Gut gebrüllt, Löwe!
Ok, zuerst hat er den Fall des Weißen Hauses verhindert, dann auch noch den der englischen Hauptstadt, da ist es nur konsequent, dass die bösen Jungs nun den renitenten Schutzengel des US-Präsidenten höchst persönlich abstürzen lassen wollen. Auf „Olympus has fallen" und „London has fallen" folgt also „Angel has fallen", zumindest ist das der Plan, nach dem euphemistischen Motto „Was zweimal schief ging, muss beim dritten Mal klappen". Der hier so unschön zum Abschuss frei gegebene hört auf den knackigen Namen Mike und wird von dem noch knackigeren Gerard Butler verkörpert. Der hatte einst seine Badass-Feuertaufe mit Bravour bestanden, als er mit seinen dreihundert Spartanern eine ganze Armee invasionsgieriger Perser aufmischte. Natürlich nagt auch - oder gerade - an solch antiken Superhelden der Zahn der Zeit, soll heißen: Was der Gegner nicht schafft, erledigen Alter und Job.
Bei Mike Banning äußert sich dieser unschöne Verschleiß in Schwindelanfällen und anderen lästigen Gebrechen. Der ihm angebotene Schreibtischjob des Secret Service Directors ist daher eine nahe liegende, wenn auch nicht gerade enthusiastisch aufgenommene Option. Schließlich sieht er sich nach wie vor als Kampflöwe und nicht als Papiertiger. Zu Beginn des Films darf er sich darin noch mal so richtig bestätigt fühlen. Im Trainingsparkours seines alten Kriegskumpels Wade Jennings (Danny Huston) schickt er dessen Personal reihenweise auf die Bretter und zeigt dem Ballernachwuchs seine Grenzen auf. Anschließend lecken die beiden Recken beim privaten Barbecue dennoch ihre Wunden, denn auch Jennings sieht sich mehr und mehr auf dem Abstellgleis. Sein privater Sicherheitsdienst wird zwecks mangels neuer Kriege kaum mehr gebucht, da kann ein nach wie vor kampfgeiler Veteran schon schwermütig werden.
Zum Glück wird beiden bald geholfen, wenn auch anders als gedacht. Nach einem apokalyptischen Drohnenangriff auf US-Präsident Trumbull (Morgan Freeman) gerät Mike als einziger Überlebender unter Terrorismus-Generalverdacht. DNA-Spuren auf der Abschussvorrichtung und Sprengstoffrückstände in seiner Garage sind nicht gerade entlastungsfördernd. Einzig Trumbull könnte da helfen, aber der liegt im Koma. Also muss Mike selbst für seine Rehabilitierung sorgen, was in diesem Fall heißt Flucht, Verfolgung, Einzelkämpfermodus. Freund Jennings bekommt in diesem zunehmend bleihaltigen Wirrwarr auch endlich mal wieder ordentlich zu tun, wenn auch Mike eher weniger davon profitiert. Aber eine solch abgebrühte Kampfsau lässt sich auch von einer Übermacht aus Söldnern, FBI und Secret Service nicht unterkriegen und hat abseits aller Rambo-Qualitäten immer noch ein Ass im Ärmel.
Der Joker in diesem Spiel heißt ebenfalls Banning und ist Mikes ungeliebter Vater. Der hatte nach traumatischen Vietnamerfahrungen einst Frau und Kind im Stich gelassen und sich fürs Einsiedlertum entschieden. So dämlich die Skriptidee einen kauzigen Rentner-Rambo aus dem Hut zu zaubern auch klingen mag, auf der Leinwand sorgt sie für knallige Stimmung. Der Dank gilt Nick Nolte, der seinen völlig hohl drehenden Charakter mit leidenschaftlichem Overacting von der Leine lässt. Da muss selbst der mit nichts zu beindruckende Butler erkennbar schmunzeln. Vater und Sohn entdecken jedenfalls ihren gemeinsamen Basic Instinct, was die Gegnerreihen massiv lichtet. Die unvermeidliche darauf folgende Familienzusammenführung setzt da in Sachen „over the top" fast noch einen drauf, aber in einem solch launigen B-Getöse ist auch das erlaubt.
Natürlich steckt hinter all dem eine sinistre Verschwörung und natürlich dekodiert man die auch ohne Hochschulbildung mit Leichtigkeit. Auch sonst bewegen wir uns nicht in der Oberklasse. Antoine Fuquas Original wird weder produktionstechnisch, noch in puncto Spektakel erreicht. Spaß machts trotzdem, immerhin hat man den etwas miefigen B-Geruch osteuropäischer Tristesse-Kulissen - wie ihn des erste Sequel verströmte - recht erfolgreich vertrieben. Und die grimmige Action rockt, trotz mancher CGI-Sünden. Der notwendige Plot-Schwenk mag die „Fugitive"-Vergleiche geradezu beschwören, aber was die beiden Bannings hier veranstalten hat nur wenig mit Dr. Kimbles deutlich subtilerer Selbstrehabilitation gemein. Der Schutzengel mutiert zum Trutzteufel und Papa Banning zündelt kräftig mit. Und wieder haben die Bad Guys den so schön geplanten Fall zu früh bejubelt. Mal sehen, ob sie sich noch in Runde vier wagen. Mike ist bereit.