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Jennifer Lopez tanzt mit rund 50 Lenzen halbnackt an der Stange und viele Filmkritiker sind hin und weg. Dass in dem Drama von Autorin und Regisseurin Lorene Scafaria kaum mehr als Oberflächlichkeiten präsentiert werden, fällt hingegen deutlich stärker ins Gewicht.

New York, 2007: Destiny (Constance Wu) beginnt einen Job als Tänzerin in einem Strip Club und wird von der erfahrenen Kollegin Ramona (Jennifer Lopez) unter ihre Fittiche genommen. Nach dem Finanzcrash 2008 müssen sich die Mädels etwas einfallen lassen, um den Typen von der Wall Street das Geld aus der Tasche zu locken. Mithilfe von Drogencocktails sollen die Herren gefügig gemacht werden, bis der Plan ein wenig zu weit geht…

Manch einer mag den Stoff mit dem eines Martin Scorsese vergleichen, - der unsägliche „Striptease“ mit Demi Moore scheint allerdings nahe liegender. Die ersten 45 Minuten taucht der Stoff in die Welt des Clubs ein, in der es erstaunlicherweise total kollegial zwischen den Tänzerinnen zugeht. Warum Ramona sich der neuen Kollegin annimmt, wird zwar nicht ersichtlich, doch rasch werden die beiden beste Freundinnen und holen sich zwei weitere ins Boot, damit zwischen Latina, Asiatin, Afroamerikanerin und Blondine auch für jeden etwas dabei ist.

Leidlich spannender gerät es erst, als kriminelle Machenschaften ausgebrütet und Mischverhältnisse der zu verabreichenden Drogen ausprobiert werden, - eine gewisse erzählerische Leichtigkeit hält das Gefüge immerhin beisammen und der Pole-Dance von Jlo zählt zweifelsohne zu den optischen Highlights. Jedoch wiederholen sich Vorgänge ohne erwähnenswerte Varianten: Typ angelacht, benebelt gemacht, Kreditkarte durchgezogen, nächster bitte. Dazwischen wird die Kohle in Luxusgüter umgetauscht, um die ohnehin schon deutlich präsente Oberflächlichkeit der Figuren zu verstärken. Probleme einer allein erziehenden Mutter oder eines Elternteils in Pflege werden nur vage angerissen.

Die auf einen Zeitungsartikel beruhenden Tatsachen werden von der Rahmenhandlung eines Gesprächs mit einer Journalistin umgeben, was der Geschichte allenfalls im finalen Akt einen dramaturgischen Vorteil verschafft. Unerwartete Wendungen oder tiefgründige Botschaften sollten in diesem Zusammenhang jedoch nicht erwartet werden, zumal kaum eine Figurenentwicklung auszumachen ist.

Unterm Strich kann der Stoff kaum einem Genre gerecht werden, da er für ein Drama zu wenig in die Tiefe geht, die kriminellen Machenschaften ohne Pep abgearbeitet werden und Humor nur selten auszumachen ist. Daran ändert auch eine immer noch knackige Lopez nichts, die mit ihrer Präsenz sämtliche Mitstreiterinnen gnadenlos an die Wand spielt, obwohl rein darstellerisch nur Mittelmaß abgeliefert wird. Zu ereignisarm, zu bieder und zu eindimensional dümpelt das Geschehen ohne Höhepunkte vor sich hin und verpasst damit die Chance, das Ausnehmen der Wall Street-Gänse abwechslungsreich zu gestalten.
4,5 von 10

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