The Finale als Zusammenfassung der drei vorherigen Teile, auch als Beweis und Bestätigung der bisher erbrachten Stärken und Schwächen, als Mischung aus alten Vertrauten und neuen Variationen, als (erneuter) Schwanengesang auch von Hauptdarsteller Donnie Yen, welcher schon mehrfach den Rückzug vom Action- und/oder Martial Arts - Bereich angekündigt hat und wo zuvor schon Teil 3 als vorläufig endgültiger Abschluss dessen galt. Yen macht immer noch Actionfilme, auch der danach (als aufgrund aktueller Ereignisse in China abgesagter Kinolauf und dafür für die Streamingdienste) gestartete Enter the Fat Dragon geht vermehrt in diese Richtung, wenn auch komödiantisch angelegt, und Raging Fire sowieso und überhaupt. Gründe für ein erneutes Wiederaufleben lassen der fiktiven Figur vom Ip Man – die mit realer Historie oder Biografie schon zu Beginn an wenig gemein hatte und nun nicht zusätzlich an Wahrheitstreue, sondern noch mehr an Kintopp gewinnt – gibt es zuhauf. Meist natürlich monetärer Art, waren die Vorgänger schon einheimisch und auch gut verkäuflich in das westliche Ausland gefragt, sind die Zugewinne bei Erfolg beim Publikum durch das (zumindest bis 2019 geltende) Boomen der chinesischen Filmindustrie auch erst jetzt so richtig immens und das Team um Produzent Raymond Wong, Regisseur Wilson Yip und deren Hauptdarsteller sowieso eingespielt und geübt. Zudem waren weder das Spinoff der Produktionsfirma Master Z - The Ip Man Legacy noch die anderen Gehversuche von Yen (oder auch Yip, wenn man von Paradox - Kill Zone Bangkok absieht) tatsächlich lukrativ. Money makes the world goes round, wir werden in wenigen Jahren sehen, ob tatsächlich das letzte Wort gesprochen ist. (Ein Sequel des Spinoff war geplant und eine weitere Erzählung dann mit Bruce Lee im Zentrum der Geschichte war proklamiert.):
Nach dem Tod seiner geliebten Frau, einer für ihn kürzlich gestellten Tumordiagnose und dem Rauswurf seines Sohnes Ip Ching [ Ye He ] aus der Schule nimmt Yip Man [ Donnie Yen ] die Einladung seines ehemaligen Schülers Bruce Lee [ Danny Chan ] an, zu einem Karate Tournament von ihm selbst und seiner Eleven wie Hartman Wu [ Vanness Wu ] nach San Francisco zu reisen, wo er sich vor allem auch für eine neue Ausbildung seines Sprösslings – währenddessen daheim von Bob [ Kent Cheng ] betreut – erkundigen will. Mithilfe des befreundeten Journalisten Leung Gun [ Pierre Ngo ] stellt er sich bei der örtlichen "Chinese Benevolent Association" für ein Empfehlungsschreiben vor, der Vorsitzende Master Wan Zong-Hua [ Wu Yue ] verweigert dies ihm aber, bzw. stellt ihm dieses nur zur Verfügung, falls er Lee die Anpassung an westliche Gewohnheiten und das Unterrichten von 'Langnasen' untersagt. Yip Man, welcher dieses Ansinnen natürlich ablehnt, lernt bei einer Vorstellung in der angedachten Schule selber die auch dort eingeschriebene Wan Yonah [ Wanda Lee ], die Tochter von Wan kennen, welche von den einheimischen Schulkollegen allerdings gemobbt wird und sich bald auch ein wütendes Elternteil vom US Department of Immigration and Customs in die zunehmend brachiale Angelegenheit einmischt. Währenddessen haben die Kung Fu Spezialisten es bald sowieso mit neidischer und sich steigernd brutal gebender Konkurrenz durch die auf Karate schwörenden Marines um US Marines Corps Gunnery Sergeant Barton Geddes [ Scott Adkins, welcher leicht in Richtung Darren Shalavi des Zweiten Teils angelegt ist, aber dann auch die Kastanien aus dem Feuer holt ] und dem US Marine Corps Karate Coach Colin Frater [ Chris Collins ] zu tun.
Im Umfeld oder auch Vorfeld der Produktion, welche zum Weihnachtsgeschäft 2019 gestartet ist und sich dort ein erbittertes Rennen um die Gunst der Stunde mit dem (wesentlich preiswerteren) A Sheep without a Shepherd lieferte, wurden natürlich auch diverse weitere Trittbrettfahrer, allen voran die Webmovies Ip Man and the Four Kings sowie Ip Man: Kung Fu Master (mit dem Protagonisten von The Legend Is Born - Ip Man); die auch irgendwie dasselbe, nur eben nicht mit der Finanzierung im Rücken gestählt und gestärkt und nicht durch eine erstklassige Besetzung auch geadelt sind. Eine gewisse pulp-lastige oder auch aus dem Genre des Eastern kommende Vorhersehbarkeit der Handlung sowie mittlerweile auch die der grundsätzlich auf Nummer sicher gehenden Inszenierung von Wilson Yip kann man nahezu schon aus dem Trailer oder den geschalteten Clips ablesen. Das Ziel ist klar und der Weg dahin auch, folgen tut man dem Ganzen, da man eine gewisse Form der Qualität nicht nur, aber vor allem auch hinsichtlich der (etwas hinausgezögerten und eigentlich auch durchwachsenen und eingeengt wirkenden) Kampfszenen erwarten kann und dieses auch erhält.
