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Jim Henson bewies mit diesem kleinen Meisterwerk, dass Anspruch, Intelligenz und künstlerischer Wert auch im Kinderfilm zu finden sein kann. Zu oft werden Kinderfilme durch zu viele Zugeständnisse an ein älteres Publikum angepasst und verwässert. Disney etwa versucht seit je her seine (Trick)Filme so weit es irgend möglich ist für die ganze Familie zu gestallten, mit niedlichen sprechenden Tieren für die Kinder und ironische, auf die Popkultur anspielende Dialoge für die Eltern. Ein gutes Beispiel hierfür ist etwa Disneys "Aladdin". Der "reine" Kinderfilm oder sollte ich besser sagen, der Film, der für ein kindliches Publikum gemacht ist und es dementsprechend ernst nimmt, hat kaum Chancen auf großen finanziellen Erfolg. Oft sind die Themen entweder zu schlicht und albern um bei einem älteren Puplikum Anklang zu finden, oder zu düster oder gar beängstigent um sie in einen Film für Kinder zu packen. Wobei es natürlich höchst ironisch ist, dass ausgerechnet die Themen mit denen sich Kinder oder vor allem Teenager beschäftigen als nicht kindgerecht erachtet werden. Also setzt man dem geneigten Kunden Slapstick und eine gehörige Portion Kitsch vor und verkauft es als Kinderfilm. Nicht zu vergessen, die typischen wie unendlich naiven Botschaften, die von familiären Werten, dem Glaube an sich selbst und von wahren Freunden handeln. Dem Kitsch aus Hollywood entgegen setzt sich wiederum der meist europäische, anspruchsvolle Kinderfilm. Hier vergisst man allerdings recht häufig auf die Dramaturgie um den oft schweren Stoff, tempo- und abwechslungsreich zu erzählen. Und so kommt es recht häufig vor, dass aus dem kindgerechten Stoff ein zäher, schwerfälliger und nicht zu letzt langweiliger Brocken wird mit dem selbst eingefleischte Arthousefans zu kämpfen hätten.

Zugegeben, Jim Henson und Frank Oz haben mit "Der dunkle Kristall" keinen Film geschaffen der sich direkt mit den Nöten und Fragen von Kindern auseinandersetzt, aber, und das ist eine Seltenheit, sie nehmen ihr Publikum ernst und fordern es. Es mag sein, dass das ein oder andere Kind von den vor Metaphern und Symbolik nur so strotzenden Bildern ein wenig überfordert sein wird, aber alleine die prachtvollen und kreativen Kulissen lassen dass vergessen. Und schlussendlich muss man ja auch nicht jede Intention eines Regisseurs verstehen oder durchschauen um unterhalten zu werden.
 
"Der dunkle Kristall" handelt von den machtgierigen Skeksen und den naturverbundenen und friedfertigen Mystics. Die Skekse beherrschen das Land mithilfe des namensgebenden Kristall, sie tyrannisieren und beuten mit seiner Hilfe das gesamte Land aus. Doch der Kristall wurde einst beschädigt und es wurde prophezeit, dass ein Gelfing ein verloren geglaubtes Stück des Kristalls wieder zurückbringen und damit die Vernichtung der Skekse einleiten wird. So haben die Skekse nichts unversucht gelassen, die gesammte Rasse der Gelfings auszurotten um dadurch die Prophezeiung abzuwenden. Doch ein Gelfing wurde noch als Kind an die Mystics übergeben und lebt seit dem bei ihnen. Jen, so heißt er, wird einige Jahre später dann auch beauftragt um die Prophezeiung wahr zu machen und damit beginnt seine lange Reise zum Schloss der Skekse.

Man sieht schon, die Handlung erinnert frappierend an "Der Herr der Ringe". Die Gelfings erinnern in ihrer unscheinbaren und vermeintlich wehrlosen Erscheinung stark an die Hobbits bei Tolkien. Ebenso sind die Natur liebenden und spirituellen Mystics auf die Elben und die Skekse natürlich auf die Orks ummünzbar. Die Figuren sind alle mehr oder weniger dem Tolkien-Universum entliehen. Auch erinnert die Handlung sehr stark an das Epos von Tolkien, doch wäre es nicht richtig, hier von einem Plagiat zu sprechen. Zu unterschiedlich sind die Herangehensweisen, während Tolkien im Laufe seiner Geschichte den Fokus immer mehr auf die Menschen und ihre martialischen Schlachten richtet, bleibt Henson und Oz voll und ganz im Reich der Fantasiewesen, bietet keinen Platz für Menschen oder menschähnliche Figuren und erzählt die Geschichte mit einer geradezu meditativen Ruhe.

Nachdem der Film 1982 herauskam und recht erfolgreich lief, kam auch immer wieder Kritik auf die auf die recht gruseligen und ja, ein wenig verstörend wirkenden Skekse und ihrem bösen Schaffen anspielte. Diese an große und aufrecht gehende Geier erinnernden Gestallten, mögen auch für den ein oder anderen Alptraum gesorgt haben, aber durch die z.B. ungleich düstereren Harry Potter Filme scheint sich das heute auch ein wenig relativiert zu haben. Dennoch sollte man nicht dem Irrglauben erliegen "The Dark Crystal" sei ein harmloser Spaß für alle Altersklassen. Schon alleine durch die sehr abstrakt und ungewöhlich vorgetragenen Erzählung und einiger morbiden Einfälle könnte das ein oder andere Kind durchaus emotional überfordern werden.
 
"The Dark Crystal" ist eine Huldigung an die Fantasiewelt und doch, bei aller Phantasterei ist er gespickt mit Anspielungen auf reale Begebenheiten. Unverkennbar etwa die Skekse, mit all ihrer Gier, ihrem Neid und ihrem pervertiertem "Schönheitswahn" machen sich Henson und Oz über die nur zu menschlichen Wesensarten lustig. Ihr Gegenpart, die Mystics erinnern in ihrer Besinnlichkeit und ihrer phlegmatischen Mentalität sehr stark an die asketischen und spirituellen Lehren des Buddhismus und anderer Religionen. Auch für den Humor bleibt hier noch genug Platz, so lernt Jen im Laufe der Geschichte die chaotische und etwas verwahrlost aussehende Aughra kennen, die ihm als Orakel mit Rat zur Seite stehen soll. Mit beschwingten Dialogen und manch absurder Situation wird die doch manchmal ein wenig zu gemächlich vorgetragenen Erzählung aufgepeppt .Natürlich sorgen vor allem auch die unglaublich kreativ gestalteten Puppen immer wieder zumindest für ein schmunzeln. Es ist eine wahre Freude in diese wunderschön errichteten Zauberwälder und dunklen Höhlen entführt zu werden, die voll von eigenartigen Wesen bevölkert sind. Teilweise kann man sich gar nicht entscheiden wo man hinsehen soll, überall scheint etwas zu kriechen und durch das Bild zu huschen. Diese Detailverliebtheit ist ein sehr großer Pluspunkt des Filmes.

Eine Fülle an Kreativität, wunderbar exzentrische Figuren als auch Einfälle sowie eine intelligente und poetisch vorgetragenen Geschichte. All dass steckt in der "Der dunkle Kristall" und bietet damit eine spannende und niveauvolle Unterhaltung die noch lange nach der Kindheit zu begeistern weiß.

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