Review
von Leimbacher-Mario
The Softer They Come
„Queen & Slim“ hatte letztes Jahr einen der coolsten Trailer, den ich seit Jahren gesehen habe, was ihm sogar einen Platz auf meiner Most Wanted-Liste für das gerade angelaufene Jahr eingebracht hat. Zu heiss sind die Darsteller, zu heiss ist die Regisseurin, zu heiss ist das Thema. Und was soll ich sagen... das Ding hat gehalten, was ich mir von ihm versprochen habe! Wir folgen dem titelgebenden afroamerikanischen Pärchen in ihr erstes Date, was jedoch in einem furchtbaren Zwischenfall mit einem toten weißen Polizisten endet. Oder sagen wir besser nicht endet, denn ab diesem Zeitpunkt sind die beiden auf der Flucht und werden zu einer Art Ikonen der schwarzen Bevölkerung und Freiheitsbewegung, lernen sich dabei gegenseitig und auch selbst erst richtig kennen...
Viel mehr als nur „Bonnie und Clyde in schwarz“, viel mehr als nur weiterer Kommentar zu Polizeigewalt, viel mehr als nur eine Liebesgeschichte, viel mehr als nur ein Roadmovie, viel mehr als einseitig geballte Faust, viel mehr als die Summe seine Teile könnte man sagen, sollte man sagen, muss man fast sagen. Grenzenlos stylisch, für mich (gerade gegen Ende) richtig emotional, überragend besetzt, mit einem Killer-Soundtrack voller Jazz, Soul, RnB und Hip-Hop. Kopfnicken unumgänglich, Gänsehaut mehrfach vorprogrammiert. Ein durch und durch schwarzer Film, wütend und stolz und stark - und das völlig zurecht. Fast das komplette Paket. Sinnlich, sexy, stilvoll. Die Musikvideowurzeln von Regisseurin Melina Matsoukas (u.a. „Lemonade“ für Beyonce) sind nicht zu übersehen, jedoch ohne allzu viel an Substanz und Story zu verlieren. Sowohl im großen Ganzen eine Wucht als auch im Intimen sehr eindringlich. Erstaunlich, diese gelungene Kombi. Man weiß zwar, worauf es (wie meist) hinausläuft - getroffen hat es mich aber dennoch wie ein halbes Dutzend Kugeln in den Brustkorb. Daniel Kaluuya ist wie immer eine echte Präsenz, wenn er sich nicht irgendwann größere Anerkennung und einen Goldjungen holt, dann weiß ich es auch nicht. Aber die absolute Entdeckung heißt Jodie Turner-Smith, die jedes Bild an sich reißt, mit Eleganz, Aura und Star Appeal. Beide zusammen - Boom!
Fazit: eine wuchtige Perle des New (New?) Black Cinema. Pony & Kleid. Von Tinder zu Legendenstatus, von Angst zu Freiheit, von Ungerechtigkeit zu Kraft. Eher Lovechiller als Copkilla. Das ist mal lässiges und gleichzeitig enorm kraftvolles Kino. Cool und wichtig. Haut rein mit allem, was es hat.