Review

Bei diesem interessanten Titel muss man als Giallo-Fan einfach zugreifen und da der Streifen in der tollen X-Rated Italo-Giallo-Serie erschienen ist, kann man davon ausgehen, dass der Film was taugt. Und das tut er auch.

Besonders überrascht war ich, dass es Sergio Martino gelungen ist, die sehr interessante und spannende Geschichte so athmosphärisch auf Film zu bannen. Seine bisher von mir gesichteten Werke wie "Torso" oder "Die heilige Bestie der Kumas" sind zwar in Ordnung, aber nicht unbedingt so handwerklich überzeugend wie dieser Film hier.

Die Kamera ist stets gut plaziert und die Beleuchtung und die passende und schnell ins ohrgehende Musik verbreiten einen schönen 70er Jahre Gialloflair, den ich sehr mag.

Die Geschichte macht Spaß und bleibt bis auf ein ganz paar wenige Füllszenen (die etwas zu lang geratenen Liebesturteleien) spannend und erst am Ende werden alle Unklarheiten beseitigt, wobei ich zu behaupten wage, dass es dem Zuschauer unmöglich ist, alles von selbst vor der großen Auflösung zu klären. Und ganz am Ende gibt es dann zusätzlich noch eine kleine Überraschung, aber ich will nicht zu viel verraten, denn selber gucken macht schlau.
Wie es sich für einen ordentlichen Giallo gehört, gibt es einen ganzen Batzen voller Verdächtiger, die alle ein Motiv für die Tat hätten und wie es denn so ist, sterben gerade die, die man im Verdacht hat, als nächstes.

Die Mordszenen sind gut inszeniert und fallen nicht so blutig aus, wie es beispielsweise beim italienischen Großmeister Dario Argento der Fall ist. Nunja, dem einen oder anderen platzt mal ein Auge, als es einer zerbrochenen Glasflasche zu nahe kommt oder werden die Handrücken aufgeschlitzt, als er sich an der Dachkante festklammert, was zur Folge hat, dass er in die Tiefe stürzt und neben einem Brunnen sein Ende findet und nicht, wie es in den Filmen der Vereinigten Staaten üblich ist, auf einem Autodach.
Am besten gefällt mir der Mord an einer Frau, bei dem das Geschehen von aussen durch eine Scheibe zu sehen ist und sie (die Frau, nicht die Scheibe) langsam nach unten singt, äh, sinkt und das Glas dabei mit ihren roten Naturfingermalfarben verziert. Da werden stellenweise Erinnerungen an oben genannten Großmeister wach.

Die Schauspieler bringen allesamt ihre Rollen glaubwürdig rüber und es gibt keine negativen Ausreißer. Hinzu kommt, dass ich die weibliche Darstellerriege überaus attraktiv finde.

Humor (freiwillig oder unfreiwillig) gibt es so gut wie nicht bis auf eine Szene, bei der ich herzlich gelacht habe. Unser männlicher Held macht es sich mit seiner Freundin gerade im Bett gemütlich, als ein Mann am Fenster erscheint und unseren Helden aus der Fassung bringt. Der Mann stellt sich als Nachbar heraus, vor dessen Einfahrt unser Held dreist geparkt hat. Der durch den Emotionsausbruch unseres Helden etwas verschüchterte aber vollkommen im Recht seiende Nachbar wartet an der Einfahrt, während unser Held ins Auto steigt, vorher dem Mann noch einen verärgerten Blick zuwirft und dann die Einfahrt freimacht. Allein dieser Blick ist das Geld für die DVD oder das Einschalten im Tv, falls er mal laufen sollte, wert :-)

Insgesamt ist dies ein überraschend gelungener Giallo von Sergio Martino.

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