Regisseur Stuart Gordon begründete seine Karriere auf schwarzhumorigen und blutigen Splatterfilmen. Der auf H. P. Lovecraft – Motiven basierende „Re-Animator“ ist in Szenekreisen längst ein Klassiker und begründete seine vielversprechende Karriere. „Fortress“ war der Versuch des Regisseurs sich an den Mainstream heranzutasten. Aus rein kommerzieller Hinsicht scheiterte Gordon damit allerdings.
Er versuchte sich mit „Fortress“ an einem Science Fiction-Film, der ein beliebtes Szenario der 80’er und frühen 90’er Jahre aufgriff: Gefängisse in einer totalitären Zukunft. Was John Carpenters visionärer „Die Klapperschlange“ begründete, wurde in mehreren Filmen variiert. Mußte sich Snake Plissken durch die Gefängnisinsel New York kämpfen, landete Ray Liotta in „Flucht aus Absolom“ auf einer Insel, auf der sich die gefährlichen Gefangenen wild bewegen durften. Gordon vermischte in „Fortress“ den klassischen Gefängnisfilm (Modell „Lock Up“ inklusive grausamem Gefängisdirektor) mit Elementen aus Science Fiction-Filmen wie „Total Recall“ (Gedankenkontrolle, grausame Implantate, u.s.w.). Dabei stand ihm offensichtlich ein beachtliches Budget und ein Star (Christopher Lambert) zur Verfügung, wie es sich für eine Studioproduktion gehört. Woran Gordon wohl letztlich kommerziell gescheitert ist, muß man ihm wohl eigentlich hoch anrechnen: Aus der Splatterecke kommend, blieb er seinem Stil treu und verzichtete auch in „Fortress“ nicht auf explizite Gore-Szenen. Was für Genrefans nach einer interessanten Mischung klingt, war dem Mainstreampublikum in den frühen 90’er Jahren wohl zuviel.
Handwerklich ist der Film sehr sauber inszeniert. Sowohl die Sci-Fi-Szenen, als auch die Splatterelemente können sich sehen lassen. Wie schon oben geschrieben, bemerkt man das hohe Budget an allen Ecken und Enden, denn auch die großen Sets können überzeugen. Christopher Lambert war zu der Zeit immer noch ein recht angesagter Star, der in „Fortress“ eine überzeugende Leistung abgibt. Er verkörpert glaubwürdig den Gefangenen Brennick, der sich in der totalitären Zukunft dadurch strafbar gemacht hat, ein zweites Kind zu zeugen. Sowohl die dramatischen Momente, als auch die physischen Actionszenen meistert der Franzose überzeugend. Auch die andere Besetzung weiß zu überzeugen: Loryn Locklin spielt die Frau von Brennick, die im selben Gefängnis sitzt, wie er selbst. Kurtwood Smith spielt einen androiden Gefängnisdirektor, der mit einer Mischung aus Neugier und Sadismus die Gefangenen quält. Beide agieren ebenfalls glaubwürdig. Aus der übrigen Besetzung ist unbedingt Jeffrey Combs hervorzuheben, der in vielen Filmen von Stuart Gordon und Brian Yuzna mindestens eine Nebenrolle einnahm, und somit fast so eine Art Makottchen der beiden ist. Kein Wunder also, dass der „Re-Animator“-Darsteller in Horrorkreisen eine Ikone darstellt. Insofern überraschte es auch kaum, dass z.B. Peter Jackson ihn in seiner Horror-Komödie „The Frighteners“ für eine Nebenrolle castete.
Trotz interessanter Story, guten Darstellern, aufwändiger Machart und netten Splattereffekten, ist „Fortress“ heutzutage nur in Genrekreisen bekannt. Wer die in dieser Review genannten düsteren Science Fiction-Filme mag, der sollte aber auf jeden Fall auch mal ein Auge auf „Fortress“ werfen, der ungefähr parallel zu „Flucht aus Absolom“ erschien und im direkten Vergleich punkten kann, da er wesentlich rasanter und spektakulärer inszeniert ist. Wäre „Fortress“ ein Erfolg gewesen, hätte Stuart Gordon wohl eine Sam Raimi- oder Peter Jackson-Karriere hingelegt, doch das alte „Was wäre wenn“-Spielchen ist gerade im Filmgeschäft müßig...
Fazit:
8/10