Teil Zwei und somit verlängerter Arm einer im Jahre 2019 aufgekommenen und eventuell das ursprünglich mit Hoffnungen belegte Genre der Science fiction überholenden Reihe von chinesischen Katastrophendramen, Abteilung verspäteter Irwin-Allen-Filme (oder doch eher welcher von David Lowell Rich), die mit dem feurigen The Bravest ihren furiosen Start genommen hat und über The Captain und The Climbers hin zu dem Weihnachtsspektakel SkyFire (von Desaster-Regisseur Simon West) geht. Ursprünge dürfte man zumindest bei den ersten drei genannten Titeln neben dem Blockbusterkino aus Hollywoods Vorzeit der Siebziger auch bei der landeseigenen (Un)Sitte genommen haben, sogenannte wahre Geschichten propagandatechnisch aufzubereiten und als offensives Kintopp für das Volk nachzuerzählen, eine Mischung, die schon bis nach 2016 zurückreicht und nun das Militärische außen vor lässt und dennoch in das Eingemachte der Heldenverehrung geht:
Mai 2018. Ein Airbus A319 der Sichuan Airlines mit geplanten Flug vom Chongqing Jiangbei International Airport zum Lhasa Gonggar Airport gerät plötzlich in heftige Turbulenzen, als in fast 10000m Höhe Flughöhe die rechte Frontscheibe beim Kopiloten Xu Yichen [ Oho Ou ] reißt, diesen halb nach draußen saugt und auch das Autopilotensystem beschädigt. Während die Cockpitcrew unter Führung von Captain Liu Changjian [ Zhang Hanyu ] bemüht, Funkkontakt zur Basis herzustellen, um eine Notlandung zu ermöglichen, kämpfen hinten die Flugbegleiter um Bi Nan [ Yuan Quan ] um die Sicherheit und vor allem auch die Ruhe der Passagiere.
Der Höhenflug gerade dieses Filmes, welcher als Sully für die Volksfront pünktlich zum Chinesischen Nationalfeiertag gestartet ist und sich dort über Tage hinweg ein erstaunlich erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen neben der Staatsverklärung My People, My Country geliefert und den zeitgleichen The Climbers schnell abgehängt hat, dürfte vor allem seinen Regisseur Andrew Lau freuen; einen (je nach Sichtweise) ewig über- oder unterschätzten Mann, der nach einer zuletzt als 'Geier Sturzflug' zu bezeichnenden Karriere hier mit Abstand sein erfolgreichstes Kinoeinspiel hinlegt und mit Vollgeschwindigkeit und Blindflug durch das menschliche Drama und der Moral von “Respect life. Respect duty. Respect procedures.“ düst.
“Please trust our Captain. We'll go home together.“
Getreu der alten Airport - Schule ist hier Vorbereitung natürlich Ein und Alles, die erste Vorstellung der involvierten Personen und ihrer Vorgeschichte inklusive all der guten und der weniger guten Dinge, die der Job und das Umfeld sowie das Leben sowieso mit sich bringt. Die Leute in der Kanzel sind dabei alles Männer, die Helden, die das Teil vom Start an vom Boden abheben und möglichst heil auch wieder zur Landung bringen, die restliche Crew für die Versorgung der Fluggäste und ihrer Annehmlichkeiten bestehen natürlich aus den Damen der Gesellschaft, welche vorher auch tatsächlich noch den Make-up Check machen; unnötig allerdings, sieht hier doch sowieso alles aus wie aus dem Ei gepeilt und mit dem Lineal gerade gerückt.
“Raise your hand if You'ne a member of the Communist Party.“
Routinierte und gleichzeitig reduzierte Bewegungen der Menschen vor und an Bord, dazu schnittige Uniformen und teils auch ein formelles Aussehen und auswendiges Lernen, wobei man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass hier jeder kurz vorm Stramm stehen und Salutieren ist. Überhaupt wird schon in den ersten Minuten die Wichtigkeit des Ganzen betont, ein Aufwand gemacht, als wenn man nicht ein Passagierflugzeug besteigt und eine Reiseroute, sondern die Marsmission zur Rettung der Welt antritt; Regisseur Lau, welcher mitsamt Edmond Fung auch als Kameramann und dies verbindlich zu den Anfängen seiner Karriere fungiert, erweist sich hier wieder mal als Mann der schicken, aber hauchdünnen Formalitäten und als Anhänger des Totalitären, wobei die Optik und der technische Aufwand (mit ausdrücklicher Unterstützung des Luftfahrtamtes und natürlich von Sichuan Airlines, deren technische Makulatur hier als Naturereignis behandelt und nicht weiter in Diskurs genommen wird) erstmal entscheidend und dahinter lange nichts mehr ist.
“This crew has reached the limits of human endurance.“
Allerdings wird hier das weißblaue Geschehen selber recht flott, zeitlich im Nachhinein erstaunlich deckungsgleich zu den realen Ereignissen und phasenweise durchaus mitreißend voran-, v.a. auch die Vielfalt der Passagiere, über 100 an der Zahl nicht lang und breit und eintönig, sondern wie in einer Art Videoclip, mit wenigen in der Masse hervorstechenden Eigenschaften an den Zuschauer gebracht; prägnanter selbst in dieser Kürze sind v.a. ein älterer Mann in Uniform, der seine vor 40 Jahren verstorbenen Kameraden die letzte Ehre erweisen will, was mit Geschmäckle offenkundig auf den Tibetaufstand 1959 verweist, dann ein dicklich verzogener neureicher Schnösel vor dem Herrn und vielleicht noch jemand junges mit graugefärbten Haaren und ein Mann, der die Asche seines Bruders in einer Urne bei sich trägt. Ein Ausländer mit 'Gelbfieber', dem zwischendurch die Nerven reißen und einer, der versucht, mit dem Getränkewagen als Schutzschild an den 'Kellnerinnen' vorbei das Cockpit zu stürmen. Tatsächlich benötigen tut man die Leute hinten in der bald turbulenten Konservenbüchse sowieso nicht, die Panikreaktionen sind ebenso anstrengend wie der zwischenzeitliche Pathos, die falsche Empathie der Netizens da draußen und das dramaturgische Vokabular voller Klischees. Wird sich am Ehering festgehalten, allseits besorgte Gesichter gemacht und die Telefonleitungen glühen; allerdings muss man positiv bescheinigen, dass sich alles in Grenzen hält und der Film (über die nächste Eroberung des Daches der Welt trotz aller Widrigkeiten) im Nebenplot kaum Ballast mit sich führt.
Wichtig ist sowieso nur The Chinese Pilot [ Arbeitstitel ], welcher von einem ebenso gedämpften, eher ruhigen Darsteller mit ebenso sonorer Stimme als Vertrauensperson verkörpert und von Anbeginn an und das auch mit Recht in die Mitte der vielfältig technischen Abwicklung der baldigen Gefahrensituation und des sturen Umgangs damit und gegen alle Naturgesetze und -gewalten rückt. Erst kein Sauerstoff, dann keine Kommunikation und keine Sicht, dann die klirrende Kälte, welche bald noch mit Regen und Hagel gar angereichert wird und all das schutzlos auf die drei Genossen in der fensterlosen Font einwirkt.