Review

[ I.K.U. (jap.) = Ich komme! ]

"Reiko ist ein Cyborg. Ihr Job besteht darin, Daten für eine große Orgasmus-Datenbank zu sammeln. Ihr Arbeitgeber, die GENOM Corporation, will damit virtuelle Sex-Erlebnisse vermarkten. Als Reiko sich in einem Nachtclub mit dem rätselhaften “Tokyo Rose” Virus ansteckt, scheint ihre Mission mitsamt allen Daten verloren zu sein. Doch ein System-Restart und eine wilde Affäre mit dem Stricher Akira laden ihren I.K.U.-Chip wieder auf."
-bitfilmfestival

Rezensionen und Ankündigungen zu I.K.U. geistern schon seit 2 – 3 Jahren durch die einschlägige Presse und nun wird REM den Film dankenswerter Weise ab November 2003 in die Kinos bringen. Ob hier die Güte des Films oder doch mehr die Tatsache, dass es sich um einen Porno handelt der Grund war, sei mal dahingestellt. Schon bei Catherine Breillats ordentlichen „Romance“ oder dem unterirdischen „Baise Moi“ wurden Normalsterbliche mit Hardcore-Sex-Szenen ins Kino gelockt. Die Werthaltigkeit der Filme war seinerzeit komplett ohne Belang und die Besucherzahlen gut.

I.K.U. ist ein reinrassiger Cyberporno, wie man ihn aus dem Land der aufgehenden Sonne und der Pink Eigas erwartet. Kinky Sexszenen, Computerspielereien, wenige (und ziemlich bekloppte) Dialoge und hübsche Darstellerinnen am laufenden Band. Die Story wiederum wird lediglich über Schrifttafeln eingeblendet, während man den Darstellern außer viel Geschlechtsverkehr wohl gar nichts zutraute.

Da liegt auch genau das Problem: I.K.U. leidet unter der Krankheit, die nahezu alle gebräuchlichen Pornos befällt: er ist einfach fürchterlich langweilig. 90 min lang reiht sich eine Sexszene an die andere, nur lose durch die Rahmenhandlung miteinander verbunden. Die Sexszenen sind zwar gut inszeniert, choreographiert und auch größtenteils hübsch anzusehen, Emphatie oder gar Erotik will jedoch ob der Handlungslosigkeit und der permanenten Unterbrechungen der Sexszenen durch Cybereffekte nicht aufkommen. Interessant ist hierbei, dass der Film die Hardcoregrenze zwar überschreitet, jedoch nicht voll durchzieht. Bekanntlich gab es in Japan bis vor kurzem eine jetzt gelockerte „Pube-Hair“-Zensur, die das Zeigen von Schamhaaren auf der Leinwand untersagte. Man behalf sich mit der sogenannten Solarisation, d.h. dass die entsprechenden Stellen auf dem Film mit groben Pixeln unkenntlich gemacht wurden. Ein Effekt, den die Regisseurin von I.K.U. sogar als künstlerische Herausforderung ansah und ein komplett unsolarisierte Fassung auch für den Auslandsmarkt ablehnte.

In diesem Film wiederum sieht man jedoch deutlich mehr als Schamhaare, wenngleich dem geneigten Zuschauer der frontale Blick in den Unterleib der Darstellerinnen glücklicherweise erspart bleibt, der ja in „echten“ Hardcoreprodukten nicht gerade zur sexuellen Stimulanz beiträgt. Erstaunlicherweise erscheint es so, als wenn jede Sexszene für sich eine eigene Hemmschwelle aufweist. Mal ist der Sex sehr graphisch und detailliert, mal eher zurückhaltend ästhetisch, mal solarisiert (obwohl man in der vorherigen Szene viel mehr zu Gesicht bekam), mal „echt“, mal „gespielt“.

Wer Spass an auf DV gedrehten Cybersexspielereien hat, sollte die 90 min für I.K.U. opfern. Zuschauer mit einem Hang zum Filmischen sollten sich dem Film jedoch nicht aussetzen und sich stattdessen Takahisa Zezes TOKYO X EROTICA geben, der zwar Softcore ist, aber eine gute Story, Montage, Dramaturgie und Erotik aufweist. Und wer sich mehr dem rein sexuellen Genuss widmen möchte, kann sich den Designerporno LATEX von Michael Ninn antun, der ebenfalls das Thema Cybersex behandelt und von der Stimulanzseite her wesentlich effektiver zur Sache geht.

I.K.U. geht im November 2003 Rapid-Eye-Kinotournee durch Deutschland und erscheint gegen Ende des Jahres auf DVD. Vorsicht bei der offenbar erheblich gekürzten und zensierten US-DVD.

Mirco Hölling (01.10.2003)

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