Review


Inhalt:

Japan Mitte des 19.Jahrhunderts, während der Endphase des Tokugawa-Regimes, jenem Shogunat unter dem die Herrschaft der Samurai über 250 Jahre lang währte.
Im Land herrscht immer mehr Chaos, Korruption und Gewalt, immer mehr Samurai werden herrenlos und verarmen.

Einer dieser umherwandernden Ronin ist Sakon Shiba (Tetsuro Tanba). Er erreicht eine Mühle, in der 3 Farmer unter der Führung von Jimbei (Kamatari Fujiwara) eine junge Frau fest- und gefangenhalten. Diese Frau ist Aya (Miyuki Kuwano), die Tochter des örtlichen Magistrats.
Die Bauern wollen durch sie vom Magistrat eine Petition erpressen, durch die sie eine Senkung der horrenden Steuern und eine Verbesserung ihrer sozialen Situation erreichen wollen.
Sakon Shiba, stoisch-kalt, doch auch rechtschaffend, stellt sich auf die Seite der Farmer.

Der Magistrat und seine Garde, zu der auch die einst herrenlosen Samurai Kikyu (Mikijiro Hira) und Sakura (Isamu Nagato) gehören, wollen Aya befreien.
Ein erster Angriff schlägt indes fehl. Aya bleibt in der Gewalt der Farmer, und Sakura schließt sich Shiba und der Sache der Bauern an.
Kikyu soll nunmehr den Austausch der Gefangenen mit einer sich in der Gewalt der Garden befindlichen Farmerstochter, Oyasu (Yoshiko Kayama), organisieren.

So geschieht es, und die Bauern sollen nunmehr bestraft werden.
Shiba nimmt die Strafe, 100 Stockschläge, auf sich. Die brutale Bestrafung wird vollstreckt, Shiba wird in ein Wasserbecken geworfen und eingekerkert. Der Magistrat geht davon aus, dass Shiba seinen Verletzungen erliegen wird.

Die 3 Farmer werden indes eiskalt ermordet, die vom Magistrat beauftragten Täter werden ebenso von gedungenen Killern getötet.
Eine Frau des Magistrats-Clans befreit Shiba, und Kikyu lässt dies gewähren.
Shiba flüchtet sich in die Mühle in der alles seinen Anfang nahm, Kikyu, der ebenfalls getötet werden sollte, kann ebenso die Mühle erreichen, er stellt sich auf Shiba´s Seite.

Der Lord der Provinz nimmt die Sache nunmehr selbst in die Hand, ein ganzes Regiment von Samurai soll Shiba und die beiden abtrünnigen Ronin endlich liquidieren.
Sakura, der erst seine Geliebte, Oine (Toshie Kimura), in Sicherheit bringen musste, schließt sich wieder Shiba und Kikyu an.

Es kommt zum Show-Down, zum blutigen Kampf auf Leben oder Tod. Die 3 Outlaw-Samurai gegen ein ganzes Regiment von Kämpfern.
Wird es den Dreien gelingen zu siegen, und letztlich den grausamen Magistrat zur Rechenschaft zu ziehen...?


Kritik:

Nach "Goyokin", "Sword of the Beast", "Samurai Wolf I" und "Samurai Wolf II" (siehe alle meine Reviews auf dieser Website), ist dieser Film, "Three Outlaw Samurai", mit dem Hideo Gosha im Jahre 1964 sensationell stark debütierte, der 5. Chanbara des Regisseurs den ich zu sehen bekam.
Und nunmehr kann ich definitiv sagen: Hideo Gosha ist (bzw. war, denn er ist leider mittlerweile verstorben) nicht nur ´offenbar´ ein überaus kompetenter Regisseur, nein, er war WIRKLICH ein herausragend kompetenter Spielleiter im Chanbara-Genre.

"Three Outlaw Samurai", ein starker, überzeugender, sehr spannender, klasse gespielter und überaus handlungsdicht in Szene gesetzter Chanbara-Actioner, ist das Debüt des Regisseurs, man mag es kaum glauben. Denn der Film ist wirklich gut, und ist in vielen Chanbara-Toprankings im Internet an vorderen Positionen gelistet.
Verdientermaßen. "Three Outlaw Samurai" besitzt eine präzise inszenierte, konzentriert-intensive Handlung, kompetente Darsteller*Innen die sich in ihr Schauspiel reinknien, eine düster-beklemmende Atmosphäre -die Szenen in der Mühle im ersten Viertel des Films sind fast kammerspielartig angelegt- und zielgerichtet mündet alles dann Outdoor -also mit der dann nötigen räumlichen Offenheit- in einen blutig-dramatischen Show-Down, wird "Three Outlaw Samurai" zum zackigen Chanbara-Actioner.

