Review
von Leimbacher-Mario
Nur die Akropolis war seine Zeugin
Um Sergio Martino zu kennen und zu schätzen, muss man schon etwas ins italienische Kino samt seinen Giallos abgetaucht sein - doch dann gibt es um ihn und seine stilvollen Italo-Pre-Slasher kein Drumrum. „La Coda dello Scorpione“ ist einer seiner Vorzeigetitel und jeder, der auch nur ansatzweise etwas mit Giallos anfangen kann, sollte sich den recht weit oben auf die Watchlist packen. Die typisch vertrackte Krimigeschichte zieht sich von London bis nach Athen, an die unfassbar hübsche griechische Küste: nachdem ihr Mann bei einem mysteriösen Flugzeugcrash ums Leben kommt und ihr durch seine frisch abgeschlossene Lebensversicherung eine Millionen Dollar vermacht, wird die „trauernde“ (und ihn betrügende!) Witwe ebenfalls Opfer brutaler Mordversuche, da eine solche Summe natürlich Neider und Kriminelle auf den Plan ruft. Und einen Privatdetektiv, der der Sache auf den Grund geht...
„Der Schwanz des Skorpions“ ist ein fabelhafter Giallo, der über seine perfekt gezupften 95 Minuten durchgängig bei Laune und auf Zack hält. Die etlichen Wendungen sind auf den Punkt, sicher darf sich hier keiner fühlen, weder Figuren noch Zuschauer, die sonnigen Ansichten Griechenlands sind mehr als exquisit und mit das Schönste, was Giallos landschaftlich je boten. Bei den Frauen sieht es ähnlich aus - Anita Strindberg, Mamma Mia! <3 Der Thriller ist unheimlich stilvoll, sehr sicher in Geschmack und Auftreten, spielt lustvoll mit Farben und Finten, weiß trotz etlicher Drehungen und Wendungen immer, wo lang es geht und wie man sich nicht in den eigenen Schwanz beißt. Mit der Glaubhaftigkeit und dem Realismus ist es zwar etwas weit her, doch damit muss man in diesem Liebhaber-Subgenre leben. Und das kann man bei diesem Tanz um den Giftstachel wie der König auf der sinnlichen Erbse - jederzeit wieder, Sergio, jederzeit wieder! Aber dein Portfolio hat ja noch einige Schmankerl mehr zu bieten... </span>
Fazit: sexy, stylisch, ein unfassbar hübscher Vorzeige-Giallo von Sergio Martino. Von den Frauen über die Sets bis zu den Morden und dem cleveren Vexierspiel um den Mörder - von diesem geschmackvollen Skorpion lässt sich jeder Giallogroupie liebend gerne stechen! Selbst wenn es gar keine echte Identifikationsfigur zu geben scheint, da einer nach dem anderen weggeschlitzt wird...