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Man denke zurück: Kindheit, Schulzeit, Sommerferien. Zum Antritt selbiger erschien die Zeit von sechs Wochen eine schier endlose Spanne zu sein und am Ende herrschte Verwunderung, wie rasch die Ferien vorbei waren. Doch dann die Pubertät. Urlaub mit den Eltern? Undenkbar. Diesen eklatanten Wandel schnappt Regiedebütant Simon Bird für seine Dramödie auf und entwickelt daraus einen warmherzigen Stoff, der zuweilen etwas zu sehr vor sich hin plätschert.

Es hätten tolle sechs Wochen Florida-Urlaub für den 15jährigen Metal-Fan Daniel (Earl Cave) werden können. Doch kurzerhand sagt sein frisch verheirateter Vater ab und Daniel bleibt nur ein trostloser Alltag mit seiner Mutter Sue (Monica Dolan) in der verschlafenen Kleinstadt Englands. Die Kluft zwischen Mutter und Sohn wächst, als Sue Daniels Geschichtslehrer datet…

Ein harter Lockdown wäre für diese beiden Individuen wahrscheinlich kein großes Problem, denn die leben beinahe wie in Selbstisolation. Sue, eine graue Maus Anfang 50, Bibliothekarin, engagierte Mutter. Daniel, ein bleicher Schluffen mit schwarzen Schlabberklamotten, wahlweise Metallica-T-Shirt und fettigen Loden, der sich vernünftiger Kommunikation mit einsilbigen Äußerungen entzieht. Trotz zahlreicher bewusster Klischees steckt eine gute Beobachtung hinter den Figuren, die hin und wieder mit heiteren Momentaufnahmen verziert werden. Etwa, als Sue die Wäsche auf die Leine hängt: Eine Seite mit heller Kleidung von ihr und die andere mit der ihres Sohnes, natürlich durchweg schwarz.
Wenn die beiden scheinbar gemeinsam unterwegs sind, unterstreicht die Kamera aus der Totalen, wie es wirklich vonstatten geht.

Wenigstens ein Ereignis sorgt schließlich dafür, dass etwas in Bewegung gerät, was bei einem Geburtstagsessen im Restaurant seinen leisen Höhepunkt erfährt. Eine leicht ironische Note schwingt ohnehin mit, doch im letzten Drittel weitet sie sich zum sanften Zynismus aus. Die Unterteilung in vier Kapitel hätte es hierfür nicht gebraucht, ebenso wenig wie der Einsatz einiger Nebenfiguren, wie Sues jüngere Schwester, die im Grunde nichts zum Fortgang beiträgt.

Dank der treffend besetzten und stark agierenden Hauptdarsteller funktioniert die ruhig erzählte Angelegenheit recht gut. Earl Cave ist der Sohn des Düstersängers Nick Cave und da fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Er performt in seiner gezielt zurückhaltenden Form beinahe so gut wie Monica Dolan, der man die Facetten ihrer vermeintlich simpel gestrickten Figur jederzeit abnimmt. Ein weiterer Pluspunkt ist der Score, welcher hauptsächlich aus verträumten Klängen von „Belle and Sebastian“ besteht, was zum schönen Kontrast zu einigen angedeuteten Metal-Sounds steht.

Phasenweise wirkt der Film wie seine Hauptfiguren: Eine vegetiert wie eine Schlaftablette vor sich hin, die andere ist immerhin bemüht. Doch zwischen den Zeilen gibt es immer wieder Momente zum Schmunzeln, auch einige, die leicht melancholisch anmuten. Die Quintessenz fällt zwar etwas seicht aus, doch wer sich auf den unaufgeregt erzählten Stoff einlässt, erlebt eine sympathische Coming-of-Age Geschichte, die durchaus zufrieden stimmen kann.
6,5 von 10

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