War der Vorgänger schon ein Abschied auf Raten, so scheint dieses Gefühl hier vor allem zu Beginn auch noch mehr durch. Eine Rückblende von vier Wochen, in denen eine lange Reise gemacht wurde und viel erlebt, in der eine Krankheitsdiagnose gestellt wurde und Erinnerungen an die bereits jung verstorbene Ehefrau eingewebt. "Maybe I Have no time" als erste An- und gleichzeitig Absage, wer weiß schon, was in einem Monat und wie das eigene Leben dann ist. Andere Probleme hat man hier eingangs, das eigene Altern und die eigene Schwäche, dazu ein heranwachsender Sohn, für den man alleinerziehend verantwortlich und der nunmehr nicht mehr der kleine gehorsame, sondern der Pubertierende mit den eigenen Ansichten und auch dem Trotzverhalten ist. Die Zeiten schreiten voran, Ip Man geht oder muss notgedrungen mit, ist hier das erste Mal auch in zeitgenössisch ziviler (legerer) Kleidung zu sehen und auch mal impulsiv und negativ; zudem werden in der quantitativ durchaus vielfältig, materiell zuweilen einfältig, aber dennoch kausal aufgebauten Genregeschichte auch aktuelle Themen wie Globalisierung, Multikulturalismus, Angst vor Veränderungen, Immigration, Emigration, Integration, Inklusion, Xenophobie, Diskriminierung, Rassismus, der Generationenkonflikt usw. angesprochen und passend links und rechts des Wegesrandes und dort dann auch die (etwa ein halbes Dutzend umfassenden) Actionelemente in der Handlung installiert.
Die Reise nach Amerika, nach Übersee, in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten dabei als eventuell letzte Chance, als mögliche Verbesserung, auch als Bewährungsprobe, nicht bloß für die Figur und seine Umgebung, sondern nach dem recht 'weichen', insgesamt nebensächlich scheinenden, aus losen Enden bestehenden Dritten Teils auch vom filmischen her. Eine Angliederung an die frühen Siebziger des Martial Arts- und Easternfilmes, in denen im Bahnhofskino vom Kung Fu-Fighter von Chinatown (1977) erzählt wurde, Der Boss von San Francisco (1973) besucht und Die Todeskralle schlägt wieder zu (1972) verfolgt; auch die nacheilende Bruceploitation wie Bruce Lee - Unbesiegt bis in den Tod (1976) hat oftmals diese Wege beschritten und sich als Mischung aus westlicher Exotik und fernöstlicher Kampfkunst gegeben. Schon jeher Period Piece Ausstellungsstück gewesen und in der Vielfalt von Dekoration und Kulisse mit Zeitkolorit 'gefangen' versucht auch dieser Film hier als Abschluss der Saga, vor allem gut und edel, protzend im Detail und dennoch wie unbeschwert im Nebenher und auch relativ intim durch eine Wiederholung von (meist geschlossen wirkenden) Schauplätzen auszusehen. Durch die zusätzliche Eröffnung und Erweiterung an die Westküste der USA wird nunmehr erneut die Architektur und das Interieur, selbst bei kleineren und kurzen Szenen wie dem Aufenthalt im Flieger selber und dem Warten im Airport und anschließend inklusive einer (im Retrolook) ausnahmsweise passenden Rückprojektion beim Fahren im Oldtimer zelebriert; das vorhandene Budget von guten 55 Mio. USD wurde weidlich genutzt und sorgt für ordentlich viuselles Brimborium mit cineastisch-archaischen Flair.
Das, auf was sicherlich die Meisten schauen und achten werden, nämlich die Fighteinlagen, das Hand-to-Hand Combat und die Beinarbeit, sind von Choreograf Yuen Wo-Ping auch tatsächlich in gewohnter Art und Weise und in Fachkenntnis bis Expertenwissen eingeleitet und umgesetzt, lässt allerdings eine gewisse Begeisterung anfänglich oftmals missen bzw. eine Erneuerung oder Veränderung zu den Präsentationen schon der Vorgänger. Erfreulich hier wie auch dort und seit jeher ist die Übersicht des Ganzen, die Kämpfe sind in einer Gesamtschau gehalten, die die Akteure und ihre Fähigkeiten und Tätigkeiten im Auge behält, längere Einstellungen im Rundblick des Szenarios einfängt und trotzdem einzelne Bewegungen akzentuiert. Spektakuläres lässt aber auf sich warten, ein plötzlicher Fußkick im Hinterhof oder eine ästhetische Form beim Sparring im trauten Heim vom CBA-Chairman (ehemaliger Bajíquán-Champion und auch Southern Fist - Experte) als Appetizer und auch herausstechende Merkmale; tatsächlich forsch(er) wird die Montage erst beim Eintreffen von Adkins selber, der Aushebelung von Regeln seinerseits und der Antwort des Endgegners im wütenden Gefecht.