3 Männer, 3 Ronin..., sie finden zusammen, und es geht gegen einen grausamen Villain, und dann gegen dutzende Samurai-Kämpfer. Diese 3 Männer, nur leicht unterschiedlich im Charakter, sie bilden das Ronin-Triumvirat, dass sich dem Bösen entgegenstellt. Das verspricht blutige Fight-Action, und das steht auch für intensive Darstellungen.

Tanba, Hira, Nagato..., da schnalzt der Chanbara-Fan ohnehin mit der Zunge, Superstars des Genres.
Tetsuro Tanba, die Genre-Ikone und in zahlreichen Chanbara-Schlachten auf der Leinwand gestählt. Seine Figur steht im Zentrum, der "Chef-Ronin" sozusagen, der die Dinge zusammenführt. Stoisch, fast kalt zunächst, doch rechtschaffend, stellt er sich auf die Seite der Unterdrückten, obgleich diese durch eine Geisel -somit eher ´illegal´- ihr Ziel einer Lockerung der Repressionen gegen sie zu erreichen gedenken. Tanba spielt das routiniert und einfach stark.
Man identifiziert sich als Zuseher mit seiner Figur, seinem Spiel, das sich auf jede neue Situation im Geschehen und in der Story einstellt.

Mikijiro Hira, er gefiel mir schon in "Sword of the Beast" -da wieder unter der Regie von Hideo Gosha-, ausgezeichnet. Hier ist er noch besser. Noch kälter, noch stoischer, noch provokant-lässiger als Tanba hier, arbeitet es fast bis zuletzt als Gardist für die Villains.
Doch der Betrachter erahnt es immer mehr, Hira wird sich auf die ´richtige´ Seite stellen, und zwischen ihm und Hauptakteur Tanba stimmt die Chemie, in der Mühle kurz vor dem Finale, sehen sich die beiden an, und sie verschmelzen fast zu Buddies.
Einfach geil.

Isamo Nagata ("Samurai from nowhere", "Die blinde, schwerschwingende Frau" - siehe meine Reviews auf dieser Website) ist der "Dritte" im Ronin-Verbund. Er zeigt am meisten Emotion, scheint etwas hitziger veranlagt als die beiden coolen Mitstreiter, aber das bringt Abwechselung in das Trio.
Nagata´s Figur kann Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung nicht ab, und stellt sich früh auf die Seite Tanbas und der Farmer. Die Beziehung seiner Figur zu einer Frau, "Oine" -gespielt von Toshie Kimura- wird in einer Art Neben-Plot behandelt, und zeigt die brüchige Aura in der Männlichkeit dieses Charakters, was eine weitere Nuance in Gosha´s Werk ist.

Die Villains, grausam und böse, die Frauen rumgeschubst und misshandelt -was all dem noch Exploitation-Elemente hinzufügt-, all dieses verstärkt die Dramatik und auch das zügig-hohe Timing in diesem Chanbara.

"Three Outlaw Samurai" setzt viel auf seine sehr dicht in Szene gesetzte Handlung, Wendungen und die Darstellungen insbesondere der 3 Titelrollen-Charaktere.
Doch die Swordplay-Fights machen aus diesem Film auch einen starken Chanbara-Actioner.
Immer wieder werden die Katanas gezückt, und viele Schwert-Kämpfe durchziehen diesen Samurai-Actioner. So präzise wie die Story, sind auch die Fights in Szene gesetzt, die blutige Action rockt, und ein überraschend fetziges Dubbing (Geräuschkulisse) wenn den Gegner das Schwert trifft, unterstreicht die Brutalität der Fights.
Höhepunkt ist die Schlacht am Ende, als die 3 Anti-Helden Dutzenden von Feinden gegenüber stehen, und der Body-Count natürlich rasant ansteigt.

"Three Outlaw Samurai", in vielen Chanbara-Rankings im Internet an Top-Positionen gelistet, ist das überaus starke Debüt von Hideo Gosha, der gleich einen vorzüglichen Genre-Beitrag ablieferte.
Das gefiel. Jeder Chanbara-Fan muss die DVD von "The Criterion Collection" (mit sehr schönem Inlet-Book) im Schrank haben, klarer Fall.

8,5/10.

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