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Von der Anlage her willkommener Genrebastard aus den derzeit in Südkorea in kleinem Rahmen gefragter, oftmals mit Religion und deren Weisung, Irrung und Verwirrung spielenden Mysterythrillern um The Priests, Svaha - The sixth Finger und Metamorphosis, sowie einem lupenreinen Actionfilm noch der Abart Martial Arts. Die zweite Kollaboration zwischen Regisseur Jason Kim und seinem Hauptdarsteller Park Seo-joon nach dem gänzlich anders angelegten, allerdings auch beim Publikum (mit fast 30 Mio. USD wesentlich) erfolgreicheren Midnight Runners (2017), welche als Buddy Picture und Aktionskomödie unterschiedliche Bedürfnisse beim Publikum anspricht und auch Ergebnisse eher der ablenkenden Unterhaltung auslöst.

Der jetzt als MMA-Kämpfer tätige und damit auch international erfolgreiche Boxer Park Yong-hoo [ Park Seo-joon ] hat bei der Geburt seine Mutter und auch als Kind früh seinen Vater, einen Polizisten und im Dienst getöteten Mann verloren. Seitdem nicht mehr an Gott glaubend wendet er sich eines Tages von Schmerzen und blutenden Handwunden geplagt und nach einem Ratschlag seines Fahrers Beom-soo [ Kim Bum-soo ] an dessen Nichte, das Medium Hong-jin [ Jo Eun-hyung ] und anschliessend an den vom Vatikan beauftragten Father Ahn [ Ahn Sung-ki ], der ihn über seine wahre Bestimmung aufklärt. Park, der dem Geistlichen bei einigen dessen durchgeführten Exorzismen behilflich ist, trifft dabei auch auf die Halbweltgröße Ji-sin [ Woo Do-hwan ], welcher sich mit Menschenopfern seine eigene Jugend erhält und auch für den Tod von seinem Vater verantwortlich ist.

Ein Sohn, der selbständiger wirkt als sein Vater, aber es nicht ist, sondern erst noch werden muss. Eine Familie, die ohne Mutter aufgewachsen ist. Und viele Kirchenbesuche, wo Gott aber scheinbar nicht auf die Gebete geachtet hat und sie nicht erfüllt. Mit einer grundlosen Gewalttat startet der Film und aufgrund dessen wird auch die Abkehr von der Religion betrieben, das Nicht mehr Akzeptieren des Glaubens und das Aufgeben des Suchens nach Schutz, Geborgenheit und Hoffnung, worauf man sich stattdessen auf sich selbst verlässt und dadurch auch bald verlassen ist. Eine Vorgeschichte, die zwanzig Jahre zurückliegt und ein Jetzt, das greift und zum Überdenken zwingt.

Halluzinationen, die reale Auswirkungen haben; Stimmen, die zur Rache und zum Töten auffordern; Wundmale an der Hand, die ohne äußere Einflüsse zu Bluten anfangen; und Schattenspiele an der Wand, die erst in den Raum und dann in den Körper und gewaltsam in die Eingeweide eindringen. Regisseur Kim spielt mit dunklen Vorzeichen, düsteren Prophezeiungen, Merkwürdigkeiten spielen Übersinnlichen und Realität und erzählt eine Reise in das Ungewisse, wo die Fragen nicht mehr so einfach und die Antworten anfangs gänzlich am Ausbleiben sind. Die Geschichte ist zwischen der Kirche bzw. einem Vertreter dessen, einem Abgesandten des Vatikans allerdings platziert und der Gangster- oder doch eher Unterwelt, mit einem mondänen Nachtclub und dessen geheimen unterirdischen Kellergangs samt satanischen Schrein und heidnischen Ritualen; drumherum ist die Gesellschaft nicht bloß anonym, sondern nahezu inexistent. Vor allem gibt es keine weiteren Beziehungen oder Korrelationen der drei (männlichen) Hauptpersonen, keinerlei personelle Zugehörigkeiten, ist das jeweilige Leben nur einem Ziel gerichtet und weitergehend ausradiert. Auch die Bewegungen, die Sprech- und Verhaltensweisen sind minimalistisch, eine Reduktion auf das Wesentliche, die wie auch die (blasse) Farbgebung des Filmes und die ruhige Herangehensweise das Geschehen recht unterkühlt.

Daran ändert auch ein Ausbruch der Aktivität im (vergleichsweise) längeren Finale mit dann endlich vermehrt Anleihen beim Aktionkino nichts; wird dort zwar ausgiebiger in Handgreiflichkeiten erst mit den Schergen in den Clinch gegangen und sich dann mit dem übermächtig scheinenden und dann auch monströsen Endgegner in düsteren Katakomben unterhalb des Vergnügungsetablissement und das selbst mit guten Effekten und ebensolcher Choreografie duelliert. Ändert das späte Tempo und die dann körperliche Konfrontation aber nichts an der lange fehlenden Dynamik des Filmes, der eher nach innen gewandert und durch seine Ruhe oder auch Sorgfalt und mancherlei präziseren Akten – Die Besessenheit eines kleinen, im von Nonnen geleiteten Waisenheim von anderen Bewohnern gemobbten und malträtierten Jungen, der sich quasi nur gegen diese Misshandlungen 'wehrt'; wobei die Maßnahmen der Gerufenen gegen ein Kind sowieso eine natürliche Scheu der Erwachsenen auslösen. Oder ein Exorzismus'besuch'zu Hause in den vier Wänden, wo man nicht weiß, wer nun 'komischer' und wer 'normal' ist, die um Heilung rufende Mutter oder deren Tochter; und als Zuschauer da im Ungewissen mitgefangen ist und man mit seiner Vermutung auch falsch liegen kann – , durchaus eine Nachhaltigkeit aufweist und trotz der nach Kickboxer from Hell, Hellbound, Pentagramm - Die Macht des Bösen oder Night Trap - Mardi Gras des Teufels klingenden Prämisse eben auch kein simples B-Picture ist.

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