Review
von Leimbacher-Mario
Fremdschämen - Der Film
„The Fanatic“ ist das viel belachte, wenig durchdachte Regiedebüt von Limp Bizkit-Frontmann Fred Durst, ein ärgerlicher und ziemlich lahmer Stalker-Thriller über einen autistischen Horrorfilmnerd, der seinem arschigen, großen Idol etwas sehr auf die Pelle rückt... „Misery“ trifft „The Fan“ und „The Room“ - nur in gehässig.
Puh, wo soll man da anfangen... Vielleicht mit: Holt Tarantino, denn „The Fanatic“ könnte leider (?) der letzte Sargnagel in John Travoltas einst revitalisierten Karriere sein?! Oder: sagt Nic Cage endlich, er soll das Gesicht des armen Mannes von seinem ziehen?!... Spaß beiseite - bei „The Fanatic“ muss man sich gar nicht so sehr auf Travoltas absurde Performance stürzen. Denn die hat immerhin zu ein paar Reaktionen in mir geführt. Sei es Kopfschütteln, sei es Ekel, sei es Unverständnis, sei es Mitleid, sei es Lachen, sei es Fremdschämen. Aber er gibt wenigstens alles und schießt dabei eben sagenhaft übers Ziel hinaus. Der Rest des Films ist dann wirklich ärgerlich und miserabel. Und dumm. Und frech. Und bösartig. Und untalentiert. Und bemüht. Und gewollt. Und definitiv nicht gekonnt. Und vor allem orientierungslos und höllisch lahm. Was Durst hier meint abzuziehen, ist definitiv sehenswert - nur um mal wieder aktuellen Bodensatz zu definieren. Ein paar eigene „Gemälde“ bzw. Skizzen mit reinpacken. Eines der antiklimaktischsten Finales der jüngeren Geschichte draufdrücken. Travolta und behinderte Menschen bloßstellen. Keine Beziehung zu irgendwem schaffen. Overacting zelebrieren und hinterm Rücken noch lachen. Den Score zuverlässig deplatziert wirken lassen. Dinge wie eine ermordete Putzfrau im Garten völlig vergessen und nie mehr behandeln. Und insgesamt einfach mal auf alles einen dicken Haufen geben. Passend zu Travoltas ersten Line im Film. Und dann schreien „Riecht das nicht geil?!“. Bravo! Darauf kann man doch stolz sein... Wofür dann drei ganze Punkte?! Einem netten Finger-Weg-Splatterer. Und Travolta. Ja, Travolta. Seine Show hatte mehr Eier als der restliche Film zusammen und Durst wohl je haben könnte.
Fazit: „The Fanatic“ ist ein (im negativsten Sinne) fieser Film, er lacht über Schauspieler, über Fans, über Filmnerds. Eigentlich über alle Beteiligten. Er spuckt sämtlichen Parteien sogar dreist ins Gesicht und weiß danach verwirrt und lahmarschig nicht wohin. Nur sich selbst packt er nicht an die Nase. Fred Durst: vergiss es! „The Fanatic“ ist eine Katastrophe - und meiner Meinung nach ist ein völlig überdrehender Travolta noch das kleinste Problem hier. Aus dem richtigen Blickwinkel eventuell sogar eine Stärke. Aber der Rest ist gottverdammte Grütze. Oder anders gesagt: ein schlaffer Keks.