Nachts im strömenden Regen wird eine Frau von einem Unbekannten verfolgt, der sie nach kurzer, erfolgloser Flucht schließlich einholt. In der nächsten Szene liegt die Verfolgte (Brenda Song als Jennifer Williams) schwer verletzt in einem Krankenhaus, muß sich einer schwierigen Reha unterziehen und hat überdies ihr Gedächtnis verloren. Zum Glück taucht da ihr Ehemann Russell (Mike Vogel) auf, der sich ihrer fürsorglich annimmt und sie alsbald mit nach Hause nehmen darf. Dort, in einem ebenso malerischen wie abgelegenen Anwesen irgendwo in den Bergen Kaliforniens, versucht er ihr Gedächtnis Stück für Stück zu rekonstruieren. Langsam kommen Jennifers Erinnerungen wieder zurück, allerdings ist in ihrer jetzigen Situation nicht alles so, wie sie es erlebt zu haben glaubt - irgendetwas stimmt nicht, und tatsächlich ist etwas faul an ihrem überfreundlichen Gatten...
Die Netflix-Produktion Secret Obsession beginnt mit einer interessant anmutenden Szene, verflacht dann aber schnell und verfällt in einen familientauglich abgefilmten, hochglanzpolierten TV-Krimi. Nachdem schon vor der Hälfte des Films klar wird, daß Russell ein falsches Spiel spielt, geht es eigentlich nur noch darum, wie schnell er auffliegt. Dies zieht sich in der zweiten Filmhälfte spannungslos wie ein Kaugummi und wird von zunehmend größer werdenden Logiklöchern begleitet. Das konventionelle, jederzeit vorauszusehende Ende beendet dann einen zwar routiniert abgefilmten, im Grunde aber furchtbar langweiligen Kriminalfilm, der weder von der Thematik noch von den schauspielerischen Leistungen her irgendwelche nennenswerten Glanzlichter verbuchen kann. Während der bärtige Brillenträger Russell von der ersten Minute an schlichtweg unsympathisch rüberkommt, kann man auch mit der Stück für Stück ihr früheres Leben rekonstruierenden Jennifer nicht wirklich mitfiebern, am ehesten Pluspunkte sammelt noch der schwarze Detective Frank Page (Dennis Haysbert), der als eine Art Morgan-Freeman-Verschnitt auftritt, insgesamt aber deutlich zuwenig Screentime hat.
Zu diesen wenig positiven Vorzeichen gesellen sich dann diverse Logiklöcher, deren gröbste hier kurz angerissen werden sollen (Achtung, Spoiler!): Ein Detective, der als Spürnase den richtigen Riecher hat, begibt sich allein und ohne seiner Dienststelle Bescheid zu geben in die Höhle des Löwen; ein ermordetes älteres Ehepaar wird anscheinend monatelang nicht gefunden, obwohl in einer bewohnten Gegend (Nachbarn?) auch eine Rasterfahndung nach weiteren Angehörigen war zumindest dem Drehbuchschreiber nicht bekannt; der Killer denkt an viele Dinge, aber nicht daran, eine Kühltruhe mit einem niedergeschlagenen Polizisten auch abzusperren oder ein gesuchtes Fahrzeug verschwinden zu lassen, von einer - wie lange eigentlich schon? - im Kofferraum deponierten Leiche ganz zu schweigen; auch ein viel zu leicht zu erratendes Laptop-Passwort und verräterische Spuren hinsichtlich Bildmanipulationen sind für ein sorgfgältig vorbereitetes Verbrechen geradezu Anfängerfehler; und schließlich die - rückblickend - schon am Anfang alles entscheidende Frage, wie der Mörder so sicher sein kann, daß die verunfallte Frau ihr Gedächtnis verloren hat, für deren Ehemann er sich im Krankenhaus ausgibt - denn ansonsten hätte sie ihn schnell als Schwindler wenn nicht gar als Angreifer identifiziert, er wäre noch vor Ort festgenommen worden - und dem Zuschauer dieser öde Schinken erspart geblieben. Nö, das war nix. 3 Punkte.