Review

Es dürfte wohl kaum einen Autoren in der Welt des Horrors geben, dessen Werke häufiger verfilmt wurden als die von Stephen King. Manche erfuhren bereits ein Remake und nur wenige Vorlagen wurden noch nicht verfilmt. Dass manche eher als Stoff für einen Kurzfilm taugen, offenbart „Im hohen Gras“ besonders deutlich im Mittelteil.

Die schwangere Becky (Laysla De Oliveira) und ihr Bruder Cal (Avery Whitted) sind auf der Landstraße unterwegs, als sie die Hilferufe eines Jungen wahrnehmen, der sich offenbar in einem weitläufigen, hohen Feld verirrt hat. Während ihrer Suche im Feld müssen sie rasch feststellen, dass hier die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt scheinen…

Regisseur Vincenzo Natali illustriert mit den ersten Bildern, wer der dominante Hauptakteur ist: Ein heimtückisches Feld mit zwei, drei Meter hohen sattgrünem Gras, in dessen Zentrum irgendwann ein schwarzer Stein auftaucht, mit dem es offenbar eine besondere Bewandtnis hat. Hinsichtlich des Schauplatzes fühlt man sich zunächst an „Kinder des Zorns“ erinnert, auch „Shining“ spielt ein wenig mit, später weisen manche Begebenheiten Parallelen zu „Cube“ auf, dem Spielfilmdebüt von Natali.

Die knappe erste Stunde hat es durchaus in sich, da die simple Prämisse auf audio-visueller Ebene stark umgesetzt ist und die Hilflosigkeit der insgesamt sechs Figuren dadurch transparent wird. Die versierte Kamera arbeitet mit einigen Vogelperspektiven und Nahaufnahmen, diversen Egosichtweisen und behutsamen Schwenks über das Areal, dessen Größe zu keiner Zeit fassbar wird. Dazwischen finden sich hübsch komponierte Ideen wie ein Spiegelbild in einem Tautropfen oder Regen in Zeitlupe, welcher mithilfe eines leichten Farbfilters leicht surreal anmutet.

Trotz kurzer zwischenmenschlicher Einschübe bleiben die Charakterzeichnungen allerdings etwas zu vage, während die Zeitschleifenereignisse irgendwann ein wenig beliebig anmuten, wodurch Längen im Mittelteil entstehen. Demgegenüber weicht der Stoff im letzten Drittel deutlich von der literarischen Vorlage ab, was sich noch nicht einmal negativ auf den Gesamteindruck auswirkt. Entsprechend bleiben einige Fragen offen, doch der Ausgang stimmt weitgehend versöhnlich.

Ein grüner Irrgarten mit vermeintlichem Eigenleben, - das funktioniert zunächst ganz gut, zumal mysteriöse Begebenheiten ein kleines Rätselraten auslösen. Doch mit der Zeit drehen sich die Figuren sprichwörtlich im Kreis und die anfängliche Sogwirkung lässt leider nach.
Dennoch eine taugliche King-Adaption, die mit ordentlichen Mimen, allen voran Patrick Wilson und einer zum Teil recht stilvollen Optik überzeugen kann, welche zumindest phasenweise effektiv in Beschlag nimmt.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme