Wer sich nicht nur die Top Majorproduktionen zulegt und desöfteren auch zu Importen greift, wird irgendwann über den Sachverhalt stolpern, daß es in den großen USA eine florierende Independent Szene gibt, aus der relativ gut strukturierte Vertriebe eine große Zahl Filme unters Volk bringen. Manche davon sind stümperhafte Amateurfilme, manche liebevolle Streifen aus der Feder eines Low Budget Könners. Besonders schwer ist es dabei, den semi-professionellen Produktionen gerecht zu werden, die oft mit Charme und frischen Ideen auftrumpfen, im Gesamtbild jedoch aufrund kleiner Patzer und Schönheitsfehler nicht voll überzeugen.
In diese Sparte gehört Brian Clements offizielles Erstwerk Meat Market. Aus der eigentlichen Idee entsprungen, Kids von Zombies in Anzügen attackieren und sich wehren zu lassen, entstand ein Film, der sich innerhalb des Horror-, aber vor allem im Zombiegenre vielseitig inspiriert zeigt. Um dem Film einen roten Faden zu geben, bedient man sich der Protagonisten Argenta (Claire Westby) und Shahrokh (Paul Pedrosa), die durch eine zunehmend zombiefizierte Welt stolpern und hier und dort weitere Überlebende kennenlernen. Die gewählten Namen verraten schon, daß es sich nicht nur bei den Hauptcharakteren um junge Leute handelt, sondern der Altersdurchschnitt der gesamten Crew sehr niedrig ist, was dem Film insgesamt einiges an Überzeugungskraft nimmt. Besonders hervorstechend ist zudem, daß Argenta nicht nur das Durchschnittsmädel ist, welches durch das richtige Styling zum Hingucker wird, sondern ihr Aussehen auch etwas an die Welt von Resident Evil erinnert. So scheint selbst dieses von Klassikern inspirierte Spiel nun zur Zwischenstation der Inspiration und Weiterentwicklung geworden zu sein.
In den ersten Minuten kämpft Clement damit, seine Meat Market Welt vorzustellen, was er über einzelne Fragmente aus den ersten Wochen der Infektion löst. Zwar kommen hier bereits Argenta und Shahrokh vor, doch zunächst sind die beiden nur Teil einer Collage, die dem Zuschauer Konzentration abverlangt, die er nicht aufbringen bräuchte, sind doch die befolgten Grundprinzipien bekannt, während kaum ein Element später noch weiterverfolgt wird.
Hatte man allerdings zu Beginn das Gefühl, der Film wolle ernst genommen werden, wird man plötzlich mit neuen Figuren konfrontiert. Ein Trio aus Gothictrullas stellt sich als moderne Vampire mit Strahlenkanonen vor, ein mexikanischer Wrestler ringt mit Zombies und zersägt einem gar das Haupt, bevor er erstgenannten mit einem fragenden "Vampyros lesbos?" begegnet. Dumm nur, daß ein eher nach frühem Romero schlagendes Tempo weitergeführt wird, so daß komödiantische Einlagen verpuffen. Ebenso degradiert Clement den nach eigener Aussage von Zombie Holocaust inspirierten Mad Scientist, der frei nach Day of the Dead Zombies in Zellen hält und zugibt, für die Seuche verantwortlich zu sein, die seiner Aussage nach durch Nanoroboter hervorgerufen wird, zur belanglosen Nebenfigur. Besonders weil diese den wirklich interessanten Aspekt anspricht, was eigentlich wäre, wenn Zombies im Winter dem Gefrierpunkt ausgesetzt würden, ist es schade, daß auf die möglichen Hintergründe, die in Genrefilmen, so sich nicht auf Voodoo basieren, meist ausgelassen werden, nicht weiter eingegangen wird.
Eigentlich hätte sich der Party noch ein Ninja anschließen sollen. Selbst wenn man dies als Erfüllung seiner feuchten Trash Träume ansieht, kann man in diesem Fall jedoch getrost darauf verzichten, denn so hätte Clement sich mit der Einführung eines weiteren Charakters aufhalten müssen, was dem ohnehin geruhsamen Tempo des Streifens nicht gut getan hätte. Es dauert ewig, bis die Hauptfiguren zusammenfinden und wenn man glaubt, der Film könne nun richtig beginnen, sieht man sich bald schon mit einem lieblosen Showdown konfrontiert.
Bisher habe ich bewußt verschwiegen, daß Meat Market nicht nur faulendes, sondern auch nacktes Fleisch einsetzt. Es gibt mehrere Sexszenen, die selbstzweckhaft, jedoch absolut harmlos inszeniert wurden. Auf der US DVD wurde allerdings der erste Verkehr, der laut Regisseur wirklich vollzogen wurde, um eine Einstellung beschnitten, in der ein Pimmel zu sehen gewesen wäre. Da das Team aus unbezahlten Schauspielern und daher zumeist Freunden und Familie bestand, hatte man natürlich nicht viel Auswahl, was der Ästhetik nicht zuträglich ist. Gerade weil sich der Film aber in die Länge zieht, hätte man hier, wie auch bei endlosem von A nach B latschen, knallhart die Schere ansetzen sollen.
Rechnet man Meat Market noch zu dem Amateurfilmen, muß man anerkennen, wieviel Aufwand betrieben wurde. Immerhin gibt es Polizeiuniformen, überzeugende Waffen und relativ gute, wenn auch mit geschultem Auge als mit wenig Aufwand gestaltete Effekte, die Tom Savini in seinen Zombiefilmen zwar teils ähnlich, jedoch besser und oftmals auch kruder durchgeführt hat. Gegenüber Bodensatz der Marke Zombie 90 oder Redneck Zombies hat man trotz Videooptik klar die Nase vorn.
Man bekommt aber trotzdem nichts geboten, was man unbedingt sehen müßte, was unterstrichen von holpriger bis zähflüssiger Dramaturgie sicherlich nicht dazu beiträgt, daß ich die DVD für den Herrenabend vorschlagen würde. Auch dem Leser dieser Zeilen mag ich den Film nur unter Vorbehalt für eine breit angelegte Zombiesammlung empfehlen. Wenn bei euch also auch Stoff der Marke Urban Scumbags vs. Countryside Zombies seinen Platz finden darf, könnt ihr hier getrost zugreifen. Ihr solltet allerdings in der Lage sein, amerikanisches Englisch zu verstehen, denn die Dialoge sind oft genuschelt und schlecht aufgenommen.