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Für einen Kinderlosen ist es zuweilen geradezu befremdlich, wenn man Gespräche unter Müttern aufschnappt, die sich scheinbar ausschließlich über ihren Nachwuchs definieren. Wie schön der Elias-Nepomuk doch schon laufen kann mit seinen sechs Jahren oder wie die Anna-Lena-Luna mit neun bereits beidhändig essen kann. Insofern ist „Wir Eltern“ nicht ausschließlich an selbige gerichtet, auch „Außenstehende“ dürften ein Stück weit Phasen ihrer Pubertät wieder finden.

Veronika und Michael leben mit ihren drei Söhnen in Zürich und sind mit der Erziehung deutlich überfordert, da die beiden fast 20jährigen Zwillinge Anton und Romeo zu spätpubertärem Verhalten neigen und schlichtweg nicht ausziehen wollen. Diverse Maßnahmen fruchten nicht und so schmieden die Eltern einen außergewöhnlichen Plan…

Die kleine Produktion folgt einem ungewöhnlichen Konzept, denn die Autoren und Regisseure Eric Bergkraut und Ruth Schweikert greifen auf teils autobiografisches Material zurück, während Bergkraut mit seinen eigenen Söhnen in der eigenen Wohnung drehte, was dem Ganzen einen möglichst authentischen Anstrich verleihen soll. Das funktioniert in Anbetracht der schauspielerischen Laien allerdings nur sehr bedingt, zumal einiges improvisiert wird und manchen Szenen ein etwas merkwürdiges Timing zugrunde liegt.

Im Zentrum steht die Familie als Überforderung. Nicht nur die desinteressierten und faulen Zwillinge machen dem Paar zu schaffen, auch das Liebesleben leidet unter dem ständigen Druck zwischen Beruf, Erziehung und der verzweifelten Suche nach Freiräumen oder gar einer Auszeit. In den besten Momenten erinnern die Gespräche zwischen Veronika und Michael an Werke von Loriot, nur nicht ganz so spitzfindig.

Eine halb-dokumentarische Note wird durch Intermezzos mit Experten geschaffen, die irgendwo in der Wohnung sitzend durchaus fundierte Kenntnisse in Sachen Erziehung, Abkapselung vom Elternhaus aber auch Sex in einer langjährigen Partnerschaft vermitteln. So sind laut einer Studie Paare am glücklichsten, solange sie noch nicht Eltern sind und am unzufriedensten, wenn die Kids in der Pubertät sind, was absolut nachvollziehbar ist.
Allerdings stellt man sich im Verlauf doch die Frage, worauf die Angelegenheit hinaus laufen soll und ob letztlich überhaupt eine Message im Raum steht.

Denn für eine reine Komödie sind die Situationen nicht sonderlich überspitzt oder gar grotesk, für ein tiefer gehendes Familiendrama fallen vor allem die Figurenzeichnungen der jungen Personen zu eindimensional aus, bis auf eine versöhnliche Szene gegen Ende.
Zuweilen bereitet das Treiben ein wenig Freude, manchmal kommt es zu halbwegs gelungener Situationskomik, wenn mal wieder der Hausverwalter vor oder bereits in der Tür steht, doch unterm Strich bleibt das alles zu harmlos und unpointiert.
5 von 10

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