Review

Wenn der Kaffee stark genug ist, lässt sich davon auch ein dritter Aufguss machen, dachten sich wohl Regisseur Joe Lynch und Produzent und Hauptdarsteller Frank Grillo.
Das französische Original von 2010 überzeugte durch die ausgewogene Mischung aus Action, Thrill und Spaß, es folgte 2014 eine südkoreanische Variante und nun ein doch eher seelenloses Remake, welches sich im Verlauf gar ein wenig selbst im Weg steht.

Als Krankenpfleger Paul (Anthony Mackie) in der Nacht den Dienst antritt und seine hochschwangere Frau Taryn (Teyonah Parris) daheim zurücklässt, ahnt er noch nicht, was die Schicht bereithält: Der angeschossene Kriminelle Abe (Frank Grillo) ist zwischen die Fronten geraten und während sein Bruder Taryn entführt, mischen auch noch korrupte Cops mit. Paul und Abe müssen sich zwangsläufig zusammenraufen…

…was leider nur bedingt als Buddy-Film taugt. Nach einem fulminanten Einstieg mit Schüssen, einem ermordeten Staatsanwalt und einem Autounfall wird Paul zwar prägnant in seinem sozialen und familiären Umfeld eingeführt, doch der Zugang zu Abe fällt aus diversen Gründen schwer, zumal erst sehr spät eingeräumt wird, dass selbst Killer offenbar Gefühle haben. Das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren wirkt zuweilen arg konstruiert, das enorm hohe Tempo während der ersten Hälfte kaschiert diese Schwachstelle jedoch recht gut.

Denn immerhin gibt es einige angenehm altmodisch eingefangene Verfolgungsjagden, wozu auch die illustre 80er Songauswahl von Bands wie Sigue Sigue Sputnik, Whitesnake oder ABC passt.
Als kleiner Actionhöhepunkt entpuppt sich eine Sequenz in einer Waschstrasse, bei der neben ordentlich choreographierten Rangeleien auch der Humor nicht zu kurz kommt. Jener punktet erneut, als ein Gangsterboss und seine Crew ein wenig das Finale aufmischen, wobei einige Reminiszenzen von „Die Hard“ bis hin zu „Leben und Sterben in LA“ eher dahin gerotzt sind.

Storytechnisch sucht man indes den doppelten Boden oder zumindest einige Wendungen, welche jedoch komplett außen vor bleiben. Zwischen ominösen USB-Sticks, abtrünnigen Gesetzeshütern und anberaumten familiären Tragödien wird in der zweiten Hälfte der Laufzeit ein wenig die Action vergessen, der Showdown in einem Polizeirevier verläuft eher mau, die letzten Einstellungen versöhnen allerdings ein wenig.

Im Vergleich zum französischen Original mangelt es insgesamt an Drive, obgleich sich speziell in der ersten Hälfte einige sauber gefilmte und gut getimte Temposzenen auftun.
Darstellerisch wird passabel geliefert, wobei Mackie sich etwas zu sehr zurückhält und Grillo mehr auf die Physis bedacht scheint. Als Lückenfüller für Genrefans okay, zum Mitfiebern und Durchrütteln langt es allerdings nur teilweise.
Knapp
6 von 10

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