Der deutsche Titel Lügen haben kurze Röcke ist wieder einmal mehr als schlecht gewählt. So könnte man denn glauben, dass es die ganze Zeit nur um kaltherzige Frauen geht, die ihre Spielchen mit dem anderen Geschlecht treiben. Das ist zwar hie und da mal der Fall, aber sicher nicht das Hauptthema dieser französischen Komödie.
Eddie Vuibert (Richard Anconina) ist völlig am Ende. Bei seinem Streifzug durch Paris, auf der Suche nach Arbeit und Geld, fällt er glücklicherweise bald dem erfolgreichen Stoffhändler Victor Benzakem (Richard Bohrringer) in die Hände, der ihn irrtümlich für einen jüdischen Mitbruder hält und ihm einen Job in seinem Unternehmen anbietet. Eddie nimmt den Job an und spielt fortan den Juden. Langsam wächst er in die jüdische Gemeinschaft hinein und entwickelt einen überaus scharfsinnigen Geschäftssinn im Handeln mit Tüchern. Um das Herz von Cheftochter Sandra (Amira Casar) zu gewinnen, eröffnet er bald schon sein eigenes Stoffunternehmen, das in Kürze eine echte Konkurrenz für Victor Benzakems eigenen Laden darstellt. Nur bei den Vorbereitungen zur Hochzeit von Eddie und Sandra hapert es dann doch, als er den Rabbi mit "Hochwürden" anspricht und Sandra schnell das Weite sucht.
Regisseur Thomas Gilou, mit einem Sinn für Situationskomik und sehr Dialog-lastigen Szenen, präsentiert mit Lügen haben kurze Röcke eine in Frankreich überaus erfolgreiche Komödie (wohl nicht nur wegen der mitwirkenden Prominenz Richard Anconina, Richard Bohrringer oder Anthony Delon), in der die Traditionen und Tugenden der Juden in Paris mit einem Augenzwinkern in Szene gesetzt sind und sie dabei weitaus unkonventioneller darstellt als das in vielen anderen Filmen der Fall ist. Die Juden als eingeschworene Gemeinschaft mit ihrem besonderen Sinn fürs Geschäft sind in Lügen haben kurze Röcke neben ihrem Interesse am Reichtum auch noch die listigsten Schürzenjäger—zumindest die jungen, nicht auf den Kopf gefallenen Typen, die Eddie als seine Freunde um sich hat. Sie nutzen sich zudem schon mal gegenseitig aus und wissen die anderen ständig aufzuziehen. Selbst mit der Verlobten eines anderen wird sich da mal in der Kabine einer öffentlichen Toilette vergnügt—ausgerechnet dann, wenn sich auch noch die anderen Freunde genau vor jenem Kabäuzchen wegen einer anderen Sache prügeln. Aber im Grunde halten die Freunde, so unterschiedlich sie auch sind, doch immer zusammen. Die Romantik einer Männerfreundschaft eben.
Die Umwege und kleinen Katastrophen, die Eddie durchleiden muss, bevor er sein eigenes Geschäft eröffnen kann, sind witzig in Szene gesetzt, was man beim Thema "Textilien" kaum glauben mag—etwa wenn die angeheuerten Chinesen keine Reißverschlüsse in die bestellten Jacken nähen und diese Jacken später trotzdem noch gestohlen werden.
Dabei schafft es der Film leider nie so ganz, den Handlungsstrang der Geschäftemacherei mit der zarten Liebesgeschichte um Eddie und Sandra zu verknüpfen. Beides läuft quasi parallel und kann sich gegenseitig kaum stützen. Gerade auch den Szenen mit Sandra fehlt es an Pep, während es rund ums Textilgeschäft immer recht flott und frisch bleibt. Als der Film gegen Ende auf die Hochzeit von Eddie und Sandra zuläuft, wirkt das Ganze eher wie schnell zusammengeschustert, als wären einem die Ideen ausgegangen. Trotzdem musste man irgendwie noch den für einen Schluss typischen Konflikt zeigen, bevor es zum Happy End vor dem Eiffelturm kommen kann.
Lügen haben kurze Röcke ist eine sympathische kleine Komödie, die leider ein paar Mankos aufweist, insgesamt aber frech in Szene gesetzt ist und die meiste Zeit zu unterhalten weiß.