Als in Kalifornien lebender, gebürtiger Marokkaner hatte Autor und Regisseur Aziz Tazi eine nahe liegende Vision: Ein Liebespaar zweier unterschiedlicher Kulturen verbringt Urlaub in einem Heimatland der beiden, bis dieser ein jähes Ende findet. Daraus eine trashige Knastgeschichte zu basteln, - den Bogen muss man erstmal schlagen.
Als der amerikanische Journalist Frank auf die gebürtige Marokkanerin Sarah trifft, ist es sogleich um ihn geschehen und auch sie ist nicht gänzlich abgeneigt. Das Paar reist nach Marokko, doch eines Abends lassen drei Gesetzeshüter die Situation eskalieren, woraufhin Sarah erschossen und Frank in ein kalifornisches Gefängnis gesteckt wird. Er muss nun Mittel und Wege finden, seine Unschuld zu beweisen…
Tazi versucht es mit einem kleinen Rundumschlag, der recht viele Unterthemen einbezieht. Das Knastdrama, welches mit diversen Zeitsprüngen arbeitet, beschäftigt sich nicht nur mit Korruption in höchsten Kreisen, Machtpolitik unter Gefangen und Unschuldsvermutungen. Er thematisiert auch den muslimischen Glauben (im Knast gibt es auffallend viele davon) und versucht ihn ambivalent zu behandeln. Zwar werden zwischenzeitlich einige Klischees angesprochen (dunkelbärtige Insassen betreiben Terrornetzwerke, Alkohol und Sex vor der Ehe sind tabu), doch anderweitig finden sich einige Parallelen zu anderen Weltreligionen oder Anschauungen.
Während die frühe Phase des Rückblicks die erste Begegnung des Paares in den Vordergrund rückt und dabei Sympathien für beide sammelt, entwickelt sich der Aufenthalt in Marokko zu einer Angelegenheit von Ungereimtheiten, die teils weniger Sinn ergeben. Auch der Machtpoker im Knast findet eher halbherzig statt und dient im Grunde nur dazu, einem zu diesem Zeitpunkt bereits abgehalfterten Mickey Rourke rund drei Minuten einzuräumen. Louis Mandylor erhält als Direktor sogar nur die Hälfte, wogegen Patrick Kilpatrick die Chose als fieser Knastwärter komplett an sich reißt. Warum man ihm jedoch einen weiteren Flashback mit kurzer Kampfhandlung in einem Krisengebiet einräumt, bleibt komplett nebulös.
Überdies gibt es überraschend wenig Action und wenn findet diese außerhalb der Knastmauern statt. Immerhin kommt es gegen Finale zu kleineren Wendungen und zwei kurzen Gewalteinlagen, allerdings hätte man den Ausgang etwas zufrieden stellender gestalten können. Doch auch in diesem Kontext gibt es einen vagen Hoffnungsschimmer, da auch der Kurzauftritt eines Eric Roberts nicht fehlen darf, der in seinen zwei Minuten überraschend motiviert performt.
Ansonsten gibt es unter den Mimen eklatante Qualitätsunterschiede, da ausgerechnet Hauptdarsteller Sean Stone speziell bei den romantischen Szenen nicht sonderlich überzeugend performt, während einige vermeintliche Muslime schlichtweg nicht als solche durchgehen. Handwerklich bleibt das Werk unauffällig, was sich bis auf den wenig markanten Score erstreckt.
Dass der Knastfilm tendenziell nicht gut beim Zielpublikum ankommt, dürfte in erste Linie an der Fülle der Unterthemen liegen und der Tatsache, wie wenig Spannung über einige Phasen aufkommt. Tatsächlich wirkt das Drehbuch an nicht wenigen Stellen holprig und unausgegoren, anderweitig durchleuchtet er manche Themen mit gebührender Tiefe, obgleich er zuweilen unfreiwillig komisch anmutet, wodurch überdies ein gewisser Unterhaltungswert gegeben ist. Ergo ist das Regiedebüt mit Vorsicht zu genießen und eher Trashfreunden mit Faible für Knastdramen angeraten.
Knapp
6 von 10