Von u.a. BondIt Media Capital finanzierter Psychothriller mit Jonathan Rhys Meyers, die Sparte Film, die er meist in den Zehnjahren bedient hat, mit mysteriösem Anfang in der Wildnis, ein Mord ist geschehen, das Handy in die Hand einer Toten gelegt und vorher entsperrt und einen Anruf gemacht; erstaunlich ist nicht die Szene allein, sondern der Umschwung im Tonalen, ein plärrender Rocksong bei einer Autofahrt durch die Gegend, und: das Auto von hinten bald Hopps genommen durch ein fremdes Fahrzeug und wie ein Geschoss auf dem Katapult in die Abgrund segelnd:
Nach einem Autounfall, bei dem er von einem anderen Fahrzeug von der Straße gedrängt wird, erwacht ein Mann mit Amnesie, während im Kofferraum seines Autos eine Leiche gefunden wird – das fünfte Opfer eines Serienmörders, der die Gegend umsucht. Der Mann, John Doe [ Jonathan Rhys Meyers ], wird deshalb von den Ermittlern, FBI-Agent Frank Ward [ Malik Yoba ] und Sheriff Roger Bower [ William Forsythe ] als Mörder verdächtigt, entkommt jedoch aus dem Krankenhaus, nachdem er Diana [ Francesca Eastwood ], eine Krankenschwester, die mit ihm befreundet war, als Geisel genommen hat. John ist fest entschlossen, seine Unschuld zu beweisen, und Diana erklärt sich bereit, ihm zu helfen
Man kann Filme schlechter eröffnen, die Kamera war bei der ganzen Szenerie dran, im richtigen Blickwinkel, eine überraschende Actionsequenz daraus gemacht. In der Notaufnahme wacht man wieder auf, im Krankenhaus, man hängt am Monitor, man ist auf der Intensivstation, die Vitalparameter überwacht, der Patient heftig eingegipst und ins Koma versetzt oder gefallen durch den Aufprall, die Krankenpflegerin kümmert sich rührend um ihn. Meyers spielt hier mit, der Forsythe, dieser befindet sich in der Übergangsphase, die Renovierung noch nicht abgeschlossen, die Frau weg, ein paar Scherze mit einem beamteten Freund gemacht, er klärt über die Toten auf, er braucht Rat bei den Ermittlungen, ein makabreres Spiel geplant. Worum es genau geht, weiß man jetzt noch nicht, verschiedene Szenen, verschiedene Andeutungen, unterschiedliche Personen und Situationen, der Unfall nochmal gezeigt, ein langer Sprint zum Intensivzimmer, nicht direkt vor Ort und Stelle, wie es üblich ist, hier erst die Beine in die Hand genommen, um den Kranken zu schützen, Fäden fügen sich zusammen, Spuren findet man. Keine Vermisstenanzeige, keine Angehörigen, eventuell retrograde Amnesie, die Krankenpflegerin macht Überstunden, das geht im Film so einfach, normalerweise steht die Ablösung bereit, die nächste Schicht, man bleibt nicht länger als man bleibt, nur wer schreibt, der bleibt.
Der Patient weiß nicht mehr, wie er heißt und was zuvor passiert ist, das geborgene Auto hat einen unheimlichen Inhalt im Kofferraum, das Auto ist auf jemand anderen zugelassen, man gerät in Schockstarre, in einen epileptischen Anfall bei Verkündung der Nachricht. Vor der Tür stehen die Wartenden, die Beamten mit den Fragen, die nicht beantwortet werden können, für den Sheriff und die Kollegen ist das alles Humbug, "Der Mistkerl tut jetzt so, als würde er unter Amnesie leiden.", ein falsches Schauspiel, die Kamera bleibt bei der Pflegerin dran, die Geburtstag hat oder hatte; dafür ist der Verletzte nun gefesselt ans Bett oder an den Rollstuhl, ein Röntgen wird gemacht. Verschiedene Personen hier im Blick der Inszenierung, mindestens der vier, ein Befreiungsversuch, den Polizisten ausgeknockt und mit dem Kopf voran in einen Bildschirm gejagt; die Schicht frühzeitig behandelt, Geisel und Geiselnehmer auf fliehender Fahrt. Ländlich ist das Geschehen gehalten, provinziell, die Mitte Amerikas, der Mittelstand, die Haustür steht immer offen, man fährt bei Tag und Nacht. Meyers sieht hier recht lädiert aus, das kommt nicht bloß durch Aufprall, das macht der Lebenswandel und der Alltag.
Geflucht wird hier etwas, das Stockholm-Syndrom ausgepackt, wenig Mitstreiter für die Handlung nötig, ein Verletzter unter Anklage, ein Kümmerer und zwei Personen auf der Jagd. Fetzen der Erinnerung werden eingespielt, Frühstück ist fertig, Toast und Spiegelei und ein paar geschnittene Tomaten, dann wird diskutiert über die Sachlage, die Möglichkeiten und die Zustände durchgegangen, ein Psychothriller angelegt, eine Frau zwischen Geiselhaft und Mitwisserin und Komplizin, eine Suche nach der Wahrheit und dem Verhindern der nächsten Tat, ein Crime angeleiert, eine Mordermittlung, eine Serientäterschaft, ein Tatort besucht, den Schauplatz des Verbrechens heimgesucht, eine Straßensperre umfahren, weiter hinein in die Pampa, ein Zweier-Stück nun, mit Umrahmung und Umrandung, Meyers sieht abgemergelt aus, mitgenommen, Bilder der Toten speisen sich ein, das Polizeiband längst zerrissen, der letzte Schein des Todes, kein Grab, kein Trauerschrein.
Ein Whodunit auf die andere Art und Weise, viel auch ein Roadtrip, eine Erkundungsreise, eine Entdeckungsfahrt, eine Erinnerungsreise, auf gut Glück probiert, ein ziviles Detektivspiel, Amateure suchen ebenso wie die Gesetzeshüter, parallel betrachtet; Meyers spielt das etwas angestrengt, wie nicht ganz anwesend, nicht ganz begeistert von dem Stück. Ohne ihn hätte sich der Film aber nicht verkauft, schon der einzige Grund zum Produzieren des Filmes und zum Ausleihen oder Kaufen, 'zum Mitfiebern' wäre übertrieben. Ab und an fährt man aber eine Überraschung auf, einen narrativen Alleingang, ansonsten ist das eher ein Slowburner, ein kleiner und ruhiger Film, etwas zäh auch, kein Grund zum Hochputschen und Hochpeitschen, das gibt man nicht her. Nach dem Auftakt ein eher stiller Film, ein stummer Schrei, ein bisschen wird mit Schuld und Sühne gespielt, mit Moral und Anstand und dem schlechten Gewissen, mittendrin eine Mordtat gesagt, zufällig anwesend, zur ungünstigsten Zeit, eine Effekttat zudem, "Diese ganze Sache läuft langsam aus dem Ruder, Frank", und "Scheiß Chaos. Fuck. Fuck. Fuck.", so viel Verdächtige gibt es hier nicht.