Review

Dieses Musterbeispiel klassischer Actiongülle hört im Original auf den nicht minder austauschbaren Titel „Armed Response" und wurde von VPS im Jahre 1986 auf den Videomarkt gekotzt. Inszeniert wurde es von Z-Meister Fred Olen Ray, der mit diesem für seine Verhältnisse (aber auch nur für seine Verhältnisse) sehr aufwendig produzierten Werk einen kurzen Aufstieg in die C-Klasse feiern durfte.

Erstmal zur, ähm, Handlung: David „Mein Arsch spielt alles" Carradine ist von Beruf Vietnamveteran und führt nebenbei eine Kneipe. Wenn er nicht gerade von üblen (naja) Kriegs-Flashbacks geplagt wird, gießt er Lee van Cleef Alk ein, der seinen Vater spielt und fast den gesamten Film über an der Theke sitzt und säuft. Wahrscheinlich wußte der gar nicht, daß er gerade in einem Film mitspielt. Links und rechts von ihm sitzen zwei unglaubliche 80er-Jahre-Modeopfer, die sich am Ende jenes unheilvollen Jahrzehnts vermutlich erhängt haben. Ich hätte das zumindest getan, wenn ich mit so einer Frisur in einem Spielfilm verewigt worden wäre. Naja, diese zwei Haarspray-Junkies sollen jedenfalls Carradines Brüder darstellen, und einer von denen hat böse Probleme mit der örtlichen Niederlassung der japanischen Yakuza. Für die soll er nämlich irgendwelche häßlichen, geklauten Statuen zurückkaufen, wird bei der Transaktion aber verarscht und verwundet (schöner Filmtitel eigentlich: „Verarscht und verwundet". Ähm... ich muß weg.) Nachdem er sich vermutlich 30 Kilometer blutend, aber unbemerkt nach Hause geschleppt hat, bricht er pünktlich in den Armen seiner Familie angekommen tot zusammen, ohne noch einen Pieps zu sagen. Das schreit nach Rache! Vorher wird aber noch der andere Bruder von den Japsen gekidnapped, gefoltert und erschossen. Der hat zwar mit der ganzen Sache nix zu tun, war aber sowieso über. Ober-Folterknecht ist übrigens Michael „The Head Has Eyes" Berryman, der zwar kein Japaner, dafür aber schön häßlich ist. Das schreit jetzt aber wirklich nach Rache! Carradine geht nochmal in die Kneipe, holt van Cleef vom Tresen ab und nimmt gleich noch ein tierisches Waffenarsenal mit („Habe ich aus Vietnam mitgebracht."). Zusammen ziehen sie gegen eine halbe Armee von Bad Guys in den Kampf, die natürlich alle standesgemäß weggesprengt werden. Nach getaner Arbeit trifft sich der übriggebliebene Teil der Familie - in der Kneipe, zum Saufen! Michael Berryman kommt auch noch vorbei, war aber nicht eingeladen und wird deswegen erschossen. Die anderen gießen sich noch einen ein, Prost, Abspann.

Ja, geil. Der Fünfer für das Tape war gut angelegt. Die erste Überraschung gibt's gleich nach dem Einlegen: Vor dem Vorspann prangt das Logo des Metropol-Filmverleihs. Diese Gurke lief sogar im Kino! Negativ zu bemerken sind diverse Holprigkeiten in den Actionszenen, die zusammen mit dem Erscheinungsjahr und der Laufzeit von gerade mal 80 Minuten ein erhöhtes Engagement der FSK vermuten lassen. Auf der Haben-Seite ist, neben der schauspielernden Hackfressenriege, erstmal die hervorragende Kameraarbeit zu registrieren. Der ganze Film wurde in bonbonfarbene Neon-Optik getaucht, was damals wohl super hip und trendy war, heute aber angenehm antiquiert wirkt. Die Autoverfolgungsjagden belustigen durch TOTAAAL unauffällige Zeitraffer-Dynamik, und daß die explodierenden Karren ihre Zulassung offensichtlich schon vor 1970 verloren hatten, trägt auch nicht gerade zu überflüssigem Realismus bei. Höhepunkt in dieser Hinsicht ist ein Polizeiwagen, der „im richtigen Leben" wahrscheinlich alles mögliche war, nur keine Bullenschleuder. Ich persönlich tippe auf einen alten Zweitwagen der Ehefrau des Produzenten, dem man einfach ein paar Blaulichter aus'm Toys'R'Us aufgepflanzt hat. Macht aber gut Mottek, das Teil.

Selbiges gilt eigentlich für den ganzen Film; ich mußte nur selten die Schnellvorlauftaste bemühen, was in dieser Abteilung ja schon einiges heißt. Schließen möchte ich meinen Anti-Filmtip mit einem sinngemäß wiedergegebenen Dialog:
„He, ich dachte du bist tot!" - „Nein, du hast mir bloß die Luft aus der Titte gelassen."

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