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Filmische Fortsetzungen von Kubrick-Werken haben es immer schwer. Als Peter Hyams 1984 eine Fortsetzung zum epochalen Vorgänger „2001 - A Space Odyssey“ drehte, schuf er einen durchaus passablen und unterhaltsamen Film, der aber darüber hinaus so wenig vergleichbar war wie ein Fertigteilhaus mit einer Kathedrale. Bei „Doctor Sleep“, einer Adaption des Romanfortsetzung von Stephen King, verhält es sich ähnlich. Hier sehen wir sogar kurzzeitig während einer Reise im Knoten eine Kathedrale, der Film traut sich aber nicht, diese zu etablieren. Wo Kubrick die Drehorte wirken ließ, sehen wir hier Parkbänke, die überall stehen könnten. Und dabei sind wir in den Südstaaten! Überall hängt da Ewigkeiten überdauerndes Moos von den Bäumen, die schwüle Luft mit ihrer morbiden Atmosphäre wäre zum Greifen nah. So richtig bedrohlich wirken die Bösewichte im New-Orleans-Chic mit Hut nicht, da helfen auch die obligatorischen Fulci-Augen nicht. Dabei werden sie ja im Roman als durchaus wohlhabend beschrieben und sollen im Kapital vernetzt sein. Intensiv wird es in der Inszenierung erst, wenn Kinder malträtiert werden, umringt von David-Lynch-Industriebauten. Und all das nur, damit der Zuschauer billigen CGI-Seelenhauch sieht? In der Stummfilmzeit hat man das früher mit Schauspiel gelöst. Vom absurd dargestellten Peter-Pan/Superwoman-Flug ganz zu schweigen. Überraschend plump kommen die musikalischen Ideen daher. Neben wenigen Referenzen zu Penderecki/Ligeti aus „The Shining“ oder den Ray-Noble/Al-Bowly-Schlagern hört man hauptsächlich Herzschläge, die die Spannung beschleunigen sollen. Sehr schade! Da der Film direkt versucht, an Kubricks Vision anzuknüpfen, wurde der Schluss auch geändert und es geht ins Overlook-Hotel. Diese Reise gelingt, und es ist eine Wonne zu sehen, wie das Hotel wieder aktiviert wird. Zugleich fühlt man sich bei soviel Akkuratesse der Bauten und des lockenden Fan-Services aber auch an der Nase herumgeführt. Am Ende hatte ich genau das gleiche Gefühl wie nach „2010 – The year we make Contact“: Es war schön und unterhaltsam, zu sehen, wie es weitergeht. Als filmischer Meilenstein wie „Shining“ wird „Doctor Sleep“ allerdings nicht in die Geschichte eingehen. Als unterhaltsamer Zeitvertreib, vor allem angesichts des misslungenem und im gleichen Jahr veröffentlichten „Es Kapitel 2“, durchaus. 7/10

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