Mitte der Achtziger wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, Webbers Erfolgsmusical „Cats“ als Realfilm umzusetzen, - ohne Computereffekte, dafür mit bunten Kostümen. Nun ist es durch Regisseur Tom Hooper genau umgekehrt gelaufen: Keine Kostüme, stattdessen werden die Darsteller per CGI zu Katzenhybriden gemorpht. Eine völlig neue Dimension vom Catsuit.
Einmal im Jahr feiern die Katzen Londons Jellicles, bei der die Oberste (Judi Dench) der Auserwählten ein neues Katzenleben schenkt. Wäre da nicht der Bösewicht Macavity (Idris Elba), der die Anwärter nach und nach entführt…
Bereits einige Zeit vor der Premiere gab es einen Sturm der Entrüstung gegenüber den Katzenmenschen, die bei Kindern wahlweise Heulkrämpfe oder Alpträume auslösen könnten.
Geschlechtsspezifische Rundungen hat man gelassen, Schwänze werden natürlich an anderer Stelle bewegt und zuweilen sieht man auch menschliche Hände inklusive Ehering. Green Screen schimmert in nahezu jeder Einstellung durch, zumal die Größenverhältnisse in sehr vielen Szenen rein gar nicht stimmen, etwa, als Kakerlaken marschieren oder eine Katzengruppe über eine Brücke tanzt.
Handlungstechnisch ist das eh recht dünn, bzw. nur schwer zu durchschauen. Der Reigen gleicht einer Nummernrevue mit vielen Gesangseinlagen und fast genauso viel Tanz, wobei jene Einlagen meist ordentlich choreographiert sind. Die Starbesetzung um James Corden, Ray Winstone, Ian McKellen und Taylor Swift hätte sich wohl kaum träumen lassen, mal so verhunzt oder verkatzt auszusehen.
Die Kulissen reißen derweil auch nicht viel, da sie viel zu geleckt anmuten. Ob Wohnung, Mülldeponie, Schiff oder Lagerhalle, - viel scheint aus dem Rechner zu stammen, was zuweilen schwebende Füße erklärt, die eigentlich den Boden berühren sollten.
Musikalisch ist das eher durchwachsen, obgleich „Memory“ zweifelsohne den emotionalen Höhepunkt darstellt. Leider intoniert Jennifer Hudson die Nummer zum Finale zu theatralisch und vernachlässigt die Power bei der Steigerung. Auch Dench ist nicht die sicherste Sängerin im Reigen, wogegen die professionelle Balletttänzerin Francesca Hayward als Veronica auf allen Ebenen überzeugen kann.
Natürlich floppte der Streifen an den Kinokassen ganz gewaltig und ohne Vorkehrungen dürften sich nach einer Viertelstunde mindestens Kopfschmerzen und Augenzucken einstellen.
Ist diese Phase überwunden, kann man sich Musik anhören und befremdlich anmutenden Mischwesen dabei zusehen, wie sie sich galant durch merkwürdige Schauplätze bewegen.
Sonderlich spannend gestaltet sich das nicht, mit etwas Glück kann man den Katzenjammer jedoch überstehen.
Knapp
4 von 10