das Gefühl wurde einfach mal am Stück runtergedreht, wie man gerade Lust hatte.
Die Logik in der Geschichte ist die abwesendste, die ich schätzungsweise je erlebt habe, die Darsteller sind mittelprächtig bis talentresistent.
Immerhin der Krawall kann sich sehen lassen und das Erlebnis des Filmes an sich, denn bereitet man sich auf eine derartige Gurke vor, macht die Gurke auch tatsächlich Spaß.
Ich werde den Film nicht weiterverkaufen, der kommt in mein spezielles Regal für Gurkenfilme.