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Frisch verwitwet muß Sarah (Sarah Bolger) ihre beiden Kleinkinder fortan alleine ernähren - für die mit dieser Situation überforderte Mittzwanzigerin eine mühsame Aufgabe, zumal sie außer ihrer strengen Mutter niemanden hat, der ihr dabei helfen könnte. Zwischen desinteressierten Sozialbetreuern, ständiger Geldnot und lüsternen Blicken eines Supermarkt-Angestellten meistert sie ihr trostloses Leben mehr schlecht als recht, als sich eines Abends ein weiteres Problem ergibt: Der Kleindealer Tito (Andrew Simpson) hat gerade mittels einer waghalsigen Aktion zwei finsteren Männern einige Tütchen Stoff abgenommen und sucht nun in aller Eile ein Versteck, wofür er ausgerechnet das Haus von Sarah und ihren beiden Kindern auswählt. Die überrumpelte Mutter wehrt sich vergeblich gegen den ungebetenen Eindringling, der allerdings bald wieder verschwindet und erst am nächsten Tag wiederkehrt. Die dagegen machtlose Sarah will selbst den kleinen Anteil am verkauften Stoff, den ihr der Dealer bereitwillig anbietet, nicht annehmen (obwohl sie jeden Penny dringend brauchen könnte) und versucht ihn weiterhin loszuwerden - ein sinnloses Unterfangen. Als Tito, der sich in der fremden Wohnung umgesehen hat, sie auf ihren verstorbenen Mann anspricht, beginnt Sarah Zusammenhänge zwischen dessen ungeklärter Ermordung und dem Drogenmilieu herzustellen. In dieser Situation äußerster Bedrängnis beschließt sie, die Dinge endlich selbst in die Hand zu nehmen...

Mit seinem eher als Sozialdrama angelegten Beitrag A Good Woman Is Hard to Find in einer namenlosen nordirischen Kleinstadt präsentiert Regisseur Abner Pastoll eine starke Frauenrolle, in der Hauptdarstellerin Sarah Bolger von Anfang an als Sympathieträgerin konzipiert ist: eine vom Schicksal gebeutelte junge Mutter, die mit dem (ungeklärten) Verlust des Ehemannes nicht fertig wird, wird von der Irin (Emelie, The Lazarus Effect) auch durchweg überzeugend gespielt, doch die 180-Grad-Kehrtwende, die das Drehbuch dann ab einem bestimmten Zeitpunkt für sie vorsieht, fällt streckenweise derart unglaubwürdig aus, daß auch Bolger trotz sichtlichem Bemühen nichts mehr daran ändern kann: Der wenig durchdachte Plot endet in einem künstlich dramatisierten, jederzeit vorhersehbaren Finale und besiegelt damit eine im Prinzip interessante Grundidee, deren Ausführung jedoch von Beginn an unter viel zu vielen Logiklöchern litt, um ein tatsächliches Mitfiebern auszulösen.

Zu den wenigen Pluspunkten des Streifens zählt die skurrile (und für die Story tatsächlich noch bedeutsame) Idee mit dem Vibrator oder auch ein durchaus keatives Waffenversteck - doch dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Figur der Sarah ziemlich unglaubwürdig angelegt ist: kein Verehrer buhlt um die Gunst der hübschen Frau, es gibt keine beste Freundin, ja nicht einmal eine Arbeitskollegin oder sonst irgendwelche sozialen Kontakte scheinen zu bestehen; daß sie von den Geschäften ihres Mannes, der - wie man später erfährt - ebenfalls gedealt hat, während ihrer mehrjährigen Ehe nichts mitbekommen hat (im Gegensatz zu ihrer Mutter), wirkt genauso unglaubwürdig wie der betont manieristisch auftretende Gangsterboss ("Nenne mir eine Metapher") oder die einfach ins Haus spazierenden Streifenpolizisten, von denen der Eine sich ungerührt am Essenstisch bedient. Von den sehr glimpflich abgelaufenen Ermittlungen bezüglich der verschwundenen Leiche oder auch des Betretens des "Büros" einer Unterweltgröße mit nicht durchsuchter Tasche sowie zahlreichen anderen, für Sarah viel zu glücklichen Umständen gar nicht zu reden. Das alles ist zu unwirklich, um Authentizität zu vermitteln und so gelingt es dem Film auch nicht, eine (konstante) Spannung aufzubauen, woran auch der stellenweise fürchterliche, sprich unpassende Score seinen Anteil hat - mit dem aufgebauschten, sehr konstruiert wirkenden Finale wird das offenbar anvisierte Ziel einer weiblichen Heldin dann doch um einige Meter verfehlt.

Fazit: Trotz einer stark aufspielenden Sarah Bolger scheitert das Sozialdrama aus britischen Gefilden letztendlich an seinem schwachen Drehbuch - bestenfalls durchschnittliche Thriller-Kost, die man, einmal gesehen, auch gleich wieder vergißt. 4 Punkte.

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