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Ein jüngeres Geschwisterpaar, unterwegs auf einer sommerlichen Landstraße in den Staaten, legt eine kurze Pause an einer verfallenen Kirche ein, als sie aus einem nahe gelegenen Feld Hilferufe eines kleinen Jungen hören. Eigentlich haben die schwangere Becky (Laysla De Oliveira) und ihr Bruder Cal (Avery Whitted) noch etwas vor, dennoch begeben sie sich in die undurchsichtige Plantage aus etwa zweieinhalb Meter hohen Pflanzen und versuchen, richtungsmäßig der Stimme nahezukommen. Schon nach kurzer Zeit haben sie sich im grünen Labyrinth total verlaufen, finden zwar den Buben (der seltsame Dinge von sich gibt) aber keinen Ausweg mehr. Neben dessen Eltern taucht plötzlich wie aus dem Nichts auch Travis, der Vater von Beckys ungeborenem Kind auf und behauptet, die Geschwister zu suchen, da sie schon seit 2 Monaten fort seien. Langsam dämmert es allen Beteiligten, daß sie in eine Art Zeitschleife geraten sein müssen, und während man diverse Pfade durch das grüne Dickicht einschlägt, scheint nur der Vater des kleinen Buben eine Idee zu haben, wie man aus dem Feld wieder herauskommt. Leider hat dieser Immobilienmakler Ross Humboldt (Patrick Wilson) jedoch einen schweren Dachschaden, behauptet er doch permanent, ein größerer Felsbrocken auf einer kleinen Lichtung im Feld würde ihnen allen Erleuchtung schenken...

Auch wenn man die literarische Vorlage nicht kennt (und auch nicht kennen muß) ist es gut zu wissen, daß In the Tall Grass auf einer Kurzgeschichte von Stephen King basiert. Dementsprechend baut Regisseur Vincenzo Natali (Cube) in den ersten 20 Minuten des Films auch eine durchaus gruselige Mystery-Atmosphäre auf, versäumt jedoch, seinen Protagonisten auch nur die Spur interessanter oder gar sympathischer Charaktäre beizugeben. Als dann klar wird, daß alle Beteiligten in einem Labyrinth gefangen sind, tritt die Story endgültig auf der Stelle: Nichts geht mehr weiter. Während die jungen Leute noch einigermaßen bei Trost nach einem Ausweg suchen und verschiedene Richtungen einschlagen, verzapft die Familie des kleinen Tobin nur unzusammenhängendes Zeug und vor allem Papa Ross legt einige unbegründete Gewalteinlagen an den Tag. Da die schnell zu durchschauende Zeitschleifen-Situation jedoch Tote wieder lebendig macht (sowohl Familienhunde wie auch Menschen) ist das ebenfalls kein besonders spannungsförderndes Element: Vermutlich kommt der/die Erdrosselte ein paar Filmminuten später eh wieder quicklebendig um die Ecke.

Während sich Kameraarbeit und post production für diverse Farbspielereien und Panorama-Aufnahmen des endlos raschelnden Pflanzenmeeres sogar ein Lob verdienen, hakt es drehbuchtechnisch bei den simpelsten Dingen: Zum einen erstreckt sich das Herumirren über mehrere Tage, in denen die Akteure offenbar weder Hunger noch Durst noch sonst irgendwelche menschlichen Bedürfnisse verspüren, zum anderen wird die allereinfachste Methode, sich einen Überblick im Labyrinth zu verschaffen, konsequent mißachtet - der große Felsblock, den man mit einer "Räuberleiter" leicht erklimmen könnte, bleibt ein Tabu für alle Beteiligten. Zwar fordert Ross geradezu flehend dazu auf, denselben zu berühren, aber offenbar ist die Angst davor so groß, daß man lieber tagelang kilometerweit sinnlos durchs Feld marschiert. Da auch sonst nicht viel passiert (man erfährt gerade mal, daß Bruder Cal seinem Schwager in spe nicht gerade wohlgesonnen ist) zieht sich In the Tall Grass spätestens ab Filmmitte zäh wie ein Kaugummi in die Länge. Am Ende gibts dann auch keine Auflösung und vieles bleibt rätselhaft (was als Stephen King-typisch wohl einigermaßen erwartbar war), dennoch hätte man über den Felsblock und seinen Wirkungsmechanismus doch gerne etwas mehr erfahren. Ein maues Happy-End ohne filmdramaturgischen Höhepunkt erlöst dann den Zuschauer. 3,51 Punkte.

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