Da Sylvester Stallone relativ unbedrängt und unbeständig ist und auch noch mit anderen Produktionsfirmen kooperiert, liegt die einzig stabile Hoffnung von EFO weiterhin auf Bruce Willis; einem Darsteller, dessen Namen fest mit dem Genre des Actionfilmes verbunden, diese gefragten Erzeugnisse aber schon seit längerem und auch zukünftig nur für die Heimmedien abliefert und selbst dann oder auch dadurch bedingt in geringer Quantität und auch (wenig Anspruch auf) Qualität. Mit ein wenig oder doch eher viel Wohlwollen kann man die letzten Arbeiten – wenn man dieses Wort in Bezug auf 1 oder auch 2 Drehtage gegen millionenschweres Salär nutzen möchte – als im Verhältnis solide Kost und immerhin mit gewissen Interessen für die übriggebliebene und wohl noch weiter schwindende Klientel bezeichnen, Mid Price (ca. 10 Mio. USD) Produktionen gediegener Machart, die neben dem (ehemaligen) Hollywoodstar oftmals noch von einer zweiten bekannten Persönlichkeit, meist ebensolche Has beens wie hier Michael Chiklis und zukünftig bspw. Steve Guttenberg in Trauma Center oder im kleineren Rahmen populäre Darsteller wie Chad Michael Murray in The Long Night und Scott Adkins (und Til Schweiger) für Run of the Hitman als treibende Kraft besetzt:
Frank Sullivan [ Michael Chiklis ] ist seinem Bruder Joe [ Tyler John Olson ] zuliebe bei einem von diesem geplanten Banküberfall auf die Mann Chandler Bank in Cincinatti dabei, zusätzlich wie die ebenso engagierten Baxter [ Swen Temmel ], Griffin [ Kyle Schmid ] und Marshall [ Sergio Rizzuto ]. Zuerst scheint auch alles nach Plan zu klappen und wird im Auftrag des die Fäden ziehenden Rex [ Bruce Willis ] auch ein geheimnisvolles Metallkästchen aus einem der Schließfächer an sich genommen, steht aber auch plötzlich die Polizei vor der Tür und eröffnet das Gefecht. In dem anschließenden Trubel wird Frank von hinten niedergeschlagen; als er wieder aufwacht, ist nicht bloß das Kästchen fort, sondern auch sein Bruder tot und Rex samt dessen 'Cleaner' Ivory [ Lydia Hull ] hinter ihm her. Frank, der seinem Bruder vorher versprochen hat, auf dessen Freundin Claire [ Meadow Williams ] achtzugeben, flieht mit der auch in Gefahr Geratenen und macht sich gleichzeitig auf die Suche nach dem wahren Übeltäter.
"I got a guy on vice, said the bank's a fucking mess. They shot the place up pretty bad, took out a bunch of damn cops in the process."
Filme mit dem Stich- oder auch Schlagwort 'Banküberfall' sind neuerdings wahrscheinlich des Willis liebste Kinder, Reprisal hat mit einem dieser Verbrechen eröffnet, und auch Marauders drehte sich grundsätzlich um einen und hat auch mehrere dieser Straftaten praktiziert. Hier wird der Raub mit Schusswaffen, Ganzkörperschutz und Gesichtsmaske gleichsam schon beizeiten getriggert und auch im bereits einzelne Einstellungen vor allem auch der kommenden Schießerei schon beinhaltenden Vorspann angeteasert; martialische Appetizer quasi, in denen das Gefühl für präzise(re) Momente seitens des Regisseurs fast besser als in der tatsächlichen Szene selber ist. Zwar knallt es dann auch tatsächlich mal, taucht nicht nur die Polizei als Hindernis auf, sondern auch viel zu früh und mit bleihaltiger Gegenwehr im Sinn, ist der Shootout aber wie auch zuletzt bei Miller in seinem Œuvre gesehen noch zusätzlich durch eine jederzeit nervöse Kamera unterstützt; eine Unruhe im sonst stabilen Bild, die das Geschehen weder richtig statisch und dadurch interessant von der taktischen Inszenierung her hält, noch die Passivität des Zuschauers auflösen und kein Gefühl des Mittendrinseins auslösen kann. Sondern einfach nur fehl choreographiert ist.
"(...)I busted my ass to get out of there. Cops were out front, the alarm went off, shit was fucking haywire, all right? Nothing went according to plan."
Miller, der mittlerweile auch bei weitem genug ähnliche Setups gedreht hat, und sich (besser) damit auskennen müsste, verschenkt so die erste Chance auf ein Gewinnen des Publikums und damit das Hoffen auf eine Gnadenfrist. Halbherzig gehandhabte und im Grunde eher ärgerliche als aufreibende Aktionen bei dem eh schon geringen Produktionsvolumen mag man heute nicht mehr sehen, da nützen auch einige rabiatere Trefferwirkungen nicht viel; allerdings wird die Konfrontation sowieso ausgiebig gestreckt und je nach unterschiedlicher Erinnerung und Erzählweise der mit ihrem jeweiligen Waffenarsenal Beteiligten bald noch als narrativer Clou erneut zum Leben erweckt. Zudem ist die Optik des Filmes wenigstens gediegen kräftig, eine schnörkellose oder auch simple Präsentation, die mit viel hellen Blau und ebensolchen hellen Grautönen, zwei gestandenen Mannsbildern und einer zeitlos typischen, kantig-amerikanische Großstadt als Umfeld der kriminellen Aktivitäten (die "Königin des Westens" statt dem Ostblock etwa) nach solider urbaner Handwerksarbeit aussieht.
Hübscher wird die Ausstattung dadurch nicht, sieht man oftmals nur eine leergeräumte Gebäudeetage als Schaltzentrale des ganzen Malheurs, kleine Kemenaten als Unterkünfte der low-life Kriminellen, einen dunkles Pub mit viel ausgeschenkter brauner Flüssigkeit zum Vergeben und Vergessen, selbst die Bankhalle sieht aus wie nach der sprichwörtlichen Sintflut und rostet auch fleißig vor sich hin. (Der hier im Showdown platzierte 'Cincinatti Union Terminal' wirkt wie der kleinste Hauptbahnhof der Welt.) Immerhin hat die (letztlich dämliche und auch weithin absehbare) Geschichte mit ihrem MacGuffin des Metallkoffers und dem die losen Fäden zusammensuchenden Chiklis sowie diversen Schergen als Verdächtige und den Mittel- und Hintermännern, die auf Ausübung der Arbeit auf der Straße warten einige kleinere Anhaltspunkte für Neugier und Spannung zu bieten, auch bekommt man vergleichsweise viel Worldbuilding (ein illegaler, allerdings mit Lens flares aufbeleuchter Pokerschuppen als Alibifunktion, mehrerer Safe Houses, eine Untergrundklinik zum Verarzten und für die Schönheitsoperation zur Fluchthilfe etc.) und vielleicht einen Hauch mehr Aktion in Form von (stets mäßigen) Kugelwechsel geboten, quasi die B- oder auch eher C-Ausgabe eines John Wick Universums, und trägt Chiklis mit seinem breiten niederen Auftreten nicht nur Serien, sondern eben auch 90min erstaunlich siffigen Film.