Review

In Zeiten, in denen sich Autos in Roboter verwandeln und "epische" Schlachten austragen oder irgendwelche hässlichen blauen Aliens aus dem angeblich besten und erfolgreichsten Film aller Zeiten (lächerlich!) mich auch nach Monaten noch immer im Kino belästigen, sehne ich mich nach Filmen wie diesem.

Filme, die Herz und Seele haben, in denen es um Kleinigkeiten geht (okay, im vorliegenden Werk geht es tatsächlich ebenfalls um die Zerstörung der Welt, bzw. um die Schreckensherrschaft einer absolut bösen Spezies... dennoch wirkt es hier bei Weitem nicht so protzig oder lächerlich überzogen), ruhige und sanft erzählte Filme.

Der Dunkle Kristall ist meiner Ansicht nach einer der besten Fantasyfilme, die je gedreht wurden. Herr der Ringe, Narnia, Harry Potter und das ganze Gedöhns stinken widerstandslos ab gegen dieses kleine Meisterwerk.

Und dafür gibt es einen guten und vollkommen simplen Grund: Die Puppen.

Fantasy - Fantasie.. das ist Vorstellungskraft, Gedankenspielerei, Detailverliebtheit und auch immer etwas Magie. Das ist meiner Meinung nach etwas, wo Computer und daraus entandene Effekte absolut gar nichts verloren haben. Nichts zerstört Fantasy/ie mehr, als irgendein herzloses CGI-Vieh, auf dessen Körper man zwar 87 Millionen fotorealistische, einzelne Fellhaare erkennt, das aber so unpassend in den Film integriert wirkt, wie Backsteine in einer Kartoffelsuppe.

In diesem Film wird jeder Charakter durch Puppen oder aufwändige Kostüme dargestellt. Das sind in mühseliger Arbeit entstandene individuelle kleine Körper, die da agieren. Das ist es, was ich Fantasy nenne: Ideen und Vorstellungen, die durch sorgfältige handwerkliche Arbeit zum Leben erweckt wurden - Das ist es, was ich Film nenne!

Die Einheit, die die Welt und die Figuren bilden, ist es, welche einen nach wenigen Augenblicken vergessen lässt, dass es sich  hier bloß um Kulisse und Puppen handelt. Alles wirkt wie aus einem Guss und wird dementsprechend kritiklos akzeptiert und als selbstverständlich hingenommen. Selbst mit den vergleichsweise beschränkten Möglichkeiten, was Mimik und Gestik angeht, schaffen es die Puppenspieler, den Figuren derart viel Leben einzuhauchen, dass sich fast ausnahmslos jeder "Trick"filmmacher von heute noch eine dicke Scheibe davon abschneiden kann (/sollte!). Hier hat man fast das Gefühl, es handle sich um echte Lebewesen, die da auf dem Bildschirm zu sehen sind. Lebewesen, die es schaffen, Emotionen zu wecken.

Die Geschichte ist im Grunde sicher nichts Neues, wird jedoch durch die sehr individuellen Charaktere zu etwas ganz besonderem. Die Verspieltheit und Kreativität, die wirklich hinter jeder Ecke lauern, nehmen den Zuschauer selbst mit auf die Reise von Jen und Kira. Und dank unzähliger Details ist dies eine Reise, die einfach immer wieder Spaß macht.

Ein Film, der mich heute noch genau so fasziniert, wie vor 15 Jahren, als ich noch klein war.

Mit dem Unterschied, dass ich es heute noch um einiges mehr zu schätzen und zu würdigen weiß, was die brilliante Crew rund um Jim Henson und Frank Oz damals in langjähriger und aufwendiger Arbeit auf die Beine gestellt hat.

Im Studio, vor echten Kameras.. und nicht vor dem Rechner.

10/10

- H.

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