Review

Weiterer Bestandteil der mehr oder eher minder zusammenhängenden Line Walker - Saga, die bislang auf eine Originalserie gleichen Titels von 2014, eine Prequelserie dazu von 2017, einen davon nur thematisch ähnlichen Kinofilm von 2016 und ein 'Sequel' dazu, den hier vorliegenden Line Walker 2 - Invisible Spy angewachsen, und eine nächste Fernsehfortsetzung für 2020 gesetzt ist. Während in den Bearbeitungen für die kleine Mattscheibe die Figuren trotz unterschiedlicher Zeitebenen gleich bleiben, sind in den Updates für die große Leinwand neue (zugkräftige) Darsteller eingeführt, allen voran Louis Koo, welcher nicht bloß diesjährig überall an der Front und in mehreren äußerst erfolgreichen Actionthrillern als Marketingsubjekt vertreten ist. Der Film hier selber ist dabei sogar eigenständig in narrativer Sicht, man benötigt also keinerlei Vorwissen zu den jeweils anderen Projekten, wobei eventuelles Prozedere von dort im Vergleich zu dem groß budgetierten Spektakel hier aber schon von vorhandenem Interesse, der Regisseur hier auch die ausführende Kraft aller jeweiligen Produktionen ist. Im Kinoland der Volksrepublik China mit fast 100 Mio. USD ein Kinohit und einer der Filme, die noch vor den noch anhaltenden Unruhen in der Sonderverwaltungszone mit einem Team aus HK-Darstellern und in der Metropole selber und auch verbunden mit der Tradition des dortigen Filmschaffens gedreht worden ist:

Die Journalistin Yiu Ho-Yee [ Jiang Pei-Yao ] ist der Terrororganisation von Mr Tung [ Huang Zhi-Zhong ] auf der Spur, die auch mehrere 'Maulwürfe' in den Reihen der Polizei installiert haben; da sie aufgrund von wichtigen Informationen auch von deren Killern gejagt wird, schalten sich gleich mehrere staatliche Institutionen ein. Im Auftrag von Criminal Intelligence Bureau Chief Inspector of Police Yip Chi-Fan [ Francis Ng ] übernimmt sein Superintendent of Police Ching To [ Nick Cheung ] dabei die erste 'Wache', wird in Sachen Kompetenz aber schnell vom zuständigen Seitenflügel Security Wing Superintendent of Police Cheng Chun-Yin [ Louis Koo ] abgelöst. Der Commissioner of Police Lok Tat-Lin [ Joe Ma ] sendet das ungleiche Team nach Myanmar, um dort eine wichtige Datendiskette zu beschaffen, wobei nur zwei zurückkehren und die hergebrachte Diskette auch die falsche ist. Zudem hat Tung seinen besten Mann Demon [ Zhang Yi-Chi ] auf die Angelegenheit angesetzt.

Produziert von gleich siebzehn (17) verschiedenen Firmen, darunter mehreren Schwergewichten der Industrie wie Shaw Brothers Pictures International Limited, Television Broadcasts Limited, Beijing Alibaba Pictures Co., Ltd., Youku Pictures Company Limited, Pegasus Motion Pictures (HK) Limited, Er Dong Culture (Beijing) Co., Ltd., One Cool Film Production Limited usw. usf. wird hier auch beständig auf Größe gespielt und ein massives Ungetüm von Actionthriller mit allerlei Überziehung von Dramaturgie und Inszenierung für das Publikum (sowie ein größenwahnsinniger Showdown mit einer Autoverfolgungsjagd inmitten eines spanischen Stierrennens) installiert; eine Weiterführung der Thematik des vorhergehenden Cold War Zweiteilers (2012 / 2016), welcher wiederum viel von Infernal Affairs und seiner Trilogie (2002 / 2003) gezerrt hat und hier wie dort ein recht theatralisches, trotz des Setting im Hier und Jetzt allseits fiktives Szenario mit entsprechend vielen doppelten Böden ist. Die Steigerung der Thematik vom Undercover und seiner Verstrickung in die Unterwelt, ein Stoff, der spätestens seit den frühen 80ern des letzten Jahrhunderts zum HK-Kino dazu und dies nicht bloß mit anhaltender, sondern auch wachsender Beliebtheit gehört, wobei sich von früheren urbanen Dramen in Hinterhöfen und Nebengassen mittlerweile weit entfernt und die ganze Welt als Schauplatz des eher an der Oberfläche spielenden Spektakels mit vielen Intrigen genommen wird.

