Auch nach der dritten Sichtung von "Szamanka" fällt es mir schwer einige Zeilen zu schreiben. Einen Versuch ist es allemal Wert: Der niedrige Bekanntheitsgrad von Zulawskis vorletztem Film veranlasst mich dazu.
Auf eine Inhaltsangabe möchte ich an dieser Stelle verzichten, da mir die vorhandene von eltopo mehr als umfangreich erscheint.
Die eingetragenen Genres "Drama, Horror, Mystery, Sex" passen eigentlich ganz gut zu Szamanka. Allein die Reihenfolge scheint mir etwas unangebracht. Mystery und Sex im Vordergrund fände ich treffender. Natürlich lassen sich auch Motive des Dramas und des Horrorfilms feststellen, u. a. der tragische Tod Michals Bruder und das ziemlich abgedrehte Ende des Films.
Szamanka reiht sich eher in die Tradition der kryptischen und schwer zugänglichen Zulawski-Filme ein wie beispielsweise der hervorragende "Possession" oder "Diabel". Zwar zieht sich der typische Stil des exzentrischen Polen durch sein gesamtes Werk (overacting, immer wiederkehrende Einstellungen und Kamerafahrten), wer aber nur die in Deutschland leicht erhältlichen "La Fidélité" und "Mes nuits sont plus belles que vos jours" kennt, den wird Szamanka überraschen.
In allen Filmen von Zulwaski steht die schauspielerische Leistung im Vordergrund. Szamanka fügt sich nahtlos ein, denn die beiden Hauptdarsteller Boguslaw Linda und Iwona Petry spielen sehr überzeugend.
Angeblich soll Zulawski Iwona beim Kaffeetrinken in Warschau gesichtet haben. Für ihre erste (und bislang letzte!) Rolle ist die Leistung der jungen Frau nicht unterzubewerten. Insider wissen jedoch, dass Zulawski für seinen sehr dominanten Charakter bekannt ist und durch mentalen Druck seine Schauspieler zu Höchstleistungen anspornt.
Nach diesen sehr kurzen Eindrücken fehlt eigentlich nur noch die Bewertung und ein abschließendes Fazit.
Szamanka war in polnischen Kinos ein Flopp. Für mich nicht verwunderlich, da Verfechter des Mainstreams mit diesem Film wohl sehr wenig anfangen können. Im Ausland lief es ein wenig besser: 1996 war der Film während des venezianischen Filmfestivals zu sehen und wurde dort von Kritikern und Publikum begrüßt.
Trotz seiner Unzugänglichkeit (oder gerade deswegen?) zählt Szamanka zu meinen Lieblingsfilmen von Zulawski.
Richtige Fans werden ihn sowieso schon kennen; allen anderen rate ich mal ein Blick zu riskieren.
9/10