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Richard Brake ist einer jener Darsteller, die selten bis gar nicht zum Casting für die Rolle des feingeistigen Liebhabers vorsprechen. Stattdessen durfte er schon zahlreiche Male Killer, Sadisten oder zumindest Gesetzlose verkörpern, was auch im Fall des zweiten Films von Regisseur Giles Alderson der Fall ist. Und als Bösewicht vom Dienst bereichert Brake nahezu jeden düsteren Stoff.

Familienvater Jay wird von einem Unbekannten niedergeschlagen und findet sich mit drei weiteren unbekannten Personen angekettet in einem abgeschlossenen Raum wieder. Ein fremder Maskierter zwingt die Gefangenen, sich gegenseitig zu foltern. Jay sucht fieberhaft nach einem Weg, den Peiniger zu überlisten…

Alderson tritt unverblümt in die Fußstapfen hinlänglich bekannter Folterpornos. Mithilfe eines weiteren Handlungsstranges verlässt er bisweilen den kargen Raum und schildert, wie der junge Dominic an den Schweineschlachter Credence (Brake) geriert, später gibt es weitere, erklärende Rückblenden, die das zeitlose Thema des Mobbings behandeln, wodurch zumindest einiges an Background geliefert wird.

Leider gibt es keinen wirklichen Sympathieträger. Jay wirkt im Zusammenspiel mit seinen Töchtern zunächst sympathisch, verspielt diesen Bonus jedoch rasch als Gefangener mit impulsiven Reaktionen, der als Veganer folgerichtig auf den Verzehr rohen Fleisches verzichtet, wodurch er von den beiden anderen, die beide eher resignierend handeln, spöttisch als Kapitän Tofu abgestempelt wird. Eine Handvoll zynischer Spitzen hält der Stoff durchaus parat.

Auf der anderen Seite ist der Junge Dominic zu eingeschüchtert und ängstlich, um sich gegen seinen Ersatzvater zur Wehr zu setzen, der ein paar miese Tricks parat hält, um den Jungen gefügig zu machen. Dann gibt es noch den Entführer, der wortlos gestikuliert und welcher mit einer Art zweiter Gesichtshaut als Maske den Ton angibt. Jenen der Folter und ekeligen Einlagen. Da landen Nägel in Handflächen, Maden im Auge, Würmer im Gesicht und eine Kakerlake mit Rasierklinge im Rachen, während einer der vier Gefangenen bereits mächtig mitgenommen ist und Teile der Rippen durchschimmern. Die Effekte sind auf einem hohen Level angesiedelt und nahezu komplett frei von CGI, wodurch alles andere als eine FSK18 bedenklich wäre.

Durch die Flashbacks wird zwar stets ein wenig von der unberechenbaren Situation herausgenommen, doch die anderen Handlungsstränge fallen ebenfalls recht nihilistisch aus, wozu der gelungene Score und die schlichte, jedoch effektive Ausstattung zusätzlich beitragen. Auch die Mimen performen recht ordentlich, wobei Brake mit seinem sadistischen Spiel immer kurz vorm Overacting steht, jedoch die überzeugendste Präsenz mitbringt.

Das insgesamt kompetente Handwerk und das gelungene Timing bei einigen Szenenwechseln lassen „The Dare“ als einen der besseren Vertreter des Torture Porn dastehen, obgleich das Subgenre bereits seit einigen Jahren überholt schien. Wer mit einigen Härten, Blut und Elend umgehen kann, wird hier zumindest passabel bedient.
6,5 von 10

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