Review

Anfang der Achtziger gab es vermehrt Thriller und Psychodramen um obsessive Beziehungen und zunehmend gefährliche Leidenschaften, um die Umkehr von einseitiger Liebe und unerwiderte Verehrung hin zu Zerstörungslust und Hass, um die Beobachtung einer unvollständigen Zweier-Paarung, in der ein Bestandteil nichts von dieser Beanspruchung weiß und diese auch nicht will. Meist waren die Filme wie Der Fanatiker (1981), Tattoo - Jede große Liebe hinterläßt ihre Spuren (1981), Der Fan (1982), Love to Kill (1982), Tele-Terror (1982), aber auch Star 80 (1983) tatsächlichen Hintergründen wie dem Mord an Dorothy Stratten oder dem Attentat auf Ronald Reagan bzw. John Lennon 'geschuldet', wobei auch The Fanatic eine reale Seite hat und eigenen Erfahrungen des Regisseur Fred Durst, hier fiktiv abgewandelt und dramaturgisch entgleist natürlich entspricht. Zusätzlich ist der Bestandteil einer kleinen Travolta-Offensive im Jahre 2019, in der neben diesem Vertreter hier zumindest noch der Film Noir Abgleich The Poison Rose seine Zuschauer (wegen einer stärker als üblich prominenten Nebenbesetzung) seine wenigen noch treuen Zuschauer finden dürfte und der Trading Paint eher nicht:

Der ältere Straßenperformancer Moose [ John Travolta ], der sein Geld des Nachts in Hollywood als Nachahmung eines englischen Polizisten vor Touristen verdient, ist der selbsternannte größte Fan des Schauspielers Hunter Dunbar [ ordentlich, aber zu jung für einen Actionhelden der frühen 90er: Devon Sawa ], hinter dessen Filme er ebenso wie Andenken aus den Filmen eifrig hinter her ist. Als er von einer Buchsignierung seines Stars im örtlichen Fanshop erfährt, nimmt er natürlich dran teil, nur um am Abend ohne Unterschrift nach Hause zu gehen. Von seiner einzigen Bekannten, der blutjungen Fotografin Leah [ Ana Golja ] mit Information unterstützt, macht er sich zum privaten Heim von Dunbar auf, wo er auch nicht mit offenen Armen in Empfang genommen wird und dies schnell recht persönlich nimmt.

Was auch immer Durst, der die Geschichte entwickelt und zusammen mit Dave Bekerman auch das Drehbuch geschrieben hat, damals widerfahren ist, so richtig scheint er seinen Stalker nicht haben leiden können; eine sicherlich verständliche Ansicht, aber gut beraten mit der (Über)Zeichnung des hiesigen Antagonisten war er trotzdem nicht. Nach einer Welle von gänzlich unbekannten Produktionsfirmen, die den Credits vorangehen und einer düster einleitenden Stimme, die weder beiden Männer der Geschichte, sondern die einer indirekt teilhabenden jungen Frau gehört, wird der Fan(atiker) der Erzählung erst optisch und dann schnell auch mimisch und akustisch vorgestellt, und nichts in seinem Verhalten und seinem Aussehen passt zusammen und der Mann ist von vornherein "out of line", schon vor jeder Konfrontation und Eskalation eigentlich schwer 'whacko' angelegt und auch ein physisch und psychisch abschreckendes Bild.

Die Frisur wie mit einem zu kleinen Topf als Kopfschutz in den Kampf mit einem Rasenmäher gezogen, dazu unmögliche Kleidung, die man vielleicht als Gag auf einer Party anhat, aber ansonsten kein Mensch trägt und merkwürdige Sprech- und vor allem auch Verhaltensweisen, welche eigentlich sofort auf Ablehnung beim Gegenüber stoßen und wo das Wort "Klapse" schon per Ferndiagnose auf der Stirn des Porträtierten steht. Travolta, der im Spiel hier den Cage macht und seinem Affen Zucker gibt, aber dabei auch immer im Spiel und etwas angestrengt dabei und nicht so lebhaft wie der Performer aus der Coppola-Familie wirkt, beweist dabei sicherlich Mut zur Hässlichkeit, läuft aber ebenso wie sein Regisseur - beide sind Produzenten des Filmes - schon von Beginn an nicht in Richtung Ziellinie, sondern über die seitliche Absperrung hinaus in ein ganz anderes Feld; und blickt dann auch nicht mehr zurück, und ist dann auch beizeiten disqualifiziert. (Später kommt auch raus, warum er so geworden ist: als Kind war er wohl noch 'normal', wurde aber von der Mutter vernachlässigt und hat zu viel Die Nacht der lebenden Toten geschaut, da entwickelt man schon einige Merkwürdigkeiten und einige Ticks; und mit ähnlich Küchenpsychologie von Lieschen Müller ist auch die Psychologie in diesem 'Psychologischen' Thriller hier angelegt.)

Spielen tut das Ganze, das Absurde, die Satire? oder doch die Horrorgroteske, aber sicherlich kein Kommentar zur modernen Selfie-&-Like Gesellschaft und keine Parabel auf das Sein und das Schein natürlich in Los Angeles und damit am Tor zur Filmwelt; wobei der hiesige Schauspieler in der Manege auch eng verbunden zum Genre und mit seinen Titenl wie dem Frühwerk Trapped in Space, dem verstörend-mondänen Vampire Killers, dem Fan Favourite Ghost Train und dem vor allem auch global erfolgreichen Friday Night Killer zur Crème de la Crème der VHS Zunft noch und neu aufgelegt auch im medialen Zeitalter der DVD gehört, aber nur für den Fanatiker selber der größte Star aller Zeiten ist und sonst eher das Würstchen um die Ecke, dass karrieretechnisch kein Bein auf den Boden bekommt und statt zu Hollywood zum Comic- und Talmishop in der Nebenstraße gehört. Ein Darsteller, wie es Tausende vor Ort gibt, fern jeden Glanzes, aber anders als sein aufdringlicher Beobachter und schnell unangenehm zudringlicher Querulant immerhin halbwegs der Realität entsprechend und auch mit menschlichen Schwächen und selbst dann auch nicht immer mit positiven Seiten und so auch einem zwischenzeitlichen Wechsel der 'Sympathien' und auch einem abrupten, unbefriedigenden und auch nicht durchdachten Ende als Stärke angelegt; wobei der Abschluss nochmal zusätzlich die Emotionen hoch putscht, aber eher so die Aggression in Richtung Autor und Regisseur. Also: zwischendurch phasenweise ein Etwas, dass der Film immerhin gut strukturiert bekommt und neben einigen animierten Standbildern zur Veranschaulichung der Veränderung von Moose' Welt und der zweiten Nebenrolle, die der erst 20-jährigen Fotografin (unverständlicherweise an der Seite des Filmfans im Renteneintrittsalters) auch zum eigenen Vorteil hinverwerten kann; bis dann der Regisseur und Autor wieder ins Fettnäpfchen latscht und nicht bloß den hiesigen Kameramann, eigentlich einzig durch seinen Vater 'prominenten' Conrad W. Hall als 'Celebrity' im Film erwähnt, sondern das Vater-Sohn-Gespann im Auto auch kräftig Limp Bizkit hören lässt und sich selber Honig um den Vollbart schmiert.

Details
Ähnliche Filme