Review
von Leimbacher-Mario
100% (Netflix-)Durchschnitt
Das französische Original ist klasse und nicht ohne Grund in meiner Sammlung - kann da das US-Update auf Netflix einigermaßen mithalten? Mackie & Grillo sind bei dem Streamingprimus ja fast schon Stammgäste, Ersterer z.B. mit dem lahmen „IO“, Letzterer mit dem guten „Wheelman“. Die Story bleibt im Kern dieselbe: die schwangere Frau eines eigentlich friedfertigen Krankenhauspflegers wird gekidnappt und sein zuerst ohnmächtiger Patient zieht ihn in einen bleihaltigen Plot um einen kostbaren USB-Stick, getötete wichtige Männer und korrupte Polizisten...
„Point Blank“ hat eine knapp bemessene Laufzeit, geht im Sprint los und lässt auch selten mal nach, seine zwei Herren mag man automatisch, die Blutergüsse werden nicht verschleiert und es kommen immer mal wieder 90s-Buddy-Action-Vibes rüber, mit modernem Anstrich und enormer Härte. Nur leider ist die Balance aus Augenzwinkern und trockenem Thriller nicht erst im letzten Drittel total off, wenn cinephile (!) Gangster und Filmkenner ins Spiel kommen, unserem ungleichen Duo helfen, Zitate abfeuern als ginge Netflix morgen pleite und wie ein echter Fremdkörper wirken. Auch zuvor mahnt man sich schon immer wieder im falschen Film. Wenn z.B. Figuren innerhalb von Minuten ihre Charaktereigenschaften ändern, wenn der wilde, überall verstreute und komplett unpassende Soundtrack sich anfühlt wie ein geschmackloses Mixtape aus den 90ern (Eazy-E trifft auf ABC) oder wenn die Bösewichte wie frisch aus dem Bad Guys-Handbuch wirken. All solche bizarren Schönheitsfehler und Missverständnisse hätte man im französischen Vorbild mit der Lupe suchen können - ohne fündig zu werden. Dort wusste man, was man will und wie man drauf sein will, alles wirkt sinnig und wie aus einem Guss. In diesem mageren Remix auf englisch scheint man planlos und im Endeffekt irgendwie auch mega belanglos, oft fast etwas peinlich über den gesamten Platz verteilt. Das sollte so nicht sein, das wirkt fransig und choppy. Selbst wenn ein paar Szenen steil gehen - der Gesamteindruck bleibt mäßig. Um es noch gnädig zu schreiben. Für mich sollte man den 2010er „Point Blank“ von unseren französischen Kollegen unbedingt mal gesehen haben, das vergisst man nicht allzu schnell. Dieses Remake hat die Welt dagegen eigentlich jetzt schon beiseite geschoben - dabei ist es erst letztes Jahr um die Zeit erschienen...
Fazit: das französische Original ist ohne Frage (viel) besser - dennoch hat auch das Ami-Remake auf Netflix seine Stärken und Unterhaltungswerte, sympathische Darsteller, eine gesunde Härte und ein extrem zügiges Tempo zum Beispiel. Einer der unpassendsten Soundtracks seit langem und insgesamt wenig Tiefgang, viele fragwürdige Kollisionen halten jedoch mit Kraft negativ dagegen.