Schein und Sein in einer Größenordnung, die nicht mehr zu potenzieren scheint, mit einem Austoben in vielen Herren Länder, nicht als Polizeikrimi, sondern als fast Spionageaction- und auch Abenteuerfilmes, in dem immer alles eine Spur zu dick aufgetragen, mit bösen Blicken und sinistren Drohungen, die man aber auch missverstehen kann und anders deuten und dies in einer auch möglichst unnatürlichen, nicht gleich gänzlich realitätsfernen, aber kulissenhaft wirkenden 'Dekoration' inszeniert. Die Büros Kolosse aus Glas und Marmor, die Technik auf stete Überwachung und Observierung und als Stromfresser für Bits und Bytes angelegt, die Dialoge allseits auch Präsenz und Wichtigkeit, ein Effekt von Status und Gestus, in der alles glattgebügelt, geschniegelt und gestriegelt scheint und darunter die jeweiligen Geheimnisse, nicht automatisch die Schwächen verborgen sind.

Eine blutige Kindesentführung im Prolog, ein Sprung von 1987 zu 2019, eine scheinbare Amokfahrt in der Innenstadt der Metropole, die fünf Tote und 18 Verletzte sowie einen anschließenden Selbstmord des Fahrers in seinem Todeswagen noch nach sich zieht, eine nächtliche Verfolgung durch einen maskierten Killer, der in einem vollbesetzten Bus zum Angriff übergeht: erste Scharmützel für den derzeitigen übersättigten Zuschauer und erste Versuche, eigenständig neue Reize gegenüber der Konkurrenz und sich selbst als voluminöses Entertainment ins Licht zu setzen. Ein 'Ausflug' nach Myanmar läuft trotz der Unterstützung der dortigen Polizei aus dem Radar, wird erst in eine Sprengfalle getappt und dann auf offener Kreuzung ein bleihaltiger Straßenkrieg gegen einen bald überzähligen Trupp anonymer schwarz gekleideter Gegner angezettelt, Autos schlittern über den Asphalt und Hubschrauber geraten ins verheerende Gefecht.

Das Problem ist weniger die Verpackung des Ganzen, das Bemühen des Produktionsteams um visuelle Reize und auch eine theoretisch ansprechende Geschichte mit den Zutaten von Kindersoldaten, paramilitärischen Trainingscamps, Infiltration der Polizeigesellschaft, ominöse Terrorzellen, ein Counter Terrorist Ghost Team namens "Invisible Frontline Force", Kugelhagel in Madrid und Bombenanschläge in HK usw. usf., sondern dass das Narrativ trotz des Prolog, Rückblenden, Zeitsprüngen und dem Widerstreit von Verrat und Loyalität immer nur an der Oberfläche bleibt. Ein schick anzusehendes, eigentlich gar über-intensiv bebildertes und gefiltertes Werk mit diversen Referenzen an ausgerechnet John Woo, dass glücklicherweise auf den komischen Humoranteil aus dem Vorgänger verzichtet, aber trotzdem nur eine Hochglanzfassade ohne wirklichen Zugang dazu und auch bei den weiteren Actionszenen wie einen Überfall auf dem Weg zum Safehouse oder einer wilden Schießerei in einem Straßencafé bei Nacht eher mehr laute und gewalttätige Masse als Klasse ist.

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