Als Ende der Neunziger relativ viele Tankstellen schlossen, verschwanden einige der kleinen, während andere expandierten und sich zu kleinen Supermärkten entwickelten. Jahrzehnte zuvor war es sogar Brauch, dass vom Service nicht nur getankt, sondern auch der Reifendruck oder ähnliches kontrolliert wurde. Allerdings war es mit der Sicherheit an Tankstellen nicht weit her und besonders nachts waren Mitarbeiter kleinkriminellen Räubereien ausgeliefert, was moderne Überwachungssysteme inzwischen ein wenig eindämmen konnten. Umso erstaunlicher, dass vorliegender Thriller ausschließlich an einer Tankstelle spielt.
Hier arbeitet Servicekraft Melinda (Tilda Cobham-Hervey) in der Nachtschicht mit Kollegin Sheila (Suki Waterhouse) als der Ganove Billy (Josh Hutcherson) zum Raubüberfall erscheint. Zunächst läuft für den Ganoven alles reibungslos, doch dann bietet sich Melinda als Fluchthilfe an und der Coup gerät aus dem Ruder…
Autor und Regisseur Mike Gan ersann einen kammerspielartigen Krimi, der den Fehler begeht, eine Schlüsselszene mit der ersten Einstellung vorwegzunehmen. Ähnlich wie ein zu voll gepackter Trailer verrät er dadurch bereits Details des Verlaufs, wodurch ein Großteil der Spannung flöten geht. Auch mit der Figur der Melinda werden früh deutliche Hinweise geliefert. Die unscheinbare Dame steht stets im Schatten ihrer vermeintlich hübscheren Kollegin, ihre freundliche Art mutet beinahe zu freundlich an und wer seinen Finger freiwillig in brühwarmen Kaffee tunkt, offenbart ernste psychische Probleme, was sich im Fortgang natürlich bestätigt.
Sobald das Geschehen ein wenig ins Absurde abdriftet, kann Regisseur Gan durchaus seine Stärken ausspielen, zumal immer wieder ein wenig Situationskomik eingestreut wird, was sich spätestens beim Aufeinandertreffen mit einer Gruppe Bikern offenbart. Anderweitig ereignet sich phasenweise zu wenig, es entstehen kleine Längen und das Figurengefüge bleibt recht überschaubar, um dauerhaft für Abwechslung zu sorgen. Zudem spitzt sich zu selten etwas zu, der eigentlich unberechenbare Charakter Melindas brodelt meist nur unter der Oberfläche.
Darstellerisch ist den drei Hauptakteuren beileibe kein Vorwurf zu machen, speziell Tilda Cobham-Hervey präsentiert eine ordentliche Bandbreite und veranschaulicht in Sachen Gestik und Körperhaltung ein erstklassiges Mauerblümchen. Bei den wenigen Temposzenen beweist die Kamera ein feines Gespür für entsprechende Winkel und Abstände, während der Score den eigentlich melancholischen, von Einsamkeit geprägten Grundton treffend wiedergibt.
Die beinahe menschenleere, einsam gelegene Tankstelle bei Nacht vermag phasenweise eine dichte Atmosphäre zu generieren, nur will beim Zusammenspiel der teils schrägen Figuren zu selten Spannung aufkommen, zumal das letzte Drittel über weite Teile erahnbar abläuft. Ein paar schwarzhumorige Einschübe sorgen nur bedingt für Abwechslung, so dass am Ende das Potential eines garstigen Kammerspiels allenfalls in Ansätzen ausgeschöpft wird.
Knapp
6 von 10