Jane und John Doe sind typische Platzhalternamen, die häufig von der Polizei verwendet werden, wenn die wahre Identität ungeklärt ist. Das wiederum ist eine Voraussetzung für einen typischen Amnesie-Thriller, bei denen sich der Protagonist, ähnlich wie bei „Memento“ auf Identitätsfindung begibt und dabei dem einen oder anderen Mysterium begegnet.
Vor acht Jahren erwachte John Hutton (Timothy Davis) völlig zerzaust auf einer Parkbank ohne jegliche Erinnerung an sein vorheriges Leben, allerdings beherrscht er ein paar Dutzend Sprachen. Nun führt er ein beschauliches Leben mit Frau (Tatyana Ali) und Tochter, als er von einem aufgebrachten Mann aufgesucht wird, welcher ein sehr ähnliches Schicksal teilt und seit einiger Zeit ebenfalls von blutigen Visionen heimgesucht wird. Als sich jener Typ kurze Zeit später umbringt, ermitteln John und sein Schwager Carl (Mathew St. Patrick), seines Zeichens Cop und kommen Zeichen einer Verschwörung auf die Spur…
Wenn Hauptfiguren bei Null anfangen müssen, begeben sie sich auf eine Reise mit viel Spielraum. Und da der Zuschauer genauso wenig weiß wie der Betroffene selbst, können sich durchaus Abgründe auftun, was es umso wichtiger macht, einen Charakter mit sympathischer Grundlage einzuführen, wie in diesem Fall einen liebenden und fürsorglichen Familienvater, der sich nicht erklären kann, warum er in seinen zunächst rar gesäten Alpträumen mit einem Albinokaninchen auf blutige Weise konfrontiert wird.
Leider gehen die Ermittlungen etwas schleppend vonstatten, was durch einige, deutlich zu lang geratene Dialogpassagen geprägt ist. Dem Langfilmdebüt von Justin Foia mangelt es an einigen Stellen am effektiven Timing, wogegen die ganz wenigen Actioneinlagen angenehm knackig in Szene gesetzt sind, - wenn ein Afroamerikaner in einer Spelunke weißer Nazi-Biker aufkreuzt, sind derartige Konfrontationen geradezu unumgänglich.
Auf der anderen Seite erscheinen manche Begebenheiten reichlich zweifelhaft. Dass jemand eine Affinität zum Spracherwerb aufweist, wäre deutlich glaubhafter gewesen, als jene bereits zu beherrschen ohne sie je zuvor studiert zu haben. Auch die Möglichkeit, dass jemand mit Schwarzlicht in Kontakt kommt, wodurch neue Hinweise quasi ans Tageslicht gebracht werden, erscheint hier reichlich konstruiert. Ähnliche Logiklöcher ergeben sich mit der Auflösung, wobei dieser immerhin eine gewisse tragische Komponente mitschwingt und in Bezug auf Moral und Ethik eine diskutable Lösung anbietet.
Aufgrund des eher gemächlichen Erzähltempos gerät das Treiben nicht latent spannend, jedoch sorgen die durchweg überzeugenden Mimen und die tauglichen Figurenzeichnungen dafür, die Geheimnisse um das vorherige Leben der Titelfigur interessiert zu verfolgen, zumal dem Handwerk trotz aller Schlichtheit kaum etwas anzukreiden ist. Einige Facetten mehr hätten dem Mysterium jedoch gut getan.
6 von 10