Ein (weiterer) tödlicher Anschlag auf einen leitenden Staatsanwalt in Cincinnati/Ohio bringt den Auftragskiller und Drogenkurier Abe (Frank Grillo) in Schwierigkeiten: Als er nämlich gerade vom Tatort wegrennt, setzen ihm ein paar finstere Gestalten nach, die mit ihm noch eine Rechnung offen haben - er hatte sie nämlich bei einem Deal beklaut. Doch ausgerechnet dem zu Hilfe gerufenen jüngeren Bruder Mateo (Christian Cooke) unterläuft dann das Mißgeschick, den Flüchtigen niederzufahren. So wird Abe dann bewußtlos in eine Klinik eingeliefert, an seiner Schußverletzung sehr leicht zu erkennen.
Für den namenlosen Patienten ist der Pfleger Paul (Anthony Mackie) zuständig, dessen hochschwangere Frau Taryn (Teyonah Parris) gerade ihr erstes Baby erwartet, doch mit fröhlichen Gedanken an das junge Familienglück ist schnell Schluß, als Paul in kürzester Zeit zweimal vermöbelt und seine Frau entführt wird. Die Botschaft des dahinter steckenden kleinen Bruders von Abe ist unmißverständlich: Bring meinen Bruder dort raus, dann siehst Du Deine Frau wieder! Und so muß sich Paul, ein afroamerikanischer Sonnyboy und Mustergatte, wohl oder übel zeitweilig auf die Seite der Gangster schlagen, um den verletzten Abe unbemerkt aus dem Krankenhaus herauszuschmuggeln und zu einem Treffpunkt zu bringen. Eine hindernisreiche Flucht beginnt...
Trotz eines vielversprechenden Beginns in den ersten 10 Minuten entwickelt sich Point Blank, das 2019er Remake des gleichnamigen französischen Actionthrillers von 2010, schon nach kurzer Zeit zu einer spannungsfreien, weil vorhersehbaren Angelegenheit, dessen schwaches Drehbuch zusammen mit den wenig berauschenden Darbietungen der kaum geforderten Darsteller trotz einiger Actioneinlagen bei permanenter 90er-Jahre-Mucke beim Zuschauer nur eines herauszukitzeln vermögen: ein - mehr oder weniger - ausgeprägtes (Ein-)Schlafbedürfnis.
Die grundsätzlich bescheuerte Idee, (hoch-)schwangere Frauen (vermeintlich) spannungsfördernd kidnappen zu lassen, kann man zwar noch auf das Original schieben, dennoch steht bei einer US-Netflix-Produktion dadurch eben schon von vornherein fest, daß das Entführungsopfer am Ende eine glückliche Mutter sein wird. Ist die Spannung auf diese Weise schon einmal komplett draußen, gesellen sich hier auch noch Inkonsistenzen bei den Figuren hinzu, die man mit ein wenig Sorgfalt hätte vermeiden können: So wird der jüngere Bruder Mateo mit seinen Attacken auf Paul zunächst als eisenharter Bursche eingeführt, doch schon bald streichelt er voller Mitgefühl den Bauch seines Entführungsopfers und erzählt diesem, daß er eigentlich ein Nichts sei ohne seinen älteren Bruder. Der wiederum, ein veritables Alphatier, angeschossen und auf Schmerzspritzen seines unfreiwilligen Begleiters angewiesen, gibt die anfängliche Initiative erstaunlicherweise immer mehr an den Pfleger ab, der irgendwann auch selbst zur Waffe greift und das schwierige Unterfangen mehr als einmal vor dem Scheitern bewahrt.
Denn unter den Cops, angeführt von der spitznasigen Lieutenant Lewis (Marcia Gay Harden) und Masterson (Boris McGiver - nicht nur optisch ein Verliererduo vom ersten Augenblick an, wer um Himmels willen hat denn die gecastet?) gibt es auch ein paar korrupte Kollegen, und die wollen Abe ebenfalls zum Schweigen bringen.
Während man Hauptdarsteller Anthony Mackie, der wie ein Eddie Murphy-Double aussieht und teilweise agiert, zugute halten muß, daß er wenigstens nicht so penetrant und möchtegern-witzig daherredet wie der Beverly Hills Cop, gilt dies schon nicht mehr für die jedem Klischee spottenden Gangster-Rapper um Drogenboss Big D, einen filmaffinen Hänfling, den Abe beklaut hatte. Als Letzterer sich mit einem USB-Stick mit brisanten Daten freikaufen will, vermuten die eisenharten bösen schwarzen Männer darin einen Sprengsatz und springen wie Hasen in Deckung... dies ist so ein Moment (und es gibt mehrere davon im 2019er Point Blank), wo man einfach nur noch vorzeitig abschalten möchte...
Fazit: Ein anfänglicher Actioner, der auf niedrigem Niveau in Richtung Gute-Laune-Klamauk abstürzt - wer braucht sowas? 2 Punkte.