Review

Angekündigt seit tatsächlich 2015 und zwischenzeitlich außer mit Titeländerungen keinerlei Wasserstandsmeldungen bezüglich der Produktion versehen, ist der spät (zu spät?) gestartete Undercover Punch and Gun in den Lichtspielstätten Chinas (als Undercover vs. Undercover) weitgehend unter dem Radar gelaufen, und gleichzeitig durch das hinausgezögerte Veröffentlichungsjahr dennoch interessant, da völlig aus der Zeit gefallen und nirgends so richtig hin gehörend. Nicht, dass vor 48 Monaten der Qualität und v.a. Quantität der lokalen Ware wesentlich höher war, aber der Zustand hat sich seitdem eher noch verdünnt und verschlechtert, was das hiesige Erzeugnis in seinem 'Alleinstellungsmerkmal' (den Fatal Raid könnte man noch dazu zählen) und der durchaus bekannten, mittlerweile aber auch feststehend eben nicht und niemals mehr durchstartenden Besetzung in seinem Rückblick auf ehedem traditionelles und früher altbewährtes dennoch von Neugier erfüllt macht. Gedreht als Debüt von zwei Neulingen auf dem Regiestuhl, den beiden Autoren Philip Lui und Frankie Tam, die bspw. zusammen auch die genreverwandten Tactical Unit - Partners (2008) und Wild City (2015) geschrieben haben und hier als Mitarbeiter für das Skript allein ganze 5 (fünf) weitere Schreiberlinge engagieren:

Der Polizist King Wu [ Philip Ng ] ist von seinem Vorgesetzten Inspector Ho [ Nicholas Tse ] als Undercover in der Gang von Bob [ Lam Suet ] eingesetzt, wobei er sich für die Tätigkeit auch an dessen Tochter Dawnie [ Aka Zhao ] heran geschmissen hat. Als bei einem Drogenhandel Bob getötet wird, steigt King selber zum Boss auf, wird allerdings auch gleich von der noch darüberstehenden Madam Tung [ Carrie Ng ] an die Kandarre genommen und vom Schmuggler Ha [ Andy On ] 'akquiriert'. King soll ihm Tungs Drogenköchin Chief B [ Siu Yam-Yam ] bringen, damit dieser sein Geschäft ausweiten kann. Zu guter Letzt wenden sich die Gesetzeshüter Eva [ Joyce Feng ] und Magnum [ Chi Shuai ] an den zunehmend in die Bredouille geratenen und einzig noch seinem Freund Tiger [ Vanness Wu ] vertrauenden, wollen diese doch über King wiederum an Ha selber.

In einer Rückblende von 48 Stunden startend und mit einer eher merkwürdigen Eröffnungsszene, mit zusätzlich Voice Over des Protagonisten und einleitender Texttafel, also narrativ dem absoluten Overkill in Sachen Aufbau angelegt, sieht man die Schwächen des Filmes sofort; und die möglichen Stärken in der Behandlung der Actionszenen und dies als einziges Verkaufsargument gleich mit. Von den Themen her der übliche Undercover-Nonsens, den Hauptdarsteller, Choreograf und Co-Produccer Philip Ng – der auch bspw. Trainer von Andy On und Nicholas Tse ist, was beim letzteren dessen (oftmals verschwiegene) Mitarbeit hieran erklärt – zuletzt im gleich so archaischen Colour of the Game (2017) gebracht hat; Rückbesinnungen auf das frühere HK-Kino und gleichzeitig das fast einzige Topoi, welches derzeit in allen Genrevarianten genutzt und vor allem auch im Fernsehen und deren Serien ausklamüsert wird.

Von der Umsetzung und der Schreibweise der Handlung her von vornherein ein hanebüchenes, bestenfalls auf die leichte Schulter zu nehmendes und sich bloß nicht über die Unzulänglichkeiten zu ärgerndes Stück, welches wohl selbst die Mankos erkennt und sich entsprechend zusätzlich auch humoristisch in unterschiedlicher Art und Weise und mal freiwillig und mal nicht freiwillig, aber dann trotzdem über den Dingen schwebend ausgibt.Wenigstens startet man nach etwas Vorrede schon mit dem ersten Krawall, wird auf einem Parkplatz/Verladehafen ein Drogenhandel von der Polizei und deren Eingreifen und bald auch einem wütenden Aufeinander gehen der sich um die Beute streitenden Gangsterparteien, darunter eine mit paramilitärischer Verstärkung behakt und bekriegt. Das fröhliche Prügeln mit einigen wirksamen Kombinationen und viel flotter Beintechnik erfreut durch eine übersichtliche Behandlung das Kind im Manne und die Soundeffekte bei den Schießereien sind auch entsprechend laut. Zuletzt segeln auch noch ein paar Autos in die Luft und wirbeln um die eigene Achse: Das gehört sich so, und das ist nicht verkehrt.

Alles weitere, was dann noch folgt, ist eine Mischung aus Triadenverschnitt für Arme, einem zwar von dem Ansinnen her größer angelegten Kriminellenthriller um globalen Menschen- und Organhandel, welcher aber die Zwänge des preislich unteren B-Pictures niemals ablegen kann und immer eine Spur zu schäbig und zu räudig wirkt, einem Polizeifilm mit Klischee nach Schema F und dem lupenreinen Vertreter der Actiongülle von Anno Dunnemals, mit einer mittig ausgedehnten Prügelei in einer stillgelegten Fabrikhalle und anderem dazugehörigen Geschick. Das Aussehen der Produktion ist trotz all der vielen Örtlichkeiten stets außerhalb der Zivilisation und im abgelegenen Industrieviertel und den ganzen schmucklosen Containerkulissen immerhin auch recht rustikal, also bodenständig genug für den vielen Quatsch und im bläulichen Gesamtton eingefangen, zumal die Stunts in diesem Bromance-Verschnitt durchaus bodenständig und zuweilen knorke im besten Sinne sind. Das konstruierte Hin und Her und das Geklüngel zwischen den Gesellschaften auf der falschen Seite des Gesetzes geht natürlich letztlich in Richtung Mehrfach-Showdown zwischen all den Figuren, darunter auf der Seite der Bösen auch die Kampfmaus Jiang Lu-Xia und der malaiische Import Aaron Aziz; wie der Film dahin kommt, lässt sich aufgrund der inhaltlichen Unzulänglichkeiten und vor allem auch der irgendwie rauschhaften Darbietung gerade von Vanness Wu aber noch nicht ab- und so auch nicht voraussehen.

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